Die letzten Minuten des Nachholspiels unterstrichen die Bremer noch einmal, wer über 90 Minuten etwas mehr investiert hatte und deshalb optisch auch leicht überlegen gewesen war: Werder griff an, drückte den Gegner in die eigene Hälfte - und hätte Sandro Stallbaum den Schön-Freistoß erwischt, wäre es vielleicht noch einmal gefährlich geworden. Doch es half nichts, Wehens Schlussmann Michael Gurski fing den Ball, und kurze Zeit später pfiff Schiedsrichter Timo Gerach die Partie ab.
Immerhin merkte man den Gastgebern in der Schlussphase an, dass die unbedingt gewinnen wollten. Das ist zweifellos ein Fortschritt gegenüber diversen Spielen der Hinrunde. Gestern war nichts zu spüren von der verhängnisvollen Beliebigkeit, die Werder II zuletzt oft ausgestrahlt hatte. Die Körpersprache stimmte, auch wenn gerade gegen den robusten Gast aus Wiesbaden deutlich wurde, dass die Bremer körperlich sicher nicht zu den stärksten Team der Liga zählen. Aber sie machten dieses Defizit oft wett und sahen deshalb auch über weite Strecken ganz gut aus.
Was allerdings auch klar wurde: Im Gegensatz zu den meisten Gegnern muss sich Werder II seine Tore richtig erarbeiten, und dabei nutzen die Bremer nicht einmal jede gute Möglichkeit aus. Es hätte ihnen jedenfalls ziemlich geholfen, wenn Felix Kroos den Strafstoß in der 39. Minute verwandelt hätte. Nachdem der Mittelfeldspieler von Gurski von den Beinen geholt worden war, zögerte der Unparteiische einen Moment, zeigte nach einer Verständigung mit seinem Assistenten jedoch auf den Punkt. Also kam es erneut zum Duell Gurski gegen Kroos. Einen Fehler machte dabei eigentlich auch der Schütze nicht, Kroos schoss platziert, doch der Wehener Keeper ahnte die Ecke und lenkte den Ball an die Latte (39.).
Litt Werder II in dieser Szene am Pech, dass nicht kurz vor der Pause die Führung gelang, war es für den Gast kurz nach der Pause beinahe kinderleicht, einen Treffer zu erzielen. Aus 25 Metern zog Zlatko Janjic einfach mal ab, Werders Schlussmann Christian Vander war ein bisschen überrascht. Seine Faustabwehr ins eigene Tor vermag dies aber nicht zu erklären. Halbhoch, rund einen Meter vom Pfosten entfernt kam der Ball angeflogen - in Normalform hätte Vander den Ball wohl locker abgefangen.
"Wir können mit dem Punkt nicht zufrieden sein"
Weil der Routinier patzte, muss der Jüngste ran. Es sah ziemlich gut aus, wie Angreifer Niclas Füllkrug vor dem Ausgleich antrat und sich nach dem Pass von Max Wegner in Schussposition brachte. Aus 14 Metern ließ der Aufsteiger der vergangenen Wochen dem Wehener Schlussmann dann keine Abwehrchance - ein solcher Auftritt ist nicht die Regel im Sturm von Werder II. "Aber wir können mit dem Punkt nicht zufrieden sein", meinte der Torschütze. In eigener Sache sammelte er trotzdem Punkte.
Im Gegensatz zu Florian Trinks und Lennart Thy. Die beiden Youngsters waren fit, standen aber ebenso wenig im Kader wie der verletzte Sebastian Boenisch.
Die Aufstellungen:
Werder Bremen II: Vander - Balogun (63. Schmude), Hahn, Stallbaum, Hyde - Henze - Kroos, Schön - Ayik (81. Hörber) - Wegner, Füllkrug
SV Wehen Wiesbaden: Gurski - Ledgerwood, Herzig, Lanzaat, Bieler (46. Christ) - Hübner, Mann - Hjelm (69. Guaita), Book, Janjic - Wohlfarth (63. Smeekes)
Schiedsrichter: Gerach (Landau) - Zuschauer: 397
Tore: 0:1 Janjic (48.), 1:1 Füllkrug (57.)
Besonderes Vorkommnis: Kroos scheitert mit Foulelfmeter an Gurski (29.)
Gelbe Karten: Hahn, Kroos, Schön / Book, Mann, Hübner


