Nach dem Spiel aber wich Trainer Thomas Wolter von der gewohnten Wortwahl ab: "Es kotzt mich an." Man kann es sich denken: Auch gegen Saarbrücken wurde es nichts mit einem Sieg, Werder II spielte 2:2 (2:0) und war damit sogar noch gut bedient.
Das drastische Statement des Trainers bezog sich also auch auf den Umstand, dass seiner Mannschaft mal wieder drei Punkte verwehrt geblieben waren. Der eine Zähler hilft den Bremern nicht weiter. Im Gegenteil: Der Anstand zu den Nichtabstiegsplätzen beträgt weiterhin satte zehn Punkte. Nur die Gelegenheiten, ihn wettzumachen, werden immer seltener. Nun sind es nur noch 14 Spiele.
Dabei könnte es noch etwas werden, wenn Werder II zukünftig antritt wie im ersten Durchgang des gestrigen Spiels. Folgen aber weitere Auftritte wie nach der Pause, ist der Gang in die Regionalliga vorprogrammiert - und das ärgerte Thomas Wolter am meisten. In der Halbzeit habe er seine Mannschaft noch gewarnt. Sie dürfe die Führung nicht verwalten, sondern müsse aktiv bleiben und den Gegner weiter beschäftigen. Offenbar ohne Erfolg. Mit dem Wiederanpfiff übernahm Saarbrücken das Kommando auf dem schwer bespielbaren Platz 11 und gab es bis zum Schluss nicht mehr her. "Dass wir uns dann so weit zurückziehen und so viele Fehler machen, ist nicht zu erklären", fand Wolter und wollte nichts hören von der Unerfahrenheit seines Teams: "Man muss im richtigen Moment auch die nötige Qualität haben."
Seine Mannschaft hatte sie gestern nicht. Das begann bei Torwart Bernd Düker, der zwar mit einer Glanzparade einen Kopfballtreffer von Stephan Sieger vereitelte (67.), ansonsten aber zu wenig Sicherheit ausstrahlte, und es endete bei Stürmer Danni Avdic. Seine auffälligste Szene hatte der Profi in der 70. Minute, als er ebenso unglücklich wie ungeschickt den Handelfmeter zum 2:2 verschuldete. Er würde ja eigentlich keine Einzelkritik üben, meinte Wolter, aber natürlich müsse Avdic "noch zulegen". Das entspricht in der Wolterschen Sprachregelung einem schlechten Zeugnis. Aber es waren natürlich nicht nur Düker und Avdic, die Saarbrücken am Sonntag den Weg zum Remis bereiteten. Kein Spieler erreichte nach der Pause mehr die Leistung der ersten Halbzeit, und deshalb hätte FCS-Kapitän Sieger beinahe noch zum 3:2 getroffen (80.).
Allein die zweite Halbzeit war indes nicht ursächlich für den Verlust zweier Punkte. Es war auch mal wieder die mangelnde Effektivität vor dem Tor. Nach einer ausgeglichenen Anfangsphase hatten die beiden Treffer von Felix Kroos zwar für die 2:0-Führung gesorgt. Danach aber hätten noch ein, zwei weitere Treffer folgen müssen. Erst scheiterte Wegner nach einem kapitalen Fehlpass von Manuel Stiefler freistehend an Gäste-Keeper Marina (27.), dann vergaben Lennart Thy, Wegner und Florian Trinks nacheinander aus kurzer Distanz (30.). Wäre hier das 3:0 gefallen, hätte man sich über die zweite Halbzeit wohl keine Gedanken mehr machen müssen.


