| 15 Fragen zu Werders Rückrunde 2011/12 » |
Marko Marin also fegte los. Quer über den halben Platz führte Werders Nummer zehn den Ball, er lief und lief und lief - bis ihn fünf Dortmunder umzingelt hatten und ihm den Ball abnahmen. Chance vertan.
Chance für Werder vertan, ein Tor zu schießen. Und Chance für Marko Marin vertan, um zu zeigen, dass er doch ein Spielmacher ist, einer, der genau weiß, in welchem Moment der Ball zu welchem Mitspieler gepasst werden muss. Im Spiel zuvor gegen Borussia Mönchengladbach war Werder das ein paar Mal besser gelungen. Da hatte Mehmet Ekici den Spielmacher gegeben und drei, vier schöne Pässe gespielt. Mehmet Ekici, das ist eine Erkenntnis aus der Vorbereitung auf die Bundesliga-Rückrunde, hat Marko Marin überholt.
Als die beiden nach Turnierschluss durch die Katakomben der Düsseldorfer Arena zum Mannschaftsbus spazierten, da versammelten sich die Reporter um Ekici. Marin, der ein wenig später kam, konnte seinen Weg weitgehend unbehelligt fortsetzen. Ekici sagte dann ein paar Sätze, die Selbstvertrauen demonstrierten. Mehmet Ekici tritt unerschrocken auf im Moment, und das dokumentierte er nicht nur durch das kurzärmelige T-Shirt, das er trug, obwohl es bitterkalt war in den Gängen des Stadions. Er sagte: "Ich fühle mich jetzt besser als im Sommer. Ich kenne das Spielsystem bei Werder jetzt besser. Ich erwarte jetzt mehr von mir. Das habe ich schon in Belek gezeigt, und auch heute war das ganz okay."
Und Marko Marin? Der vor nicht einmal zwei Jahren noch als Dribbelkünstler gepriesene Spaßfußballer hat sich festgedribbelt. Ihm gelingt es seit einiger Zeit nicht mehr, den Beweis seiner Klasse zu liefern. Ein Besuch auf seiner beeindruckenden Homepage lässt keinen Zweifel daran, am wem sich Marko Marin eigentlich orientiert: an den Besten. Anhand von Fotoserien erklärt er dort die Tricks von Ronaldo und Ronaldinho, anhand von Skizzen analysiert er die Jahrhundertdribblings von Maradona, Messi und Ibrahimovic. Alle Welt wähnte Marin einst auf dem Weg dorthin, in die internationale Klasse. Im Moment reicht es nicht einmal für einen Stammplatz im Bremer Mittelfeld.
Vielleicht weil er kein Mittelfeldspieler ist? Immer wieder hatte Marin in den vergangenen Monaten erklärt, dass die Rolle hinter den Spitzen gut zu ihm passe, zuletzt noch im Trainingslager in Belek hatte er sich so geäußert. Gestern auf dem Weg zum Training klang das schon anders. Da sagte er: "Jeder weiß, dass ich Außenstürmer war, als ich nach Bremen kam." Mit Blick auf die ihm zugedachte Spielmacherrolle sagte er: "Ich will jetzt nicht dem Trainer ins System reinreden, auch wenn klar ist, dass ich meine besten Spiele auf einer anderen Position gemacht habe."
Die Art, wie Marko Marin Fußball spielt, funktioniert eher so: Er schnappt sich an der Seitenlinie den Ball, dribbelt den ersten Gegner aus, vielleicht noch den zweiten, und zieht dann nach innen. Eine solche Positionsbeschreibung ist im Bremer System aber gar nicht vorgesehen. Thomas Schaaf lässt mit zwei Stürmern spielen. Die Offensivarbeit auf den Außenbahnen teilen sich der jeweilige Mittelfeldspieler und der hinter ihm postierte Außenverteidiger. Mittelfeld- und Abwehrmann haben außerdem konsequent den Rückwärtsgang einzulegen und Defensivarbeit zu verrichten. Marins Stärke ist das eher nicht. Thomas Schaaf versucht deshalb, Marin in die Zentrale einzubinden.
Wie sehr der Werder-Trainer ihn inzwischen auf dieser Position sieht, wurde in Düsseldorf deutlich. Obwohl gegen Mönchengladbach der Platz im linken Mittelfeld neu zu besetzen war, brachte Schaaf nicht Marin, sondern das brasilianische Sorgenkind Wesley. Marin durfte erst später spielen; als Anführer eines Mittelfeldes bestehend aus den Nachwuchskräften Tom Trybull, Florian Trinks und Felix Kroos.
Extraschichten während des Weihnachtsurlaubs
Marko Marin führt sein anhaltendes Tief auf eine Verletzung im Herbst zurück. Er sagt, dass er sich freuen würde, wenn er der Mannschaft bald wieder so wie vor der Verletzung helfen könne. Er arbeite hart an sich, und tatsächlich hat er während des Weihnachtsurlaubs Extraschichten eingelegt. Er sagt, dass die Europameisterschaft im Sommer immer noch sein Ziel sei. Tatsächlich jedoch sind der Dortmunder Mario Götze, André Schürrle aus Leverkusen und Marco Reus von Mönchengladbach längst an ihm vorbeigezogen.
So ist es einigermaßen bemerkenswert, dass es der kleine Techniker trotzdem in regelmäßigen Abständen europaweit in die Schlagzeilen schafft. Sobald die Transfermärkte öffnen, wird Marins Name mit Vorliebe in England und Italien gehandelt. Im Sommer waren angeblich der FC Liverpool und Tottenham Hotspur an ihm interessiert. Jetzt im Winter heißt es, dass Inter Mailand ihn haben wolle. In Italien haben sie sich in den kleinen Dribbler verguckt, seitdem er die Abwehrspieler von Sampdoria Genua vor eineinhalb Jahren während der Champions-League-Qualifikation schwindelig gespielt hat. Über den Status eines Gerüchts ist das angebliche Inter-Interesse bisher aber nicht hinausgekommen. Man könnte sagen: Auch hier haben sich die Dinge festgelaufen.




