Fünferkette - Die Bundesliga-Kolumne

 - 03.02.2012

Werders 55 unberechenbare Punkte

Von Lou Richter
Bremen. Ein 0:0 in Kaiserslautern, ein 1:1 gegen Leverkusen. Unentschieden ist Werder in die Rückrunde gestartet. Entschieden ist nichts. Das wäre auch langweilig am 20. Spieltag. Bayern ist ja noch nicht mal Meister. Werder-Fans sollten zufrieden sein: Auf dem emotional kontaminierten Betzenberg einen Punkt ohne Gegentor zu holen, das macht nach zuvor drei Auswärtsniederlagen bei 1:14 Toren einen properen Eindruck.
Werder-Trainer Thomas Schaaf.
Werder-Trainer Thomas Schaaf.

Und es war mehr als respektabel, wie am letzten Sonnabend die zweitteuerste Betriebssportgruppe des Landes fast geschrubbt wurde. (Die Teuerste kassierte ja schon ein 1:4, als im letzten Dezember der Schaaf die Wölfe riss).

Toll, wie sich Werders U23-Version 2.0 gegen Leverkusen reingehauen hat - immerhin einen aktuellen Champions-League-Achtelfinalisten und leider auch Ballack-Entsorger. Der ehemals torgefährlichste Mittelfeldspieler dieses Sonnensystems macht am Rhein keine Welle mehr - wie jedoch Werders Perspektiven aussehen könnten, war gegen Bayers FC Aspirin zu besichtigen.

Da ackerte eine derart junge Mannschaft mit phasenweise drei A-Jugendlichen, dass es bei einige Damen im Weserstadion spontan mütterliche Gefühle geweckt haben dürfte. Da fraßen die Spieler Kilometer, dass man Magengeschwüre befürchten musste: Die Werderaner liefen insgesamt 125,1 km, die Leverkusener Spieler 124,7 km, es war das laufintensivste Spiel aller Partien in dieser gesamten Bundesliga-Saison!

Drei Debütanten, die viertjüngste Aufstellung in Werders Bundesliga-Historie - Super-Nanny Schaaf machte aus der Not eine Jugend. Acht Verletzte, ein Gesperrter - da zeigte sich, wie segensreich eine gut geführte Reserve sein kann. Thomas Wolter hat die "Young Boys Bremen" perfekt auf diese Situation vorbereitet, Schaaf windelte sie mental und schubste sie cool ins kalte Wasser. Mit diesen jungen Herren darf, soll und muss man rechnen!

Obwohl Fußball ja unberechenbar ist, trotz gelernter Mathematiklehrer in der Trainerzunft wie Ottmar Hitzfeld oder Mirko Slomka. Um in unentschiedenen Situationen klarer zu sehen, könnte man auf dieses schmale Rechenbrett kommen: Werder hat in bisher 19 Spielen 31 Punkte gewonnen; das macht pro Spiel im Schnitt 1,63 Punkte.

15 mal 1,63 ergibt abgerundet 24 Punkte

Diese Ausbeute sollte in den verbleibenden 15 Partien, davon acht auf der heimischen Wiese, beibehalten werden. 15 mal 1,63 ergibt abgerundet 24 Punkte. Das bedeutete unter dem Strich am Saisonende 55 Punkte. Diese Anzahl hat in acht der letzten zehn Jahre zum 6. Platz gereicht, der dann zu interessanten Dienstreisen ins befreundete europäische Ausland berechtigt. Trotz des unentschiedenen Jahresauftakts: Mathematisch ist Werder so gut wie zurück in der internationalen Fußlümmelei. Jetzt dürfen sich nur die anderen nicht mehr verrechnen...

Freiburg zum Beispiel sollte sich am Sonntag nicht gegen die Weissagungen der Statistik auflehnen. Denn auf dem Papier, die Ereignisse der Vergangenheit kalkulierend, sind die Breisgauer ungefähr so nah am Sieg wie Calmund an der Magersucht. Aber Fußball wird nun mal auf Rasen und nicht auf Papier gespielt. Wie an der Börse liefern Ergebnisse der Vergangenheit keine Garantie für die Zukunft. Was den Finanzsektor rotieren lässt, bringt uns Fans beim Fußball den Gewinn: herrliche Unberechenbarkeit , unentschiedene Spannung! Nach meiner Berechnung gewinnt Werder übrigens 2:1 in Freiburg?






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