Autoren-Interview zum Derby (2)

 - 08.09.2011

"Naldo könnte sich doch gut einspielen"

Von Ben Binkle
Bremen. Am Sonnabend treffen in Bremen beim Nordderby Werder- und Hamburg-Fans aufeinander. Jan Küpper liebt Grün-Weiß, Axel Formeseyn trägt seit jeher die HSV-Raute im Herzen. Beide haben Bücher über die Liebe zu ihren Klubs geschrieben. Ben Binkle hat die beiden Autoren zu einem Gespräch über Derby-Tipps, Claudio Pizarro und die legendäre Papierkugel getroffen. Hier ist der zweite Teil.
Enttäuschte HSV-Fans auch am Sonnabend? Axel Formeseyn ist sich da nicht sicher.
Enttäuschte HSV-Fans auch am Sonnabend? Axel Formeseyn ist sich da nicht sicher.

Am Sonnabend ist dann soweit. Wie geht das Derby denn aus?

Axel Formeseyn: Vor meinen Augen sehe ich einen 1:0-Sieg durch ein Tor in der 88. Minute, wobei ich keine Ahnung habe, wessen Kullerball von wem ins Bremer Tor abgefälscht wird. Mich erinnert das an die Situation Anfang 2007, da stand der HSV auch ganz unten drin. Die Werder-Fans haben Hamburg mit "Absteiger"-Plakaten empfangen und dann haben wir 2:0 gewonnen. Das war ein geiler Sieg, daran habe ich auch in den letzten Jahren immer wieder gedacht, als der HSV dank Papierkugel und sonstigen Dummheiten alles gegen Werder verloren hat. Ich tippe 1:0 für Hamburg – allein schon, weil das der absurdeste Tipp ist, wenn man an die derzeitige HSV-Abwehr denkt...

Zu Beginn des Gesprächs sagten Sie noch, der HSV kriegt auf die Kappe…

Formeseyn: Kann ich mich überhaupt nicht dran erinnern! Was im Grunde ja das Wesen eines jeden HSV-Fans ist: Totale Amnesie, was die jeweils letzten Spiele angeht und den Blick immer nach vorne gerichtet.

Jan Küpper: Wenn ich mal in meine große Papierkugel schaue, sehe ich einen Heimsieg. Wenn Claudio Pizarro gesund bleibt, gewinnt Bremen 3:1.

Formeseyn: Oh je, Pizarro lassen wir bitte mal außen vor! Wenn der sich auf dem Weg vom Bus zum Stadion noch verletzen würde, gibt das sogar einen hohen Sieg für den HSV. Mal im Ernst: Pizarro ist natürlich das absolute Schreckgespenst für den HSV. Spielt eigentlich Naldo am Sonnabend?

Küpper: Ich glaube nicht, obwohl: Gegen Hamburg könnte der sich gut einspielen.

HSV oder Werder – wer hat die besseren Perspektiven in den kommenden Jahren?

Axel Formeseyn, HSV-Fan und zweifacher Buchautor.
Axel Formeseyn, HSV-Fan und zweifacher Buchautor.

Formeseyn: Ich glaube, viele Fans in Bremen sind sauer, weil da kein echter Neuanfang gemacht wird. Das könnte sich auf lange Sicht rächen. Werder wird eine solide Saison spielen, aber nicht in den Europapokal kommen. Und dann ist auch egal, ob du Fünfzehnter wie der Hamburger Sport-Verein e.V. oder Siebter wie die SV Werder Bremen GmbH & Co KG aA wirst. Und im Jahr darauf werden die Karten dann komplett neu gemischt. Hoffentlich dann auch in der ersten Liga...

Küpper: Es gibt schon Gründe, warum es letztes Jahr nicht lief bei Werder. Man hat aber an einigen Schrauben gedreht. Ich würde jedenfalls sofort unterschreiben, dass Werder noch jahrelang mit Thomas Schaaf weitermachen sollte. Dank Schaaf und Klaus Allofs bleibt die Werder-Philosophie im Verein, alles andere ist ohnehin schnelllebig.

