Werder Bremen

 - 13.01.2012

Trikotsponsor aus China im Gespräch

Von Thorsten Waterkamp
Bremen. Der Vertrag mit dem bisherigen Hauptsponsor Targobank läuft aus, weshalb Werder einen neuen Namen sucht, der sich die Bremer Werbebrust viel kosten lässt. Waren die bisherigen Werbeträger vor allem in Deutschland (Kik) oder Europa aktiv (bwin, Citibank Europa/Targobank), lässt Werder dieses Mal weltweit nach einem Sponsor fahnden. Marketing-Manager Klaus Filbry erklärt, warum dabei China in den Bremer Fokus rückt.
Werder Bemens Marketing-Manager Klaus Filbry.
Werder Bemens Marketing-Manager Klaus Filbry.

Herr Filbry, Werder sucht einen neuen Hauptsponsor. Wie weit sind Sie?

Klaus Filbry: Das Mandat für die Vermarktung liegt bei Infront, die momentan mit der Akquise beschäftigt sind. Es sind erste Gespräche geführt worden. Infront und wir sind zuversichtlich, dass wir in drei bis vier Monaten Vollzug melden können.

Welchen Stellenwert hat Werder überhaupt nach der schwachen vergangenen Saison? Hat das sportliche Abschneiden die Suche schwieriger gemacht?

Ich glaube nicht, weil wir uns in den vergangenen zehn, elf Jahren unter der Führung von Klaus Allofs und Thomas Schaaf sportlich so weit positioniert haben, dass wir für deutsche und für internationale Unternehmen interessant sind. Am Ende des Tages ist es natürlich immer eine Frage des Preises. Wir sind kein billiger Verein, wir sind nach wie vor ein attraktives Produkt. Ich glaube nicht, dass die vergangene Saison negativ nachwirkt.

Wie wichtig ist der sportliche Erfolg in dieser Saison, um zu einem guten Abschluss für das nächste Spieljahr zu kommen?

Wenn wir jetzt auf Platz zehn, zwölf, 14 stehen würden, wäre es schwieriger. Aber wir stehen auf einem internationalen Rang, nur vier Punkte hinter einem Champions-League-Platz. Wir sind im Soll. Es gibt keinen Hinderungsgrund, einen guten Vertrag abzuschließen.

Werder hatte einen sehr attraktiven Vertrag mit dem bisherigen Hauptsponsor Targobank. Wird der neue Vertrag ähnlich dotiert sein?

Erst einmal muss man festhalten, dass die Targobank ja bei uns weitermacht, mit einem Betrag im siebenstelligen Bereich. Damit ist uns die Möglichkeit gegeben, dass wir, wenn wir einen Hauptsponsorvertrag in bisheriger Höhe abschließen sollten, einen signifikanten Zusatzumsatz generieren. Wir befinden wir uns in einer guten Position.

Sie haben von einer globalen Akquise gesprochen. Das heißt Asien...?

Das heißt Asien, das heißt zum Beispiel auch Nordamerika. In Asien ist sicherlich zurzeit der chinesische Markt sehr interessant. Infront ist in China und Asien sehr aktiv, und wir sind im Moment ihr wichtigstes Mandat.

Wie populär muss Werder beispielsweise in China sein, damit es zu einem Sponsor-Engagement eines dortigen Unternehmens kommt?

Die Popularität Werders durch die Erfolge der vergangenen Jahre ist sicherlich sehr hoch, wenn auch nicht vergleichbar mit der englischen Premier League. Aber ich würde es anders sehen: Wenn ein chinesisches Unternehmen mit Werder abschließen würde, dann geht es darum, Bekanntheit im europäischen Markt aufzubauen. Es geht nicht so sehr darum, wie bekannt Werder in China ist, sondern um den umgekehrten Fall: was wir für dies Unternehmen auf dem europäischen Markt tun können.

Chinesische Solartechnik-Firmen expandieren sehr stark nach Europa, Werders Co-Sponsor SiG Solar aus Stuhr vertreibt Solarsysteme des chinesischen Herstellers Sun Earth. Wäre er ein Kandidat?

Das ist auf jeden Fall ein Kandidat, mit dem wir uns auch unterhalten.

Sie richten sich international aus. Ist es überhaupt noch denkbar, dass ein regionaler Partner als Hauptsponsor infrage kommt?

Ich glaube, beim Thema Hauptsponsor ist das Paket zu groß für einen regionalen Partner. Wir sprechen hier über einen höheren siebenstelligen Betrag. Das ist für ein Unternehmen, das regional ausgerichtet ist, zu viel.

Wie groß müsste ein Unternehmen sein, das Hauptsponsor werden will?

Wir sind für jeden offen, wir werden mit jedem sprechen. Aber wenn das Thema Hauptsponsor auf den Tisch kommt, wird es ein Unternehmen sein, das entweder national unterwegs ist mit europäischen Ambitionen oder eben ein internationales Unternehmen, das sich auf dem deutschen und auf dem europäischen Markt positionieren möchte. Da bietet sich die Solarbranche an, da bieten sich aber auch einige andere Branchen an. Da ist viel Bewegung drin, gerade auf dem chinesischen Markt.

Würden Sie denn gern mit einem chinesischen Unternehmen abschließen?

Wir wären nicht abgeneigt. China ist sicherlich ein attraktiver Markt. Ein Beispiel für unser Interesse: Wir planen gerade, unsere Web-Seite auch auf Chinesisch zu präsentieren.

Wie viele Unternehmen sind in der engeren Auswahl?

Infront hat eine Short List von circa zwölf Firmen.

Das Weserstadion hat einen Photovoltaik-Mantel, aber keinen Sponsorennamen. Das könnte für ein Solarunternehmen doch interessant sein. Besitzt Infront das Mandat, ein Gesamtpaket anzubieten, das auch Namensrechte am Stadion beinhaltet?

Nicht in einem Hauptsponsorpaket. Das sind bei uns zwei getrennte Themen. Sollten die Namensrechte am Stadion tatsächlich einmal verkauft werden, würden die meisten Einnahmen ohnehin an die Bremer Weserstadion GmbH gehen. Einen signifikanten Mehrwert für Werder Bremen gäbe es nicht.

Wie stellen sich grundsätzlich Werders Sponsoring-Einnahmen da? Branchen-Primus Bayern München hat neue Spitzeneinnahmen vermeldet.

Das ist bei uns auch der Fall. Wir haben noch nie so viel Geld durch Sponsoring verdient wie momentan. Und das trotz zweier Insolvenzen, die wir bei unseren Sponsoren zu verkraften hatten; einmal bei einem lokalen Unternehmen und dann bei Beluga. Wir haben durch zusätzliche Partner wie SiG Solar, den neuen InBev-Vertrag oder andere verbesserte Abschlüsse das Thema noch einmal nach oben gefahren.

Was bedeutet das in Zahlen?

Das Sponsoring macht mittlerweile circa 25 Prozent des Gesamtumsatzes aus.

Und die Erlöse?

In den vergangenen zwölf Monaten haben wir sie um circa zehn Prozent gesteigert.






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