| 15 Fragen zu Werders Rückrunde 2011/12 » |
Mehmet Ekici hatte am Sonnabend ein Derby verloren. Ein inoffizielles. Das Münchener. Es ging um die letzte mögliche Einwechslung bei Werders 3:1-Sieg in Hamburg. Er, der Ex-Bayern-Spieler blieb Reservist. Aleksandar Ignjovski, ehemaliger Kicker von 1860 München, wurde als dritter Bremer Spieler von Thomas Schaaf in die Partie geworfen. Acht Minuten später war Schluss, Werder feierte, Ekici auch. Noch lieber hätte es der türkische Nationalspieler wohl gehabt, wenn er selbst etwas zum ersten Werder-Sieg im Jahr 2012 hätte beitragen können. Das übernahm an diesem Tag ein anderer.
Erstmals in diesem Jahr durfte Ekici nicht von Beginn an ran, er durfte gar nicht auflaufen. Dass ausgerechnet Marko Marin, Ekicis direkter Konkurrent auf der Position in Werders offensivem Mittelfeld, an diesem Nachmittag zudem einen tollen Tag erwischte, war gut für Werder - nicht aber für Ekicis Stammplatzambitionen. Der 21-Jährige ist viel zu sehr ein Mannschaftsspieler, als dass er das unterstreichen würde. Er würde vielmehr den Erfolg der Mannschaft in den Vordergrund rücken, wenn er etwas zu seiner Situation bei Werder sagen würde. Sagt er aber nicht.
Mehmet Ekici sagt derzeit nichts. Nur so viel, dass er nun trainieren müsse und auch später keine Zeit für ein Gespräch habe. Dabei bleibt er höflich, grüßt freundlich mit einem zünftigen "Servus" und lächelt, weil er eigentlich genau weiß, dass ihm die Reporterrunde in der jetzigen Situation eher weniger angenehme Fragen stellen würde. Er möchte eben nicht zu so etwas wie einem "Verlierer" im aktuellen Werder-Formhoch auserkoren werden.
Mehmet Ekici ist seit nun acht Monaten Bremer, die erhoffte Verstärkung, der Ideen- und Vorlagengeber im Mittelfeld war er dabei nur selten. Ein Tor, ausgerechnet gegen seinen Ex-Klub aus Nürnberg, und eine Torvorlage stehen auf dem Konto des Spielers, der vor einem Jahr noch einer dieser Shooting-Stars der Bundesliga war.
"Memo ist ein ausgezeichneter Fußballer. Werder hat ihn ja nicht umsonst geholt", macht sich Marko Arnautovic für seinen Teamkollegen stark. Umsonst ist der junge Türke in der Tat nicht nach Bremen gewechselt. Rund fünf Millionen Euro Ablösesumme soll er die Grün-Weißen gekostet haben, womit die Erwartungshaltung des Bremer Publikums auf Anhieb sehr hoch hing. Es scheint bei Werders Nummer 20 nicht an den fußballerischen Qualitäten zu mangeln. Eher scheint es ein sogenanntes Kopfproblem zu sein, dass er in seinen bisher 18 Bundesliga-Partien für Werder meist nicht schnell genug die richtigen Entscheidungen auf dem Platz getroffen hat. Manchmal gelang ihm das während seinen mittlerweile schon 17 Ein- und Auswechslungen, wie bei seiner Torvorlage in Freiburg.
"Memo gibt Gas im Training. Vielleicht denkt man in solchen Situationen einfach zu viel nach", sagt Mannschaftskapitän Clemens Fritz. Bei aller Kritik, die er bisher erfahren hat, darf man nicht vergessen, dass auch Ekici mit seinen 21 Jahren noch ein Nachwuchsspieler ist. Er genießt den Rückhalt innerhalb des Teams. "Jeder ist natürlich verzweifelt, wenn er nicht spielt. Es klappt halt noch nicht so", sagt etwa Marko Arnautovic und erklärt: "Ich bin aber nicht sein Vater oder seine Mutter und auch nicht er selbst. Aber ich wäre für ihn da. Dafür ist doch ein Team da."
Sieht man Mehmet Ekici im Training zu, dann blitzt immer wieder auf, über welch Klasse er verfügt - technisch auf der Höhe, Pässe in die Schnittstellen der Abwehr. Sein Trainer beim FC Bayern, Louis van Gaal, soll die Qualitäten von Ekici ebenfalls geschätzt haben. Der Niederländer sah in ihm allerdings keinen "Zehner", keinen offensiv ausgerichteten Mittelfeldspieler, sondern einen Sechser, den zentralen Staubsauger vor der Abwehr.
Auf Werders Zehn wird wohl vorerst weiterhin Marko Marin auflaufen, obwohl der sich nach eigener Aussage und auskurierter Verletzung noch gar nicht bei 100 Prozent befindet. "Ich will natürlich am Samstag wieder so eine Leistung bringen, wie beim HSV", sagt Marin. Gut für Werder, weniger für Ekici.




