| 15 Fragen zu Werders Rückrunde 2011/12 » |
Zielgerichtet lässt Trainer Christian Streich vom SC Freiburg all das trainieren, was beim Rückrundenstart gegen Mainz danebenging. Wann wird gedoppelt? Wie kittet man die Schnittstellen in der Defensive? Und wie zum Teufel behauptet man, wenn heute einer wie Claudio Pizarro von Werder Bremen Begehrlichkeiten anmeldet?
Mal redet Christian Streich sanft auf Verteidiger Beg Ferati ein, der zuletzt taktische Fehler beging, mal schiebt er Fallou Diagné nicht eben sanft von dannen, bis der mit verdutztem Blick zwei Meter weiter rechts stehend die Flanke erwarten kann. Ein Kopfball, ein Lob: "Weiter so, Junge!"
Eine Stunde später sitzt Streich in seinem Trainerzimmer und wo bei anderen die Hände beim Reden mitgehen, sind es bei ihm gleich beide Arme. Wo sein Vorgänger Marcus Sorg zuweilen ängstlich wirkte und offenbar auch in der Mannschaftsführung zuweilen die Konsequenz vermissen ließ, strahlt Streich die Gelassenheit eines Mannes aus, dessen Horizont nicht an der Kreidemarkierung endet. Vielleicht kann er gerade deshalb mit einer Leidenschaft über Fußball reden, die offenbar auch die Spieler als mitreißend empfinden. Der neue Kapitän Julian Schuster, der sich zuvor für einen Verbleib von Sorg stark gemacht hatte, ließ schon nach den ersten Übungseinheiten unter dessen ehemaligem Assistenten wissen, es sei "etwas in Gang gekommen." Der neue Coach kann "begeistern."
Fünf Spieler waren unerwünscht
Das allerdings wird auch nötig sein, schließlich ist die ruhebedürftige Freiburger Öffentlichkeit irritiert über ihren SC, der allein in diesem Winter mehr Schlagzeilen produzierte als in den zurückliegenden 20 Jahren zusammen. Gleich fünf Spieler erklärte man für unerwünscht, darunter mit Felix Bastians und dem langjährigen Kapitän Heiko Butscher zwei, die prompt renommierte neue Vereine (Hertha BSC Berlin und Eintracht Frankfurt) fanden.
Immerhin konnten die beiden Planstellen in der Defensive im Winter neu besetzt werden. Der Däne Michael Lumb hat Bastians Platz auf der linken Außenbahn übernommen. Der aus Metz gekommene Diagné soll die anfällige Innenverteidigung stabilisieren, der in Hamburg aufgewachsene Karim Guédé ist für die Sechserposition vorgesehen. Nicht auszuschließen, dass der naturalisierte Slowake gegen Werder sein Startelf-Debüt gibt. Diagné, Lumb und der aus Köln gekommene Offensivmann Sebastian Freis haben bereits gegen Mainz debütiert - Diagné flog allerdings nach fünf Minuten vom Platz und fällt heute aus, ebenso wie der zu Saisonbeginn für über zwei Millionen Euro gekommene Garra Dembelé, der mit Mali im Viertelfinale des Afrikacups steht und die größte Sorge der SC-Fans verstärkt: Die, dass ihr Team keinen konkurrenzfähigen Angriff habe.
Nach dem Weggang des zum englischen Klub Newcastle United transferierten Papiss Demba Cissé konnten schließlich selbst die Offziellen des SC nicht so recht erklären, wer denn nun die nötigen Tore im Abstiegskampf schießen solle. Der Rest des Teams hatte schließlich nicht erst in der Hinrunde massive Zweifel an seinen Fähigkeiten im gegnerischen Sechzehner geweckt: Nur drei Tore erzielten die anderen Stürmer, sechs das komplette Mittelfeld.
"Auch außerhalb des Platzes ein guter Typ"
Manager Dirk Dufner hat am letzten Tag der Transferperiode mit Ivan Santini nun doch noch einen Stürmer präsentiert, der zu wissen scheint, wo das Tor steht: Zehn Treffer erzielte er in 16 Spielen für den kroatischen Erstligisten NK Zadar. Interessant ist auch Streichs Hinweis, der Kroate sei "auch außerhalb des Platzes ein guter Typ, der unsere Gemeinschaft bereichern wird."Schließlich soll Cissé, dessen Wechsel zu den Bayern oder ins Ausland nicht zustande kamen, zuletzt häufig schlecht gelaunt gewesen sein, Mannschaftskameraden berichten, auch deshalb hätten sich zuletzt Missstimmungen im Team gehäuft. Die scheinen einstweilen ausgeräumt.

