Torsten Frings im Interview

 - 22.07.2011

"Es ist sicherlich kein Bundesliga-Niveau"

Toronto. Werders ehemaliger Kapitän Torsten Frings hat für den Toronto FC in der Major League Soccer sein erster Spiel bestritten. Heiko Oldörp hat mit ihm nach der Premiere gesprochen.
Werder Bremens ehemaliger Kapitän Torsten Frings
Werder Bremens ehemaliger Kapitän Torsten Frings

Ihr Debüt in der Major League Soccer ging daneben, mit dem Toronto FC haben Sie gegen den FC Dallas 0:1 daheim verloren. Wie sind Ihre ersten Eindrücke?

Torsten Frings: Es hat viel Spaß gemacht, auch wenn es unglücklich war, dass wir verloren haben. Aber ich denke, dass wir ein vernünftiges Spiel gemacht und versucht haben, nach dem Rückstand zurückzukommen. Wir waren gleichwertig und haben durch einen Sonntags-Schuss verloren.

Als Sie zum Warmmachen auf den Platz kamen, waren die Ränge noch leer. Andere Länder, andere Sitten?

Hier ist es halt ein bisschen anders, die Zuschauer kommen erst während des Spiels (lacht). Aber ich denke, die Atmosphäre konnte sich sehen lassen. Es hat auf jeden Fall sehr viel Spaß gemacht, zu spielen.

Sie sind seit drei Wochen in Toronto und scheinen schon einen neuen Spitznamen zu haben - auf der Vereinshomepage wurden Sie als Über-Torsten bezeichnet.

Das habe ich gar nicht gesehen. Aber ich habe in meiner Karriere schon sehr viel erreicht und bin hergekommen, um die Jungs zu unterstützen und viel von meiner Erfahrung weiterzugeben. Das ist für mich der wichtigste Schritt.

Wie schätzen Sie das Niveau der MLS ein, die in Europa ja gerne als "Operetten-Liga" verspottet wird?

Es ist sicherlich kein top Bundesliga-Niveau hier. Aber die Liga ist im Kommen. Viele gute Spieler wechseln hierher und viele gute sind schon hier, die man vielleicht noch nicht so kennt, die aber über kurz oder lang in Europa landen werden. Aber natürlich kann man nicht gleich erwarten, dass die MLS so ein Niveau hat wie in Spanien, Deutschland oder England. Aber ich denke, das Niveau wird immer weiter steigen.

Dennoch gibt es Spieler, die qualitativ im Vergleich zu Deutschland wohl nur Drittliga-Niveau haben. Wie geht es Ihnen, der bis vor zwei Monaten noch mit Per Mertesacker, Tim Wiese oder Marco Marin zusammengespielt hat und jetzt sieht, dass teilweise Pässe über zehn Meter für einige Mitspieler eine Herausforderung sind?

Man muss das Beste draus machen. Die Jungs hier in Toronto sind Talente, die alle besser werden können und das auch wollen. Viele Spieler sind entwicklungsfähig und noch nicht ausgereift. Deshalb macht es auch Spaß, mit den Jungs zu arbeiten.

Warum haben Sie bei Interviews einen Dolmetscher dabei?

Weil ich einfach bei Pressefragen und TV-Interviews eben auf Nummer sicher gehen will. Ich denke, wenn man in den Medien ist, sollte man sich vernünftig verkaufen. Aber auf dem Platz spreche ich schon englisch und die Mitspieler verzeihen mir auch mal die eine oder andere Panne.

Welchen Einfluss hatte Jürgen Klinsmann auf Ihren Wechsel?

Durch ihn kam der erste Kontakt, er hat mir den Wechsel schmackhaft gemacht. Jürgen hat mich auch überzeugt, den Schritt zu wagen. Und bis jetzt habe ich keine Sekunde bereut. Ich fühle mich hier sehr wohl, Toronto ist eine super Stadt, die Leute sind hier sehr nett, die Mannschaft hat mich super aufgenommen. Von daher bin ich im Moment sehr zufrieden.

Hört sich so an, als könnten Sie die MLS auch anderen Profis im Anschluss an ihre Bundesliga-Karriere empfehlen?

Ich bereue den Schritt nicht, aber was andere nach ihrer Bundesligazeit machen, müssen sie selbst wissen.

Haben Sie schon Kontakt zu Frank Rost aufgenommen, der ja kurz nach Ihnen zu den New York Red Bulls gewechselt ist?

Nein, noch nicht. Aber wir spielen noch gegen New York, da werden wir uns dann ja sicherlich wiedersehen. Es ist sicherlich auch ein schönes Abenteuer für ihn, ich freue mich für ihn, dass er das gemacht hat.

Verfolgen Sie die aktuelle Finanzkrise bei Werder?

So viel bekomme ich nicht mit, aber natürlich informiere ich mich weiterhin. Ich denke, man sollte die Leute in Bremen arbeiten lassen, so wie man das bisher immer gemacht hat. Die Resultate waren fast immer sehr gut. Von daher sollte man gerade jetzt in der Vorbereitungszeit nicht alles so ernst nehmen, wie es dargestellt wird.

Aber die Probleme liegen doch auf dem Tisch und sind nicht frei erfunden. Klaus Allofs will neue Spieler und Aufsichtsrats-Chef Willi Lemke ihm kein Geld geben.

Ja, aber das ist doch seit Jahren immer wieder das Gleiche. Werder hat trotzdem eine gute Mannschaft und ich hoffe, dass sie eine bessere Rolle spielen als in der vergangenen Saison - auch wenn's schwer wird.

Die Stärke von Bremen war in der Vergangenheit immer, dass solche Probleme wie jetzt zwischen Lemke und Allofs intern geregelt wurden. Jetzt hingegen geht man damit an die Öffentlichkeit.

Ich spiele jetzt für Toronto und nicht mehr für Bremen, von daher möchte ich dazu nichts mehr sagen.

Wen empfehlen Sie Trainer Thomas Schaaf als neuen Kapitän?

Per Mertesacker war mein Vizekapitän und hat das sehr gut gemacht. Ich weiß nicht, was der Trainer vorhat und ich weiß auch nicht, was Per vorhat in seiner Zukunft. Das sind alles wichtige Fragen, die mich aber alle nichts mehr angehen und mich ehrlich gesagt auch nicht mehr interessieren.






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