| 15 Fragen zu Werders Rückrunde 2011/12 » |
Herr Hecking, hätten Sie Lust, in diesen Monaten mal in Bremen zu arbeiten?
Ich arbeite in Nürnberg.
Thomas Schaaf baut bei Werder gerade einige junge Leute ein - und die Arbeit mit Nachwuchsleuten ist doch Ihr Ding.
Ja, hier in Nürnberg sind wir immer wieder darauf angewiesen, weil wir uns keine teuren Transfers erlauben können und auch manchmal nicht tätigen wollen. Werder schlägt seit Kurzem diesen Weg ein, dafür gibt es auch Gründe.
Sie haben in der vergangenen Saison zehn Bundesliga-Debütanten eingebaut und mit dem Club am Ende Platz sechs belegt. Worauf mussten Sie damals besonders achten?
Das kommt immer auf die Situation an. Wir sind in der vergangenen Saison auf einer Welle des Erfolgs geschwommen, nach der Winterpause haben wir acht oder neun Spiele nicht verloren. Dann fällt es natürlich leichter, A-Jugend-Spielern das Vertrauen zu geben. In der Größenordnung, in der wir es vergangene Saison umgesetzt haben, war es aber trotzdem schwierig.
Müssen Vereine deshalb immer früher junge Spieler entwickeln?
Durch die Leistungszentren ist es zu einer Qualitätssteigerung gekommen, davon profitiert die Nachwuchsarbeit auch bei Werder. Aber die guten Jahrgänge fallen nicht von den Bäumen, weder in Bremen noch in Nürnberg. Bei Werder hat's auch mal eine Flaute gegeben, und jetzt haben sie die Jugend wiederentdeckt.
Werder hat in seinen Champions-League-Jahren eher auf fertige Spieler gesetzt. Der Rückgriff auf die Jugend folgt auch aus der finanziellen Notwendigkeit...
Das mag sein, das kann ich aber zu wenig beurteilen. Thomas Schaaf hat in der Vergangenheit gut mit jungen Spielern gearbeitet, und jetzt hat er das auch wieder hinbekommen. Außerdem ist Werder, was die wirtschaftliche Seite angeht, nicht in der Kategorie Dortmund oder Bayern anzusiedeln - sie müssen also innovativ sein. Da kommt den Bremern die gute Nachwuchsarbeit, die sie seit Jahren leisten, zugute.
Nürnberg ist wirtschaftlich noch eine andere Kategorie - mit der Konsequenz, dass gute Spieler früh gehen oder verkauft werden. Ärgert es Sie, die Aufbauarbeit zu leisten und in der nächsten Saison die Ernte nicht mehr einfahren zu können?
Ich glaube, wenn Sie vor drei, vier Jahren Thomas Schaaf diese Frage gestellt hätten, hätte er Ihnen dasselbe gesagt wie ich jetzt. Auch Werder hat früher Spieler verkaufen müssen, die man gerne behalten hätte. Der Club ist in einer ähnlichen Situation, das ist eben so. Damit muss man sich arrangieren. Wenn man beim 1.FC Nürnberg arbeitet, dann muss man immer damit rechnen, dass Spieler gehen. Die Aufgabe ist es, für ein Gerüst zu sorgen, damit es in der nächsten Saison keinen Leistungsabfall gibt.
Da waren Sie zu Beginn dieser Saison besonders gefordert. Ilkay Gündogan ist nach Dortmund gegangen, Mehmet Ekici zu Werder. Bei ihren neuen Klubs aber erfüllen beide bisher die Erwartungen nicht. haben Sie dafür eine Erklärung?
Das ist aus der Distanz immer schwer zu beurteilen. Ich denke, für Ilki Gündogan war es noch schwieriger, weil er zum deutschen Meister gegangen ist als Ersatz für Nuri Sahin. Damit war er in einer Schublade drin: Du bist für Nuri Sahin geholt worden, also musst du auch die Rolle so ausfüllen. Das könnte bei ihm zu Problemen geführt haben. Bei Memo kann ich es nicht beurteilen, warum er nicht so durchstartet, wie er und Thomas Schaaf es gerne hätten.
Ekici wird in Bremen auf der Spielmacherposition eingesetzt, bei Ihnen hat er meistens im rechten Mittelfeld gespielt.
Stimmt, aber wir haben eine andere Aufteilung. Werder spielt mit einer Raute, da ist Memo schon für die Zehnerposition prädestiniert. Wir haben ein 4-1-4-1 gespielt, in dem ich Memo oft als eine Art Außenspieler habe spielen lassen, meistens gegen den schwächeren Außenverteidiger. Er hatte dann alle Freiheiten. Diese Rolle hat er hervorragend ausgefüllt.
In München soll Louis van Gaal Ekici eher als Sechser gesehen haben. Könnten Sie sich so etwas für ihn auch vorstellen?
Ja, aber nicht alleine.
Als Doppel-Sechs?
Wenn er nicht ständig den Druck des Gegenspielers spürt, ist er einer, der aus der Tiefe gute Bälle spielen kann. Aber ich glaube nach wie vor, dass er in einer offensiveren Rolle besser zum Tragen kommt.
Sie kommen am Sonnabend mit Ihrem Verein nach Bremen. Was erwarten Sie von dem Spiel?
Es geht weiter darum, den Abstand nach unten zu vergrößern, ähnlich wie Werder den Abstand zu Platz sieben erhöhen muss. Aber wir würden gerne etwas mitnehmen: Wir sind jetzt mal dran, gegen eine Mannschaft von oben einen Dreier zu machen.
So wie in der vergangenen Saison, als der Club in Bremen 3:2 gewonnen hat - mit den Torschützen Gündogan und Ekici und dem dreifachen Vorbereiter Julian Schieber. Die sind aber alle drei nicht mehr da.
Ja, dann wird's wohl Zeit, dass drei andere in diese Rolle finden.

