Borussia Mönchengladbach - Werder Bremen heute ab 15.30 Uhr live

 - 19.11.2011

Werder und Gladbach spielen auf Augenhöhe

Von Oliver Matiszick
Bremen. Der knifflige Endspurt der Hinrunde, er beginnt für die Mannschaft von Werder Bremen heute Nachmittag: mit dem Spitzenspiel bei Borussia Mönchengladbach. Dass es ein solches werden würde, war absolut nicht vorherzusehen. Doch vorhersehen lässt sich inzwischen, dass der Gewinner angesichts der Konstellation dieses 13. Bundesliga-Spieltags ganz vorne bei der Musik dabei sein wird.
Marko Marin ist wieder fit und fährt mit zum Spiel gegen Borussia Mönchengladbach.
Marko Marin ist wieder fit und fährt mit zum Spiel gegen Borussia Mönchengladbach.

Langweilig war es eigentlich nie im Borussia-Park von Mönchengladbach, wenn Werder dort spielte. Denn fast jede der Partien schrieb eine besondere Geschichte. Die von anfangs hoch überlegenen Bremern, die am Ende durch ein Eigentor ihres Kapitäns Frank Baumann noch verloren (Saison 2005/06). Die eines unnötigen Punktverlustes gegen den späteren Absteiger, den Werder sich im Meisterrennen nicht leisten durfte (2006/07). Die von Neuzugang Aymen Abdennour, dessen Bundesliga-Karriere als Linksverteidiger nach einer indiskutablen Leistung beim 3:4 gleich wieder beendet war (2009/10). Und zuletzt die von einem 4:1-Auswärtssieg, der Werders einziger in einer ansonsten trüben Hinrunde bleiben sollte (2011/11). Eines aber sah der Borussia-Park in all den Jahren seit Eröffnung im Sommer 2004 nicht: ein Spitzenspiel Borussia Mönchengladbach gegen Werder Bremen. Am heutigen Sonnabendnachmittag wird sich das ändern.

Es spielt der Tabellendritte Werder beim Tabellenvierten Borussia - und zwar auf Augenhöhe. Denn geringer könnte das, was den Unterschied in der Platzierung aktuell ausmacht, nicht ausfallen: Bei identischer Punktzahl (23) ist es ein lausiger Zähler in der Tordifferenz, um den die Mannschaft von Trainer Thomas Schaaf besser dasteht.

"Sie spielen eine klasse Saison, sie spielen richtig guten Fußball", sagt Schaaf dann über die Gladbacher, "sie haben ein gutes Selbstbewusstsein." All das ließe sich angesichts der nackten Zahlen, siehe oben, im Prinzip auch über seine Elf sagen. Doch bei der Betrachtung der Borussia von 2011/12 spielt der Faktor Außergewöhnlichkeit mit hinein. Dass Werder dort oben in der Bundesliga mitmischt - es wird letztlich wahrgenommen, als würden die Verhältnisse nach einem grausamen Jahr nur wieder gerade gerückt werden. Dass aber Gladbach nach vielen grausamen Jahren zur Spitzengruppe zählt - das ist die weitaus größere, die eigentliche Überraschung.

Vor allem aber: Es ist keine Überraschung, die auf Zufälligkeiten beruht. Hinter ihr steckt ein Plan: Lucien Favres Plan. Mit Amtsantritt im Februar verordnete der Trainer dem vermeintlich schon abgeschlagenen Abstiegskandidaten Borussia eines strenge Disziplin in der Abwehrarbeit, an die sich die Mannschaft bis heute hält. "Eine gute Balance zwischen Offensive und Defensive", nennt es Schaaf, "sie schalten sehr gut um." Und wie. Die bisher neun Gegentreffer der Gladbacher zählen zu den Spitzenwerten der Liga. Im einstelligen Bereich liegen nach zwölf Spieltagen nur zwei weitere Mannschaften der amtierende Meister Dortmund (ebenfalls neun Gegentore) und der große Titelfavorit aus München (vier). Es ließe sich auch sagen, Gladbach befindet sich in bester Gesellschaft.

Weshalb sich Werder mit der Dienstreise unerwartet vor die Aufgabe gestellt sieht, endlich auch einmal gegen einen großen Gegner zu bestehen. Der Spielplan, der es in dieser Saison gut mit den Bremern meinte, bot bisher als größte Aufgaben die Partien gegen Dortmund und Hannover; beide wurden verloren. Mit den Prüfsteinen Bayern und Schalke wird der Endspurt der Hinrunde erst noch richtig knifflig - und Gladbach läutet diese Phase heute ein. "Es wäre schön", sagt Innenverteidiger Sebastian Prödl, "einen Gegner aus unserer Tabellenregion mal schlagen zu können."

Es wäre sogar ein doppelt wertvoller Erfolg. "Denn das Spiel ist richtungsweisend", sagt dann auch Außenverteidiger Lukas Schmitz. Weshalb? Weil heute eben nicht nur in Gladbach gespitzenspielt wird, sondern auch noch in München. Dort empfängt am Abend der Spitzenreiter Bayern die Dortmunder. Letztere sind Tabellenzweiter, mit, jawohl, 23 Punkten. So wie auch Werder und Gladbach also. Was nichts anderes heißt als: An diesem 13. Bundesliga-Spieltag geht richtig was. Verlieren die Bayern, kann der Sieger von Mönchengladbach mit dem BVB auf Schlagdistanz an Platz herankommen. Verlieren die Dortmunder, wird der Sieger von Mönchengladbach zum ersten Bayern-Verfolger.

Langweilig wird es im Borussia-Park heute also schon einmal nicht. Mal wieder nicht. Und weniger denn je.






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