Ein schönes Spiel hatte er nicht gesehen. Vermutlich hätte ein torloses Unentschieden dieser Partie schon eher entsprochen. Die Höhepunkte lagen fast ausnahmslos in der Anfangsphase.
Die Bremer erwischten nämlich einen ziemlich guten Start, als Onur Ayik bereits nach fünf Minuten die Führung besorgte. Der Flachpass von Lennart Thy hatte den Angreifer freigespielt, und dessen Schuss aus zehn Metern war vom Erfurter Ex-Profi Marco Engelhardt so unglücklich abgefälscht worden, dass er zur unhaltbaren Bogenlampe geriet. Endlich, werden sie bei Werder II gedacht haben, ist das Glück mal auf unserer Seite.
"Wir waren richtig gut im Spiel", meinte Thomas Wolter später. Für ihn war es nach diesem Auftakt lediglich "eine Frage der Zeit", ehe das zweite Tor folgen sollte. Für seine Mannschaft, wohlgemerkt. Tatsächlich tauchte Onur Ayik einige Minuten später erneut gefährlich im Erfurter Strafraum auf, offenbarte dabei aber wieder die alte Schwäche von Werder II: Ayik strahlte acht Meter vor dem gegnerischen Tor nicht die geforderte Entschlossenheit aus und vertändelte den Ball.
Vorteil aus der Hand gegeben
Was aus Bremer Sicht um so ärgerlicher war, da die Gäste nur wenig später den Ausgleich erzielten. Als Smail Marabit aus der eigenen Hälfte in Richtung des von Bernd Düker gehüteten Tores startete, sah eigentlich die komplette Bremer Hintermannschaft nicht gut aus. Der quirlige Stürmer der Rot-Weißen ging also allein auf den Werder-Keeper zu, und auch der machte dann keine besonders vorteilhafte Figur. Aus 14 Metern schob Morabit ein, ohne dass Düker einen sichtbaren Rettungsversuch unternahm.
"Das darf uns natürlich nicht passieren", kommentierte Wolter den Ausgleich. Gegen einen bis dato wenig gefährlichen Gegner, hatte seine Mannschaft den Vorteil umgehend wieder aus der Hand gegeben. "Danach war es dann wieder dasselbe wie immer", meinte Thomas Wolter.
Viel mehr gab es nicht zu sagen über die restlichen rund 80 Minuten. Der Gastgeber besaß ein optisches Übergewicht, ohne wirklich zwingend zu sein, und die Erfurter reagierten mehr als ihr Gegner, waren aber die gefährlichere Mannschaft. Als Rudolf Zedi in der 36. Minute an den Pfosten des Bremer Tores köpfte, lag sogar die Führung der Gäste in der Luft. Sie hätte dem Spielverlauf nicht entsprochen, aber sie hätte zum Saisonverlauf gepasst. So gesehen gelang zumindest ein kleiner Fortschritt.
Bereits am kommenden Dienstag, im Nachholspiel gegen Wehen Wiesbaden, muss der nächste folgen. Dann erhalten auch die "Profis" vermutlich eine weitere Bewährungschance. Dass der überraschend eingesetzte Sebastian Boenisch Licht und Schatten bei seinem Pflichtspieldebüt offenbarte, war angesichts der über einjährigen Verletzungspause eher normal.
Von Kickern wie Lennart Thy und Florian Trinks hatte man sich dagegen mehr versprochen. Die beiden erweckten nicht den Eindruck, unbedingt zeigen zu wollen, dass ihre Versetzung in die Reserve ein Fehler war. Ihr Kollege Felix Kroos, der dritte junge Kicker aus dem Bundesligakader, hatte zum Anpfiff sogar auf der Bank Platz nehmen müssen und wurde erst kurz vor Schluss eingewechselt. Vielleicht erhält er am Dienstag eine Bewährungsprobe - in einem wohl vorentscheidenden Spiel.


