Werder Bremen muss Mittelfeld umbauen

 - 02.02.2012

Chance für Werders Neuzugang Junuzovic

Von Timo Sczuplinski
Bremen. Verletzungen und eine Gelbsperre bringen Werders Mittelfeld derzeit durcheinander. War die Besetzung der Halbpositionen in der Hinrunde noch eine Konstante in der Raute der Grün-Weißen, muss Thomas Schaaf sein Mittelfeldgerüst zum Freiburg-Spiel wieder umbauen. Doch vor allem durch Neuzugang Zlatko Junuzovic hat der Klub in diesem Bereich nun wieder mehr Möglichkeiten.
Werder Bremen stellt Neuzugang Zlatko Junuzovic (zuletzt Austria Wien) vor.
Werder Bremens Neuzugang Zlatko Junuzovic.

Man musste schon genau hinschauen. Leicht waren Werders Fußballer am Mittwochvormittag jedenfalls nicht zu erkennen. Beim Trainingskick im Weserstadion hatten sie sich mit Mützen, Schals und Sturmhauben vor den arktischen Temperaturen geschützt. Lediglich Position, Laufstil und Körperhaltung gaben Aufschlüsse über ihre Identität. Einer jedoch verzichtete auf eine wärmende Kopfbedeckung. Zlatko Junuzovic, Werders Winterneuzugang, zeigte sich. Vor allem fiel der Österreicher aber dadurch auf, dass er in seiner zweiten Trainingseinheit an der Weser bereits im vermeintlichen A-Team und dort auf der rechten Mittelfeldseite auflief.

"Das ist nichts total Fixiertes. Wir müssen schauen, wie es am besten passt", sagte Thomas Schaaf. Statt den Österreicher Junuzovic hatte der Trainer Mehmet Ekici im Training weiter auf der Spielmacher-Position spielen lassen. "Wir haben viele Möglichkeiten", sagte Schaaf über die Situation im Mittelfeld. Jene Möglichkeiten sind gerade durch Junuzovics Kommen gestiegen. Und diese gilt es nun zu entdecken.

Mehr Schwung nach vorne

Denn gerade die Besetzung auf den sogenannten Halbpositionen wird in den kommenden Wochen und bereits zur Auswärtspartie am kommenden Sonntag gegen den SC Freiburg für eine gewisse Spannung sorgen. Aaron Hunt (links) und Kapitän Clemens Fritz (rechts) hatten diese Plätze im Werder-Mittelfeld über die Hinrunde hinweg durchaus ordentlich ausgefüllt. Nun musste Schaaf zur Rückrunde jene Stammbesetzung umbauen. Fritz rückte zurück auf die Rechtsverteidiger-Position, weil Sokratis in der Innenverteidigung den noch verletzten Naldo ersetzen muss. Aaron Hunt fällt seit der Winterpause verletzt aus. Herausgekommen aus den Schaaf'schen Überlegungen war zu Beginn der Rückrunde nun ein recht defensives Gebilde aus dem zentralen defensiven Mittelfeldakteur Philipp Bargfrede sowie Aleksandar Ignjovski (rechts) und Nachwuchsmann Tom Trybull (links) - plus Offensivmann Ekici.

Nun ist bereits der nächste Umbau der Raute erforderlich oder positiver formuliert: möglich. Philipp Bargfrede kassierte in der Nachspielzeit gegen Leverkusen seine fünfte Gelbe Karte und ist in am Sonntag in Freiburg gesperrt. Ignjovski wird somit von der rechten Seite auf die "Sechser"-Position vor der Abwehr zurückkehren müssen. Eine Position, die er ohnehin lieber mag. "Dort komme ich besser in die Zweikämpfe und habe das Spielgeschehen vor mir", sagt er.

Bliebe Zlatko Junuzovic für ein mögliches Bundesliga-Debüt am Sonntag noch der frei gewordene rechte Posten im Mittelfeld. Von dort könnte er mit seinem Offensivdrang mehr Schwung in Werders Spiel nach vorne bringen. Eine Sache, die in den beiden letzten Spielen noch ausbaufähig war. Jene Position wäre eine eher ungewohnte für den wuseligen Grazer, der laut Klaus Allofs eben nicht als der klassische Zehner nach Bremen geholt wurde. Bei seinem bisherige Verein Austria Wien sorgte "Juno", wie er mittlerweile genannt wird, vorrangig über die linke Seite für Gefahr. Dort hat sich in Bremen mittlerweile Tom Trybull nach seinen ersten beiden Bundesliga-Auftritten gewissermaßen festgespielt und für weitere Einsätze empfohlen. "Die rechte Seite wird auch kein Problem sein", meint Junuzovic selbst. Zumal er dort den zuletzt einzigen wirklich offensiv ausgerichteten Mittelfeldspieler, Mehmet Ekici, im Vorwärtsdrang zur Seite stehen könnte.

Auch über den 20. Bundesliga-Spieltag hinaus birgt der Transfer des österreichischen Nationalspielers ein noch größeres Potenzial an Möglichkeiten. Schaaf wird mit der wohl baldigen Rückkehr von Aaron Hunt noch variabler zwischen extrem offensiven (Hunt, Ekici, Junuzovic) und eher defensiveren (Trybull, Ekici, Ignjovski) Formationen vor der "Sechser"-Position auswählen können.

Und dann gibt es ja auch noch Marko Marin. Der Dribbelkünstler sollte sich in dieser Saison auf der Zehnerposition durchsetzen. Nach seiner Verletzung ist er mittlerweile wieder im Mannschaftstraining und spielte gestern noch in der vermeintlichen B-Elf. Verstecken wird sich der 22-Jährige trotz Mütze und Schal bei den derzeit eiskalten Temperaturen auch nicht.






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