Jahresbilanz bei Werder Bremen

 - 08.11.2011

Werder erwartet 2011/2012 einen Verlust

Von Olaf Dorow
Bremen. 8,2 Millionen Euro Gewinn hat die "Werder Bremen GmbH & Co. KGaA" zwischen Juli 2010 und Juli 2011 erwirtschaftet. Das ist der zweithöchste Wert aller Zeiten. Weil es im genannten Zeitraum sportlich aber ganz anders lief als wirtschaftlich, muss Werder im Herbst 2012 aller Voraussicht nach einen Verlust verkünden.
Heute stimmen die Zahlen, doch nächstes Jahr könnte es anders aussehen. Klaus Allofs, Geschäftsführer von Werder Bremen, rechnet mit einer schlechten Bilanz.
Heute stimmen die Zahlen, doch nächstes Jahr könnte es anders aussehen. Klaus Allofs, Geschäftsführer von Werder Bremen, rechnet mit einer schlechten Bilanz.

Diese Mitgliederversammlung hatte es gut. Werder steht auf dem dritten Rang der Bundesliga-Tabelle, da konnte die Stimmung am Montagabend in der Halle an der Hemelinger Straße schon mal deswegen gar nicht schlecht sein. Außerdem ging es unter Tagesordnungspunkt neun, dem von Klaus Allofs vorgetragenen Bericht der GmbH-Geschäftsführung, um ein Geschäftsjahr, das seinen Umsatz sozusagen der guten alten Zeit zu verdanken hatte.

Weil Werder im Sommer 2010 erneut in die Champions League vordrang, flossen die UEFA-Millionen reichlich. Allofs konnte davon berichten, dass im vergangenen Geschäftsjahr ein Gewinn von 8,2 Millionen erzielt worden sei. Neben den Einnahmen aus der Champions League spülte auch der Transfer von Mittelfeld-Star Mesut Özil ordentlich Geld in die Kasse, es sollen rund 17 Millionen Euro gewesen sein.

Der Umsatz für 2010/11 lag bei 119,9 Millionen. Das ist nicht so viel wie im Jahr zuvor und unterbricht erstmals seit Bestehen der Kapitalgesellschaft das stetige Wachstum des Jahrzehnts (siehe Grafik). Aber es ist auch nicht viel weniger gewesen. Die sportliche Misere der letzten Saison (frühes Pokal-Aus, keine Europa League, Beinahe-Abstieg) wirkt sich erst im jetzt laufenden Betrieb aus.

Denn in den laufenden Betrieb fließen keine Champions-League-Millionen mehr. "Wenn 25 Millionen fehlen, können Sie nicht von einem positiven Ergebnis ausgehen", sagt Werders Geschäftsführer Klaus Filbry, in dessen Arbeitsbereich die Finanzen fallen. Wird ihm schon schwindlig, wenn er an die Mitgliederversammlung im November 2012 denkt. "Nein", sagt er, aber er wiederholt auch: "Wir werden Stand jetzt für die Saison 2011/2012 kein positives Ergebnis ausweisen." Das klingt schon nicht gut. Noch deutlichere Worte findet Allofs: "Wir blicken ein wenig sorgenvoller auf das kommende Geschäftsjahr", sagt er erst. Und ergänzt dann: "Wir erwarten einen Verlust." Filbry allerdings legt Wert auf die Feststellung, dass es beherrschbare rote Zahlen sein werden. "Aufgrund unserer Rücklagen bleiben wir weiter voll handlungsfähig", sagt er.

Doch es wird ein "Konsolidierungsjahr", wie Filbry es nennt. Sollte das internationale Geschäft ein zweites Mal in Folge verpasst werden, müsste der Sparkurs erheblich verschärft werden. Im Moment wirkt sich der Sparkurs noch nicht gravierend auf den Spielerkader aus. Er ist fast genauso teuer wie im letzten Jahr, geschätzt sind es fast 50 Millionen Euro. Weil hochbezahlte Profis wie Torsten Frings, Hugo Almeida oder Daniel Jensen nicht weiterbezahlt werden müssen und weil Per Mertesacker vor zehn Wochen noch flugs für rund zehn Millionen Euro nach London transferiert wurde, blieb die angesprochene Handlungsfähigkeit erhalten. Der Aufsichtsrat stimmte Transfer-Ausgaben zu, die er zunächst für zu riskant gehalten und blockiert hatte.

Für die nahe Zukunft muss Werder vielleicht nicht die Quadratur des Kreises schaffen, aber das Aufgaben-Paket ist dick genug. Mit weniger Einnahmen soll der sportliche Weg möglichst zurück in die Champions League führen. Verträge wie die der Leistungsträger Tim Wiese oder Clemens Fritz laufen aus, der von Claudio Pizarro steht unter dem Vorbehalt einer Option zur Verlängerung.

Auch ein Nachfolger des im Sommer scheidenden Trikotsponsors Targobank muss gefunden werden. Für Filbry ist dabei das Glas aber eher halb voll. Die Targobank bleibe immerhin als Top-Sponsor erhalten und werde weitere drei Jahre lang einen siebenstelligen Betrag überweisen. Und auf der Suche nach einem neuen Super-Sponsor (circa zehn Millionen Euro pro Saison) für die grün-weiße Brust sei man "in guten Gesprächen" und werde hoffentlich im Frühjahr "etwas verkünden können".






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