Formeseyn: Für mich wäre es schon ein Erfolg, wenn wir mal eine Saison mit einem Trainer überstehen würden. Was immer man von Oenning halten mag. Mit neuen Trainern hat sich jedenfalls nie viel geändert in Hamburg!

Küpper: Der HSV war seit 28 Jahren nicht mehr Deutscher Meister, in der Zeit hat Werder drei Meisterschaften und fünf Pokalsiege geholt. Und das Stadion heißt noch immer Weserstadion und nicht AOL-, HSG Nordbank- oder Imtech-Arena. Das ist doch Wahnsinn, eigentlich müsste das genau anders herum sein!

Formeseyn: Genau da liegt das Problem. Der letzte HSV-Titel liegt heute weiter zurück, als meine Geburt vom Zweiten Weltkrieg. Das muss man sich mal vorstellen! Jeder andere Verein hat auch mal einen Ausreißer nach oben, ob Stuttgart, Wolfsburg oder auch Werder. Da findet auch ein blindes Huhn mal ein Korn. Aber als HSV-Fan hast du solche Erlebnisse nicht. Das ist bitter.

Letzte Einschätzung: Was ist in dieser Saison drin für Werder und den HSV?

Jan Küpper, Werder-Fan und Buchautor.
Jan Küpper, Werder-Fan und Buchautor.

Küpper: Ich glaube nicht, dass der HSV absteigt. Wenn sich die Chelsea-Neuzugänge eingespielt haben, wird das schon für Platz 15 reichen. Und was Werder betrifft: Mein bescheidenes Ziel ist Platz sechs. Und zwei Derbysiege.

Formeseyn: Ich gebe Jan Recht, für den HSV wird das eine ganz zähe Nummer. Es ist schon bitter, wenn man gegen eine Mannschaft wie den 1. FC Köln verliert. Aber ich hoffe, dass am Ende noch Kaiserslautern, Augsburg und irgendein weiteres Krötenteam hinter dem HSV landen. Bei Werder glaube und hoffe ich wie gesagt auf Platz 7. Wobei es in der Liga mittlerweile viele Klubs gibt, die mir unsympathischer sind. Ich habe im letzten Jahr sogar gehofft, dass Bremen nicht absteigt - aus Angst, dass dann dieses St. Pauli noch in der Liga bleiben würde. Ich bleibe dabei: Der echte Rivale kommt aus der eigenen Stadt und nicht aus der Vorstadt südwestlich von Hamburg!

Zur Person:

Jan Küpper (34) ist Autor des Werder-Buches "Für immer grün-weiß" (Werkstatt-Verlag).  Zwischen 1996 und 1999 absolvierte er seine Kochlehre im Hotel Zur Post in Bremen. Heute lebt der "Werder-Fan seit Völlers Zeiten" mit seiner Familie im niederrheinischen Dingden, wo er die Küche des Gasthof Küpper leitet.

Axel Formeseyn (39) ist Autor der HSV-Bücher "Unser HSV" (Edition Temmen) und "Voll die Latte" (Werkstatt-Verlag). Er saß für ein paar Jahre im Aufsichtsrat seines Lieblingsvereins, schrieb für "11 Freunde nd verschiedene Fanzines, das HSV-Stadionmagazin und die "HSV-Supporters-News". Seine Vereinschronik "Unser HSV" wurde von der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur 2009 zum Fußballbuch des Jahres nominiert.






Werder Bremen

Naldo wird immer wieder mit Klubs aus Brasilien in Verbindung gebracht. Kann Werder auf den Abwehrspieler verzichten?

51% (22 Stimmen)
Ja, Werder hat genug starke Verteidiger
49% (21 Stimmen)
Nein, Naldo ist sportlich nicht zu ersetzen

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