Interview mit Markus Rosenberg

 - 03.02.2012

"Ich sehe mich als Stammspieler"

Bremen. So viele Verträge von Werder-Profis sind schon lange nicht mehr auf einen Schlag ausgelaufen. Auch das Arbeitsverhältnis von Angreifer Markus Rosenberg (29) endet im Sommer. Olaf Dorow und Timo Sczuplinski trafen ihn gestern im Weserstadion zum Gespräch.
Noch-Werderaner gegen Ex-Werderaner: Markus Rosenberg (links) im Zweikampf mit Bayer-Verteidiger Manuel Friedrich.
Noch-Werderaner gegen Ex-Werderaner: Markus Rosenberg (links) im Zweikampf mit Bayer-Verteidiger Manuel Friedrich.

Uns wurde eben gesagt, Sie hätten da was unterschrieben...

Rosenberg: Ja stimmt. Aber das waren nur Trikots für eine Werbeaktion.

Und wann unterschreiben Sie einen neuen Vertrag?

Ich habe weder von Werder noch von einem anderen Verein etwas gehört. Es ist noch früh im Jahr und ich will mich voll auf diese letzten drei Monate bei Werder konzentrieren.

Fühlen Sie sich nicht richtig wahrgenommen? Man spricht darüber, was mit Tim Wiese passiert, was mit Clemens Fritz passiert. Aber nicht, was mit Ihnen passiert.

Tim Wiese spielt in der deutschen Nationalmannschaft. Clemens Fritz ist unser Kapitän. Es gibt mehr als zehn Spieler bei uns, deren Verträge auslaufen. Das ist ein Problem für den Verein. Warum es mit mir noch keine Gespräche gibt, das müssen Sie Klaus Allofs fragen, nicht mich.

Sie wirken ruhig und entspannt. Wir stellen uns vor, dass es Ihnen doch nicht egal sein kann, dass Sie nicht wissen, wo Sie demnächst spielen.

Ich habe eigentlich immer lange Verträge gehabt. Erst in Schweden, dann bei Ajax Amsterdam und später in Bremen mit dem Jahr Ausleihe nach Spanien. Ich war selten in einer solchen Situation, dass der Vertrag in Kürze ausläuft. Jetzt bin ich bald 30 und es wird wohl mein letzter größerer Vertrag.

Na also, da müssten Sie doch unruhig sein.

Nein, nein. Ich weiß, was ich kann, und da gibt es immer genug Vereine. Ich kann nur jetzt im Moment eben noch nichts sagen.

Würden Sie denn gern in Bremen bleiben?

Ja. Ich fühle mich wohl hier. Es läuft gut, es läuft auch mit der Mannschaft gut. Da fällt es leicht zu sagen, dass man bleiben will.

Angeblich hat Ihr Berater Sie in Spanien angeboten. Wäre das eine gute Alternative?

Ich kann schlecht ,Nein' dazu sagen, denn ich hatte ein gutes Jahr in Spanien (letzte Saison bei Racing Santander, d. Red.). Aber ich fühle mich in Deutschland wohler als in Spanien. Ich kenne jetzt Werder einerseits und Santander andererseits. Wenn ich die Wahl habe, dann ist Werder die bessere Alternative. Was die Mentalität angeht, ist es für mich in Deutschland besser.

Sie haben bei Racing über Monate kein Gehalt bekommen. Ist das damit gemeint?

Das auch. Aber auch die Sprache. Niemand hat englisch gesprochen dort. Das ist dann schwierig, wenn du für zehn Monate unterschreibst und nicht für vier Jahre.

Heißt denn Ihre Alternative jetzt: entweder Spanien oder Deutschland.

Nein, heißt es nicht. Ich habe zu meinem Berater gesagt, dass ich dorthin gehen möchte, wo alles passt: das Land, die Leute, der Verein, der Fußball, alles. So wie in Bremen im Moment.

Kommt auch eine Rückkehr nach Schweden in Betracht?

Wenn ich zurückgehe nach Skandinavien, dann nur nach Malmö (Rosenberg ist dort geboren und hat dort gespielt, d. Red.). Aber jetzt noch nicht. Erst noch einen anderen Vertrag, und wenn mein Körper dann noch okay ist, dann würde ich gern noch einmal in Malmö spielen.

