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 - 26.11.2009

Einblicke in die Manieren-Ausstellung im Focke-Museum

Von Barbara Debinska
Vom 29. November 2009 bis 30. Mai 2010 zeigt das Bremer Focke-Museum die erste kulturhistorische Sonderausstellung zum Thema Manieren. Die Bildergalerie gibt erste Einblicke in die neue und erste Sonderausstellung bundesweit zum Thema "Manieren".
Racing Grannies werden gern als Geschenk für Kollegen, die in den Ruhestand treten, verwendet. Im Renteneintrittsalter noch rüstig, kann das Geschenk mit Humor genommen werden. Aufziehfiguren “Racing grannies” Bluw, London, 2006.
In Gesellschaft: James Gillray war Anfang des 19. Jahrhunderts bekannt für seine politischen Satiren. Seine Karikaturen zeigen die feine Gesellschaft beim Austausch von Neuigkeiten, die vom Klatsch bis zur üblen Nachrede reichten. Wie die Gesichter und Gesten der abgebildeten Personen verraten, handelt es sich bei der „decent story“ keineswegs um eine antsändige Geschichte. James Gillray (1757-1815). A Decent Story, 1795 Radierung, koloriert, 24,8 x 34,6cm.
Das Toilet Poster zeigt den amerikanischen Musiker und Komponisten Frank Zappa (1940-1993) auf der Toilette sitzend zeigt. In den 1960er Jahren war dies eine Provokation, galten doch sämtliche Ausscheidungsvorgänge als Tabu. Das Motiv wurde ursprünglich in einer Zeitschrift abgedruckt, fand dann aber als Poster weltweite Verbreitung bei Jugendlichen. The Toilet Poster Großbritannien, 1967.
Bildnis Adolph Freiherr Knigge, um 1780-1795. Der Name Knigge ziert heute viele Benimmbücher. Dass sich Knigge in seinem Werk „Über den Umgang mit Menschen“ aus dem Jahr 1788 gar nicht zu Tischmanieren und Stilfragen geäußert hat, ist vielen Menschen nicht bewusst. Adolph Freiherr Knigge ging es um einen anständigen Umgang der Menschen miteinander. Dabei bezog er erstmals alle gesellschaftlichen Schichten in seine Betrachtungen mit ein.
Bereits in der Renaissance hatten die Deutschen den Ruf, unmäßige Säufer und Fresser zu sein, besonders bei ihrer Leibspeise dem Sauerkraut waren sie hemmungslos. Dies wurde in englischen Karikaturen gern aufgegriffen, so auch in Gillrays kolorierter Radierung. James Gillray, Germans eating Sour-Krout, 1803, Radierung koloriert, Platte 26 x 36,6 cm
Exponat in der Ausstellung "Manieren" im Bremer Focke Museum.
Titelbild der Sonderausstellung "Manieren" im Focke Museum. Das Gemälde zeigt einen unbekannten Herrn mittleren Alters, der einen mit Wein gefüllten Römer hält. Ganz leicht fasst er ihn am unteren Rand zwischen Daumen und Zeigefinger an – ganz so, wie es um 1650 in vornehmen Kreisen üblich war.
Der Flakon hat die Form einer sich zur Faust ballenden Hand. Zwischen Zeige- und Mittelfinger schaut der Daumen hervor. Diese Geste wird im Italienischen mit „fica“ (deutsch Feige) bezeichnet und gilt als rüde. Flakon in Form einer Hand Venedig oder à la façon de Venise, nde 17. bis Anfang 18. Jh. Milchglas mit blauen gekämmten Fadenauflagen.
Der Nachtstuhl steht einerseits für das Bedürfnis nach Bequemlichkeit, blieb seinem Benutzer doch der lange Gang zum Abtritt erspart. Zugleich kaschierte er durch Form und herabhängende Tücher seine eigentliche Funktion. Nachtstuhl, um 1860 Mahagoni, H. 92 cm, B. 55 cm, T. 50 cm.
Der Kauf von Hygieneartikeln war in der Vergangenheit oft ein peinliches Unterfangen für den Käufer. Die Firma Hakle warb daher in den 1920er Jahren mit dem Slogan: „Verlangen Sie eine Rolle Hakle, dann brauchen Sie nicht Toilettenpapier zu sagen!“, der es den Kunden erlaubte, heikle Wörter zu umgehen. Die gezeigte Toilettenpapierrolle ist eine der ersten, die auf den Markt kamen. Toilettenpapierrolle Hakle, wohl 1928 Papier.
