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 - 09.09.2011

Stadtführung durch das Viertel

Bremen. Was die Schanze für Hamburg ist, ist das Viertel für Bremen. Hier treffen Sneakers auf Lederschuhe und Notebooks liegen auf Retro-Sofas. Ein tolerantes Szenequartier, in dem ausgerechnet Hausbesetzer viele Wohnungen und Kunsthäuser gerettet haben. In der Stadtführung "Bürger, Revoluzzer und Kreative" entdecken wir den Charme des Viertels.
Beim Steinernen Kreuz: Ein Marterpfahl im Viertel? Nein. Stadtführer Alexander Press klärt auf: Das Kreuz erinnert an die Hinrichtung des Bremer Bürgermeisters Johann Vasmer im Jahr 1430. Er war wegen angeblichen Hochverrats zum Tode verurteilt. Das Original des Vasmer-Kreuzes steht im Focke-Museum.
Auf den Häfen: Komisch, wo sind denn hier der Häfen, die überall angekündigt werden? "Zumindest nicht hier", sagt Stadtführer Press. Denn eigentlich hieß die Straße früher "Auf den Höfen".
Und mit den "Höfen" ist die Hinterhof-Kneipengasse gemeint. "Seitdem das Essen in der Schlachte schlechter geworden ist, läuft es hier wieder besser", sagt Stadtführer Press aus Erfahrung.
Alexander Press zeigt auf ein typisches Bremer Haus, gebaut vom Bremer Baumeister Lüder Rutenberg. In der Kreftingstraße steht ein Doppelhaus, bei dem beide Hälften innen und außen symmetrisch zueinander sind.
Rund 15 Teilnehmer lotst Stadtführer Press über den Dobben. Die Frauenquote liegt bei 95 Prozent. Kein Wunder: Hier feiert eine Gruppe aus Grasberg einen Junggesellinnen-Abschied.
Auch typisch Viertel: Dixiklo-Werfen am Dobben.
Aus einem Haus in Mathildenstraße hören wir eine Klarinettenspielerin. "Normalerweise können sich Studenten gar nicht leisten, hier zu wohnen", meint Tourguide Press, "dafür wohnen hier viele Lehrer". Baumeister Rutenberg hat diesen Straßenzug komplett selbst gestaltet - und sie nach seiner Ehefrau benannt. Die Hausfassaden stehen unter Denkmalschutz.
"Ist das Straßenpflaster auch unter Denkmalschutz?", fragt eine Tou-Teilnehmerin aus Grasberg.
Wir nähern uns dem "Bermuda-Dreieck". Alexander Press - ehemaliger Kunststudent, heute Doktorand - kennt sich bestens aus in der Kneipenszene.
Im "Rum Bumper's" darf eigentlich nur bis Mitternacht ausgeschenkt werden - danach ist Feierabend. Gerüchteweise sollen Nachbarn sich trotzdem über Lärm nach 0 Uhr beschweren.
An der Sielwallkreuzung treffen wir auf eine andere Junior-Tourgruppe.
Der 30-jährige Press interessiert sich mehr für Bremens berühmteste Sackgasse. Ende des 19. Jahrhunderts galt die Helenenstraße als Vorzeigemodell für kontrollierte Prostitution. Heute verirren sich nur noch wenige Freier in Bremens Mini-Kiez.
Kein Wunder, schaut man über die Mauer.
Im Restaurant an der Sielwallkreuzung flammt das Protestherz des Viertels auf. Die Restaurantkette "Schweinske" hat nach nur zwei Jahren den Betrieb abgegeben - rausgemobbt durch linke Autonome. Kleinigkeiten sorgen im Viertel oft für Aufruhr: Bei den Bremer "Straßenbahnunruhen" 1968 gab es Sitzblockaden und Krawalle - wegen einer Fahrpreiserhöhung von 60 auf 70 Pfennig.
Die Grasberger Gruppe vor der unscheinbaren "Lila Eule". Im Szenelokal hat Rudi Dutschke eine flammende Rede gehalten, und die Nachwuchsmusiker "Tsunamikillers" - heute Revolverheld - starteten ihre Karriere.
Ende der Siebziger wurde das Kulturzentrum Lagerhaus besetzt von Musikern und Küstlern - heute ist die Schildstraße 18-22 eine anerkannte Adresse für Kultur, Bildung und Ökologie.
Mittlerweile weht ein Hauch von Spießigkeit durch das Viertel.
Hunderwasser-Like: Das "Wahrzeichen" des Lagerhauses setzt viele kleine Teile zu einem großen Ganzen zusammen.
Für die Grasberger geht es weiter über den Ostertorsteinweg ...
... vorbei an Bastelläden ...
... hin zum Wiener Hof.
Der Wiener Hof ist nicht nur ein Café und Restaurant. Er steht auch für Wohnhäuser im Wiener Jugendstil. Sie stellten 1905 einen Gegenentwurf zu den Bremer Häusern dar.
Die Mehrfamilien-Mietshäuser bilden ein Ensemble um den Hof. Der Gemeinschaftsgedanke steht im Vordergrund. 1970 wurde über den Abriss nachgedacht - der wieder von Hausbesetzern verhindert wurde.
Offen, spontan, gemütlich: Immer wieder kommen im Viertel Bewohner ins Gespräch.
Wo ist das Kloster "Beim Paulskloster"? Im Gegensatz zum Bremer Hof wurde es 1523 abgerissen. Mit den übrig gebliebenen Steinen wurde eine Straße in der Neustadt gepflastert.
Auf geht's zur letzten Station Richtung Bleicherstraße.
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Beim Steinernen Kreuz: Ein Marterpfahl im Viertel? Nein. Stadtführer Alexander Press klärt auf: Das Kreuz erinnert an die Hinrichtung des Bremer Bürgermeisters Johann Vasmer im Jahr 1430. Er war wegen angeblichen Hochverrats zum Tode verurteilt. Das Original des Vasmer-Kreuzes steht im Focke-Museum.

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