| 15 Fragen zu Werders Rückrunde 2011/12 » |
Das war im Prinzip nicht ungewöhnlich, weil sich der Brasilianer in dieser Saison nie sicher sein konnte, ob er nun zum Kader für ein Bundesligaspiel gehören würde - oder, wie jetzt gegen Freiburg, eben nicht.
So war er vergangene Woche gegen Leverkusen nominiert (und tatsächlich auch kurz eingesetzt) worden, nur eine Woche zuvor hatte er die Reise nach Kaiserslautern aller Personalnot zum Trotz gar nicht erst mit antreten dürfen. Und doch war es am Sonnabend anders als sonst. Denn dieses Mal hing Wesleys Nichtberücksichtigung damit zusammen, dass er schon bald kein Werderaner mehr sein dürfte. Der 24-Jährige steht unmittelbar vor einem Wechsel zurück in seine Heimat.
Die Nachricht, dass Palmeiras São Paulo in den Transferverhandlungen mit den Bremern weit fortgeschritten sein soll, war gestern Vormittag aus Brasilien kommend nach Bremen geschwappt. Und es war eine gute Nachricht - für den Spieler wie für den Verein, bei dem er noch beschäftigt ist. Denn mit der neuen Möglichkeit - in den Vorwochen waren stattdessen SC Internacional Porto Alegre, FC Santos sowie Atlético Mineiro als Wesley-Interessenten gehandelt worden - könnte schnell ein Schlussstrich unter ein einziges großes Missverständnis gezogen werden. Wesley würde einen Verein verlassen, in dem er auch nach eineinhalb Jahren sportlich nicht angekommen ist; Werder könnte die Personalakte des kostspieligen Problemfalls Wesley schließen, ohne dass der Vermerk "wirtschaftlicher Totalschaden" darauf vermerkt werden müsste.
Schließlich hatte sich Werder im August 2010 seinen Wunschspieler nach langem Transfergerangel mit dem FC Santos und verschiedenen Rechteinhabern rund 7,5 Millionen Euro kosten lassen - und damit den drittteuersten Einkauf der Vereinsgeschichte perfekt gemacht. Immerhin noch sechs Millionen Euro könnten nun aus São Paulo zurückfließen, um Wesley aus seinen bis 2014 datierten Vertrag herauszukaufen. Kurios: In einschlägigen Internetportalen wie "transfermarkt.de" wird Wesleys geschätzter Marktwert längst deutlich niedriger beziffert.
Zahlen gleich welcher Art kommentiert Klaus Allofs ohnehin nicht - doch die Tatsache, dass nun überhaupt verhandelt wird, spricht für sich. "Es gibt ein großes Interesse an Wesley in Brasilien - doch weil er bei uns kein Stammspieler ist, spekulieren die meisten Klubs auf ein Schnäppchen. Aber das kommt für uns überhaupt nicht infrage", erklärt Werders Sportchef. Das Angebot, das Palmeiras nun abgegeben hat, taugte dazu, "dass man darüber nachdenken und verhandeln kann". Genau das wird zurzeit getan, das ist der Stand der Dinge - mehr noch nicht, betont, Allofs. "In Brasilien soll der Transfer bereits als perfekt gemeldet worden sein - so ist es aber nicht. Für mich ist das Ganze noch mit einem Fragezeichen versehen."
Dieses Fragezeichen bezieht sich nicht nur auf die Transfersumme als solche, sondern auch auf die Zahlungsweise sowie Bankgarantien. Denn laut brasilianischen Medienberichten soll die Ablösesumme auf drei Raten verteilt bis Februar 2014 beglichen werden. Man komme sich in der Sache näher, sagt Allofs, "doch es ist noch nicht so, wie wir uns das vorstellen".
Rück- statt Fortschritte
So folgt der Hinweis, dass man es sich durchaus vorstellen könne, in Bremen weiter mit Wesley daran zu arbeiten, dass aus ihm doch noch die einst erhoffte Verstärkung für das Werder-Mittelfeld wird. Es durfte getrost als eine Art Absicherung gegen ein mögliches Scheitern des Transfers verstanden werden. Denn weder Werder noch Wesley kann daran gelegen sein, das bisher so unbefriedigende Experiment länger als unbedingt nötig fortzusetzen.
Dafür war die Richtung der Entwicklung in den vergangenen eineinhalb Jahren zu eindeutig: abwärts. Lieferte Wesley im Spätsommer und Herbst 2010 zwar keine überragenden, so aber doch zunächst einige anständige Leistungen ab, geriet er nach einer Verletzung zum Ende jener Halbserie völlig aus dem Tritt. Nach einer mehrmonatigen Pause wurde umso deutlicher, dass die Auffassungen von Fußball zu unterschiedlich waren; Wesley war und blieb ein Fremdkörper im Werder-Spiel.
Der eigentliche Absturz aber folgte mit Beginn seines zweiten Bremer Jahres: Schlechte Trainingsleistungen gepaart mit aufreizend lustlosen Auftritten bei Testspielen kosteten Wesley, längst nur noch Reservist, nun sogar noch den Platz im Pflichtspielkader. Eine Trennung zeichnete sich dann auch immer deutlicher ab, je näher es auf Weihnachten zuging. "Wesley hat angedeutet, dass er gerne nach Brasilien zurück möchte, wenn ein entsprechendes Angebot kommt", sagt Allofs. Dass der Zeitpunkt nun endlich gekommen sein dürfte, ließ Wesley selbst gestern unkommentiert. "Es gibt nichts zu sagen", ließ er nur per Dolmetscher ausrichten. Was viel weniger als erhofft war. Auch das.