In Tafelschiffen wurden seit dem 12. Jahrhundert die persönlichen Speisegeräte des Herrschers sowie Salz und Gewürze aufebwahrt. Die Fürsten sollten so vor Giftanschlägen geschützt werden. Seit dem 16. Jahrhundert wurde das Tafelschiff mehr und mehr zum Statussymbol. Es markierte den Platz des ranghöchsten Gastes am Tisch. Tafelaufsatz in Schiffsform Silber vergoldet MZ Georg Müller, Nürnberg 1630–1640.
Lange Zeit war es in vornehmen Kreisen üblich, das Luxusgetränk Kaffee zur Abkühlung in die Untertasse zu gießen. Die Dame auf dem Gemälde tut dies mit viel Noblesse und Fingerspitzengefühl. Wenig später war das Trinken aus der Untertasse schon wieder aus der Mode gekommen und allenfalls noch auf dem Lande anzutreffen. Felix Maria Diogg Bildnis einer Kaffee trinkenden Dame, 1789. Öl auf Leinwand.
Mit Haltung: Ein Hosenmacher stolziert nach der Entdeckung seiner adligen Abstammung mit Dreispitz, Schärpe und Degen vor seinem Laden auf und ab. Er imitiert dabei die Haltung, die seiner Ansicht nach einem Gentleman gebührt. Äußerlich jedoch unterscheidet er sich kaum von seinen Nachbarn. Im 18. Jahrhundert war die Ahnenforschung nach adligen Vorfahren in England recht verbreitet. Thomas Rowlandson Recovery of a Dormant Title or a Breeches Maker become a Lord, 1812. Radierung.
George Cruikshank veröffentlichte unter dem Titel Monstrosities acht Karikaturen, die die modischen Exzesse und die eitle Selbstdarstellung der Londoner Gesellschaft aufs Korn nahmen. Die Radierung gehört zu den über 200 Exponaten der Sonderausstellung "Manieren" im Focke Museum.
Die Würde des Menschen: Das Bild zeigt Noah, der nach überstandener Sintflut betrunken und mit entblößten Geschlechtsteilen eingeschlafen ist. Seine drei Söhne reagieren auf den Anblick unterschiedlich. Während der eine in einer Mischung aus Unbefangenheit und Schadenfreude auf den Vater deutet, wendet sich der Zweite schmerzvoll ab. Der Dritte zeigt Taktgefühl und verdeckt die Blöße seines Vaters. Gaspare Traversi (um 1722/23-1770) Noahs Trunkenheit, um 1750. Öl auf Leinwand, 76 x 101 cm.
Die Würde des Menschen: Schandmasken dienten bis ins 18. Jahrhundert der Bestrafung bei Verstößen gegen den Anstand. Die Beschuldigten wurden mit den Masken durch die Straßen getrieben und verspottet. Dabei schränkte die Maske die Sicht des Trägers ein, so dass er immer wieder an Hindernisse stieß. Schandmaske, Baden, 17./18. Jahrhundert. Eisenblech, bemalt, H. 56 cm, B. 33 cm, T. 58 cm.
Die Würde des Menschen: Mark Mc Gowan bot sich der Manhattaner Bevölkerung als Prügelknabe mit George-Bush-Maske an. Dieses Szenario erinnert an Strafen im Mittelalter, bei denen man sich der Öffentlichkeit ausliefern zu musste. Es zeigte sich, dass die Menschen Hemmungen hatten, einem anderen Menschen wehzutun. Mark McGowan, Kick George Bush´s Ass, 2007.
Besucherin betrachtet das Bild "Blinde Kuh". Ländliches Paar beim Blindekuhspiel im Bereich „Galant“, Lübecker Maler nach Jean-Honoré Fragonard, um 1760-80. Exponat in der Manieren-Ausstellung im Bremer Focke-Museum.
Manieren-Ausstellung im Bremer Focke-Museum: Narzissus und die Tulipan -im Bereich „In der Öffentlichkeit“ Franziska von den Driesch ... Narzissus und die Tulipan..., 2009.
Werbeplakat für das Bremer Musikfest 2007 im Bereich „Ganz Zwanglos“. Manieren-Ausstellung im Bremer Focke-Museum.
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Ganz zwanglos: Racing Grannies werden gern als Geschenk für Kollegen, die in den Ruhestand treten, verwendet. Im Renteneintrittsalter noch rüstig, kann das Geschenk mit Humor genommen werden. Aufziehfiguren “Racing grannies” Bluw, London, 2006.

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