Seit Ihrer Rückkehr aus Santander ist jetzt ein halbes Jahr vergangen. Wie waren Sie zufrieden mit Ihrer Hinrunde?

Ich habe viel gespielt. Ich denke auch, dass ich gut gespielt habe. Leider waren es zu wenig Tore. Das ist das, was fehlt. Alles klappt, aber das war zu wenig. Der letzte Schuss ging zu selten rein.

Was kann man da tun?

Wenn ich das wüsste, woran das liegt, dann würde ich viel mehr Tore schießen. Aber ich hoffe, das kommt noch, wenn ich so weiterspiele und weiterkämpfe wie jetzt.

Sie haben oft gespielt, wurden aber auch oft aus- oder eingewechselt. Sehen Sie sich als Stammspieler?

Ja, ich sehe mich als Stammspieler. Es ist klar, wenn du eine Top-Mannschaft hast, dann hast du auch viele gute Stürmer. Und wenn du ein paar Spiele nicht gut warst, dann landest du eben auch mal auf der Bank.

Haben Sie eigentlich an Ihrem Spiel etwas verändert, als Sie aus Spanien zurückgekehrt sind?

Ich war dort Führungsspieler und habe bisweilen auf der Zehner-Position gespielt. Ich hatte oft den Ball und habe dadurch mehr Sicherheit am Ball bekommen. Mir hat das gutgetan, da in Santander zu spielen.

Jetzt haben Sie auch in Bremen mehr Spielanteile? Weil Sie sich mehr trauen?

Ja, ich bereite jetzt viel mehr vor als früher. Ich fühle mich besser ins Spiel eingebunden, bewege mich mehr, fordere häufiger den Ball.

Haben Sie sich das auch von Claudio Pizarro abschauen können. Der ist auch viel unterwegs.

Ja, er ist der Typ Stürmer, der nicht nur viel trifft, sondern sehr beteiligt ist am ganzen Spiel. Er ist sehr ballsicher. Das war mein Problem in den ersten Jahren in Bremen (Werder-Profi seit Januar 2007, d. Red.). Ich habe viele Bälle verloren und war nicht so einbezogen ins Spiel.

Haben Sie sich eine Frist gesetzt für eine Vertragsverlängerung? So wie Tim Wiese, dessen Tochter nun eingeschult wird und der bis April Klarheit haben will?

Meine Tochter war im ersten Jahr drei Monate in Schweden, drei Monate in Bremen und drei Monate in Spanien. Dann ging's wieder zurück nach Bremen. Das ist kein Problem, sie ist ja jetzt erst zwei Jahre alt. Ich sehe keinen Grund, mir so eine Frist zu setzen: Bis dann und dann will ich unterschrieben haben. Im Sommer gibt es erst mal die EM, da kann noch viel passieren.

Stichwort EM. Schweden ist qualifiziert. Werden Sie Urlaub haben in diesem Sommer?

Ja, nach der EM. Oder vorher. Oder während der EM.

Womit rechnen Sie?

Ende Februar gibt es ein Testspiel mit Schweden, das einzige vor der Nominierung. Wenn man zum Test eingeladen wird, hat man gute Chancen. Aber ich bin nicht sicher, dass ich eine Einladung bekomme. Ich wäre überrascht.

Warum?

Ich war zuletzt nicht dabei und hatte keinen Kontakt. Sie haben in Schweden sehr gute Stürmer mit Zlatan Ibrahimovic vom AC Mailand, mit Johan Elmander von Galatasaray oder mit dem jungen John Guidetti von Feyenoord Rotterdam. Der hat in 13 Spielen 14 Tore gemacht. Es wäre schön, wenn ich bei der EM dabei wäre. Aber wenn es nicht klappt, dann kann ich immerhin sagen: Ich war schon mal bei einer WM und bei einer EM.






Werder Bremen

Nach dem Abgang von Tim Wiese, Claudio Pizarro, Tim Borowski & Co. wird die Werder-Mannschaft ein anderes Gesicht bekommen. Wen sehen Sie als zukünftigen Führungsspieler?

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Online-Dossier

Viele Verträge laufen bei Werder im Juni 2012 aus, es sind spannende Wochen an der Weser zu erwarten. In unserem Online-Dossier haben wir Nachrichten, Videos, Fotostrecken und Umfragen zu diesem Thema gesammelt.

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