Werder Bremen

 - 09.02.2012

Affolter steht bereits im Mittelpunkt

Von Timo Sczuplinski
Bremen. Viel Zeit zum Eingewöhnen hatte François Affolter nicht. Bereits drei Tage nach seiner Verpflichtung durfte der Schweizer sein Debüt in der Bundesliga feiern. Nach nun zwei Wochen in Bremen ist Abwehrmann Affolter weiter fester Bestandteil der Werder-Defensive und soll ihr mehr Stabilität verleihen. Eine große Herausforderung für einen 20-Jährigen - besonders in Bremen.
François Affolter will sich für ein längerfristiges Engagement in Bremen empfehlen.
François Affolter will sich für ein längerfristiges Engagement in Bremen empfehlen.

Irgendwie erscheint ihm alles noch etwas surreal. François Affolter kann noch nicht richtig glauben, dass er sich gerade "Stammspieler von Werder Bremen" nennen darf. Vor gut zwei Wochen stand der junge Schweizer noch im Kader der Young Boys Bern, dem derzeit Dritten in der wenig prominenten Schweizer Liga. Dort saß er unter Trainer Christian Gross in der dortigen Super League meistens nur auf der Bank. "Ich glaube an das Schicksal", sagt der 20-Jährige. Denn manchmal laufen die Dinge seiner Meinung nach schon recht merkwürdig. Wenn Sebastian Prödl sich etwa nicht diese fiese Gesichtsverletzung gegen Kaiserslautern zugezogen hätte und Andreas Wolf nicht nach Monaco gewechselt wäre, würde Affolter wohl immer noch auf der Berner Ersatzbank schmoren.

Nun hat er seinen festen Platz bei Werder gefunden. Nicht auf der Bank. François Affolter übernimmt den Part des rechten Innenverteidigers in Werders Defensive. Dort als zentraler Abwehrspieler auch aufgestellt zu werden, ist in Werders Trainingseinheiten derzeit allerdings kein großes Kunststück. Schließlich stehen Thomas Schaaf ohne den noch verletzten Sokratis ohnehin nur zwei gesunde Innenverteidiger zur Verfügung.

Die Aufgaben, die sich auf dieser Position stellen, sind hingegen die deutlich größere Herausforderung. Werder, das seit Jahren die richtige Balance zwischen Offensive und Defensive sucht, hat als einziges Team unter den ersten Sechs der Bundesliga-Tabelle ein negatives Torverhältnis. 34 Gegentreffer mussten die Grün-Weißen in dieser Saison schon hinnehmen. Bereits sieben Mal musste das Defensivgerüst in der Zentrale umgebaut werden. Das Duo Affolter/Sokratis, das gegen Leverkusen und Freiburg verteidigte, ist schon die achte Kombination auf dieser Position. Affolter sollte nun nach seinem Wechsel auf Anhieb die Defensive stabilisieren. Bei seinem Debüt gegen Leverkusen klappte das in seiner angenehm unaufgeregten Art schon richtig gut, gegen Freiburg sah die komplette Werder-Defensive bei zwei Gegentoren nicht sonderlich gut aus.

"Überrascht" sei er von Werders Interesse im Winter gewesen, gibt Affolter zu. "Ich hätte nicht gedacht, dass mich gleich so ein großer Klub haben möchte." Wahrscheinlicher wäre seiner Meinung nach ein Interesse aus der Schweizer Liga gewesen. Und wenn Deutschland, erst einmal aus der zweiten Bundesliga. Nun ist er für ein Jahr von den Bremern ausgeliehen worden. "Mein Ziel ist es, länger als ein Jahr hierzubleiben. Und dafür möchte ich mich anbieten", sagt Affolter.

Der Schweizer hat derzeit noch allerhand zu erledigen. Den Fokus hat er dabei auf das Sportliche gerichtet, private Dinge hintangestellt. So richtig viel von Bremen hat er dann auch noch nicht gesehen. Ab und zu ist er mit dem Auto herumgefahren und hat sich umgeschaut. Mehr als einen Tag Zeit für die Wohnungssuche blieb ihm auch noch nicht. Derzeit wohnt Affolter noch im Hotel, gerne würde er direkt an die Weser ziehen - mit Werders Trainingsplätzen als Vorgarten. Immerhin: Klarheit herrscht mittlerweile darüber, dass Affolter seine Militärausbildung, die er in der Schweiz noch bis in den März hinein hätte absolvieren müssen, aufgrund des Wechsels ins Ausland aussetzen kann.

Es wäre zu frech, zu behaupten, auf Affolter allein ruhen in Bremen die Hoffnungen, die Löcher in der Abwehr zu stopfen. Affolter ist mit seinen 20 Jahren einer der Jüngsten im Team. Und trotz seines frühen Profi-Debüts im Alter von 17 Jahren hat er seine besten Jahre noch vor sich. Lediglich als Platzhalter für die früher oder später zurückkehrenden Naldo oder Sebastian Prödl versteht er sich nicht unbedingt. "Ich habe mit den beiden ja noch gar nicht gemeinsam trainieren können. Daher kann ich kaum beurteilen, wie groß der Unterschied zwischen uns ist", sagt Affolter.

Im Team hat er sich schnell zurechtgefunden. Aufnahmerituale wie das Singen vor den Teamkollegen, was in manch anderem Klub lustiger Brauch sein soll, blieb ihm erspart. "Zum Glück", sagt Affolter. Singen sei nicht unbedingt seine Stärken, die liegen eher in der Spieleröffnung. Das Spiel aus der Zentrale heraus nach vorne anschieben, das sei das Ding des Schweizer Talents. Da kommt ihm die Spielweise in der Bundesliga entgegen. "Ein sehr vertikales Spiel", hat Affolter festgestellt. "Hier ist die erste Idee in der Defensive gleich offensiv." Auch da passen die Bundesliga und der Schweizer gut zusammen.






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