Fan-Kult(o)ur in Belek

 - 10.01.2012

Borussia lässt Werder-Anhang staunen

Von Thorsten Waterkamp
Belek. Belek ist in den ersten Tagen eines jeden Jahres ein Tummelplatz für Fußballer aus ganz Europa. Allein aus der Bundesliga sind es fünf Klubs, und während sich die Mannschaften auf verschiedene Spitzenhotels verteilen, geht es in den Herbergen der Fans bunter zu. Zum Beispiel im "Voyage", in dem neben den Werder-Anhängern auch die Freunde des gepflegten Nürnberger und Gladbacher Fußballs untergekommen sind.
Werder-Fans schauen in Side beim Testspiel gegen den RSC Anderlecht zu.
Werder-Fans schauen in Side beim Testspiel gegen den RSC Anderlecht zu.

Probleme gibt es damit nicht, höchstens ab und an eine Fopperei - wenn ein Grün-Schwarz-Weißer vom Niederrhein einen Grün-Weißen von der Weser grinsend an ein Spiel mit fünf Toren erinnert, das in der jüngeren Vergangenheit in Mönchengladbach stattgefunden hat. Eine kleine Abordnung von Nürnberger Fans ist mittlerweile sogar regelmäßig Gast am nahen Trainingsgelände der Bremer Profis. Weil sie dort ihren Ex-Kapitän Andreas Wolf, einen echten Clubberer, von Herzen feiern und fotografieren können.

Dante, Reus und Co. in der Disko

Den Vereinen ist das durchaus recht. Sie kümmern sich intensiv um ihre Anhängerschaft, wie Werder mit seiner zweiten Fan-Reise nach Belek zeigt. 65 Anhänger sind mitgekommen, und sie waren am Sonntag zu einer Besichtigung ins Mannschaftshotel "Maxx Royal" eingeladen. Tags zuvor war gar eine Abordnung ins "Voyage" gekommen: Kapitän Clemens Fritz, Co-Trainer Wolfgang Rolff, Ex-Profi Frank Baumann und Mediendirekor Tino Polster plauderten mit den seligen Fans. Gelungene Kundenpflege nennt man so etwas. Allerdings: Der Gladbacher Anhang hat seit Sonntagabend noch eine weitere Möglichkeit, gegen die Kollegen aus Bremen zu sticheln. Denn auch die etwa 200-köpfige Borussen-Schar in Belek bekam Besuch im "Voyage" - und das gleich vom kompletten Gladbacher Kader.

Werders Fans staunten nicht schlecht, als ihnen plötzlich Reus, Dante, Favre und Co. über den Weg liefen. Für Gladbachs Anhänger dagegen sind solche Fan-Abende mit der gesamten Mannschaft gute Tradition. "Das machen wir jedes Mal, einmal im Sommer und einmal im Winter", sagt Pressesprecher Markus Aretz. Schließlich nähmen die Fans viel auf sich, um den Klub zu begleiten - mit diesen Besuchen dankt ihnen der Verein für die Treue. Im "Voyage" mietete Gladbach kurzerhand die Diskothek, die Fans konnten sich dort mit den Spielern an Tische setzen und plaudern - auch mit Reus. Der künftige Dortmunder hatte nur ein Problem. "Marco ist gar nicht dazu gekommen, sich irgendwo hinzusetzen. Er musste sich mit jedem fotografieren lassen", lacht Aretz.

Anders als bei Werder ist in Mönchengladbach das Fanreisen-Angebot nichts Neues. Selbst Aretz, seit zwölf Jahren in Diensten der Borussia, kann über die Anfänge nur spekulieren, weil sie vor seinem Amtsantritt lagen. Organisiert und betreut wird die Reise wie bei Werder von Fan-Beauftragten, gekostet haben die acht Tage Belek 430 Euro inklusive Flug. Zum Vergleich: Das Bremer Angebot (über neun Tage) lag bei 589 Euro im Doppelzimmer.

Werders Mediendirektor Tino Polster mag sich indes nicht so recht ausmalen, dass der komplette Werder-Kader - ähnlich der Gladbacher Fan-Kult(o)ur - im Hotel der Anhänger vorstellig wird. "Wir haben unsere Fan-Weihnachtsfeier", verweist er stattdessen auf eine vergleichbare Veranstaltung in Bremen. Etwa 550 Freunde des Vereins lädt Werder jährlich dazu ein. "Da ist auch die ganze Mannschaft dabei. Das machen die Gladbacher vielleicht nicht", mutmaßt Polster.

Bremer Fans sind aber auch so glücklich - und einer war es am Montag ganz besonders. Christian Dimke hat in Belek seinen Geburtstag gefeiert, er wurde 60 Jahre alt. Werders Glückwünsche überbrachte am Trainingsplatz Thomas Schaaf höchstpersönlich. Mit Handschlag.






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