| 15 Fragen zu Werders Rückrunde 2011/12 » |
Ein einziger Auswärtstreffer, der von Markus Rosenberg beim 1:4 Anfang Dezember in München, kam bis heute hinzu - in über drei Monaten. Freiburg im Februar 2012 wäre eine gute Gelegenheit, das zu ändern. Weil der SC Freiburg nicht nur Tabellenletzter ist, sondern den Bremern in der Vergangenheit stets ein willkommener Gegner war. Und, viel wichtiger noch: Weil die Bremer in dieser Rückrunde so langsam mal mit dem Siegen anfangen sollten.
Denn nach zwei Unentschieden in Folge ist Platz vier, der noch die Teilnahme an der Champions-League-Qualifikation bedeutet, bereits beachtliche acht Punkt entfernt. Theoretisch ist das zwar kein unaufholbarer Rückstand, praktisch fühlt er sich aber genau so an. Denn momentan verbietet sich für Werder jeder Vergleich mit dem Spitzenquartett der Liga - von der Leichtigkeit und Sicherheit, mit der an den Standorten München, Dortmund, Schalke und Gladbach zurzeit Fußball gespielt wird, ist der Standort Bremen meilenweit entfernt. Klaus Allofs, Werders Sportchef, hat das für sich inzwischen akzeptiert: "Wenn ich sage, dass wir im Augenblick nicht so gut sind wie die vier Mannschaften vor uns, dann ist das keine falsche Bescheidenheit - sondern eine realistische Betrachtung." Für seine Mannschaft geht es erst einmal um nichts anderes, als zumindest Platz fünf und die Aussicht auf die Europa League abzusichern. Nur: Mit lauter Unentschieden wird es nicht funktionieren, Leverkusen und auch Hannover auf Distanz zu halten.
Schöne Statistik, nutzlose Statistik
Wenn es nach der reinen Statistik geht, sollte das Saisonziel Europa zumindest morgen nicht weiter in Gefahr geraten. In Freiburg verlor Werder zuletzt vor über zehn Jahren (2001 war es), in den Partien seitdem war das höchste der SC-Gefühle ein Unentschieden im Weserstadion (2004). Der Rest waren Werder-Siege, gerne auch hohe Siege wie zwei 6:0-Auswärtserfolge oder ein 4:0 und zuletzt das 5:3 der Hinrunde im eigenen Stadion. Allofs kennt all diese Ergebnisse, die Freiburg zu einem Lieblingsgegner der Bremer machen - und gibt gar nichts darauf. "Die Statistik hilft uns nicht. Wenn wir uns am Sonntag darauf verlassen, wird das nichts", sagt er, "wir müssen gut auftreten und gut spielen - dann haben wir Chancen, dort Punkte mitzunehmen."
Und das mit den guten Auftritten ist so eine Sache. Denn zwischen der öffentlichen Wahrnehmung und der Werder-Sicht auf die beiden bisherigen Rückrundenpartien tut sich in diesen Tagen eine Lücke auf. Während sich Trainer Thomas Schaaf nach der Leverkusen-Partie geradezu euphorisch über die disziplinierte Leistung seiner - aufgrund von Verletzungen auf etlichen Positionen neu besetzten und stark verjüngten - Elf äußerte, fielen die Bewertungen deutlich nüchterner aus. Und so ist es nun Schaaf, der die Statistiken bemüht - etwa die der Laufwege, die in keinem Bundesligaspiel dieser Saison größer gewesen sein sollen. "Wenn man sich das anschaut, war unsere Partie gegen Leverkusen ein hervorragendes Spiel. Und die Mannschaft will sich nun gegen Freiburg aufs Neue beweisen - deshalb bin ich positiv gestimmt", sagt er.
Kleines Problem: Auch Gegner Freiburg will sich nach dem 1:3 von Mainz nicht nur vor den eigenen Fans beweisen, sondern muss es sogar. Denn die Mannschaft von Christian Streich, das Tabellenschlusslicht, kämpft schon jetzt um nichts anderes als das nackte Überleben in der ersten Liga. Und dabei hat sie Werders Cheftrainer, klare Niederlage zuletzt hin oder her, durchaus beeindruckt. Denn trotz des schnellen und fatalen 0:3-Rückstands am vergangenen Wochenende hatten sich die Freiburger, fast über die gesamte Partie hinweg in Unterzahl, aufgebäumt. "Sie haben sich trotzdem nicht nur hinten reingestellt und die Dinger weggeknallt, sondern Fußball gespielt. Deshalb habe ich Respekt vor der Leistung - sie sind gewillt, ihre Situation zu verbessern. Und deshalb müssen wir aufpassen", sagt Schaaf.
Das, findet Mannschaftskapitän Clemens Fritz, haben sie gegen Lautern und Leverkusen, eigentlich schon ganz gut gemacht. "Wenn wir weiter so konzentriert agieren, werden wir auch unser Tor machen", sagt er, "und am besten gleich noch mehr nachlegen." So wie einst in Mainz zum Beispiel.




