Ehrenbürger Bernd Hockemeyer soll Prozess moderieren

 - 27.04.2010

Museum Weserburg wird neu aufgestellt

Von Wigbert Gerling
Bremen. Es ist eine bunte Palette, wenngleich voller düsterer Töne: Geklagt wird über unübersichtliche Kompetenzen am Neuen Museum Weserburg. Im Kreis von Kunstsammlern gibt es Unmut, und das Finanzgebaren wird mit einer Mischung aus Erstaunen und Erschrecken betrachtet. Jährlich fließt Steuergeld im Millionenhöhe, gleichwohl gerät die Kulturstätte auf dem Teerhof offenbar weiter in finanzielle Schieflage. Nun soll ein Ehrenbürger der Stadt eingeschaltet werden, damit die Einrichtung in ruhigeres Fahrwasser kommt: Bernd Hockemeyer, Unternehmer und Förderer der Kunst in Bremen.
Das Museum Weserburg auf dem Teerhof soll neu aufgestellt werden.
Das Museum Weserburg auf dem Teerhof.

Das Neue Museum Weserburg (NMW) wird als Stiftung geführt. Direktor ist Carsten Ahrens, Stiftungsratsvorsitzender der ehemalige Chef der Senatskanzlei, Reinhard Hoffmann (SPD). Die Einrichtung widmet sich der Kunst der Gegenwart und wird dafür vom Staat mit rund 1,1 Millionen Euro jährlich bedacht.

Sie kommt trotz dieser regelmäßigen Zuwendungen und trotz der Angebote aus dem Sammlerkreis, ebenso publikumswirksame wie künstlerisch anspruchsvolle Exponate zur Verfügung zu stellen, aus der "roten Phase" offenbar nicht heraus: In den finanziellen Berechnungen gehört das Minuszeichen zur Standard-Symbolik im Museum.

Abgesehen von dem Vorwurf mangelnder Transparenz der wirtschaftlichen Vorgänge wird mit Erstaunen registriert, dass beispielsweise weitaus mehr Besucher als zunächst kalkuliert im Jahr 2008 die Ausstellung mit Bildern des weltberühmten Fotografen Helmut Newton besucht hatten.

Gleichwohl sei anschließend ein Defizit ausgewiesen worden. Da in Bremen die Stiftungsaufsicht beim Innensenator angesiedelt ist, ging mit diesem Hintergrund jetzt ein Schreiben an Ressortchef Ulrich Mäurer (SPD) mit der Bitte, das Neue Museum Weserburg zu überprüfen.

Die Politik ist hellhörig geworden. Dort wird unter anderem beklagt, dass der Pfeil bei der finanziellen Entwicklung unverändert nach unten zeige. Und mit Aufmerksamkeit wird registriert, dass Kultursenatorin Carmen Emigholz (SPD) auf die Schieflage jüngst mit der Ankündigung reagiert hatte, Direktor Ahrens werde ein kaufmännischer Geschäftsführer zur Seite gestellt. "Kein Geld auf der Naht - und dann wird ein hochbezahlter Posten geschaffen....?" Solche Fragen waren in der vergangenen Woche am Rande der Parlamentssitzung mehr als einmal zu hören.

Es kursierten Prognosen, wonach das Neue Museum Weserburg in den Jahren bis 2014 immer neue Verluste aufhäufen werde. Dabei gehe es um fünfstellige Beträge, die am Ende die Grenze von 70000 Euro pro Jahr in absehbarer Zeit überschritten: "Von solch einer Summe leben ansonsten ganze Kultureinrichtungen in Bremen", lautete der Vergleich einer Abgeordneten.

Ex-Staatsrat Reinhard Hoffmann sagte auf Nachfrage, die Ausstellungen, auch die mit den Fotos von Helmut Newton, seien korrekt abgerechnet worden: "Es gab keine Einwände", erklärte er. Eine Misswirtschaft könne er nicht feststellen. Und wenn es dem Museum finanziell nicht gut gehe, dann spiele auch das gesellschaftliche Umfeld mit einer "allgemeinen Finanzknappheit" hinein. Er wandte sich dagegen, Forderungen nach Ablösung von Museums-Chef Ahrens nachzugeben.

Sammler verprellt?

Der bisherige Fünfjahresvertrag, so erklärte Ahrens gestern, laufe zum Jahresende aus. Es sei aber bereits eine Verlängerung unter Dach und Fach - nicht um weitere fünf, sondern um drei Jahre. Diese kürzere Laufzeit des Anschlussabkommens sei aber nicht als negatives Signal zu sehen, sondern in der Branche keineswegs unüblich.

Ahrens verwies darauf, dass unter seiner Leitung die Besucherzahlen deutlich nach oben gegangen seien. Er bemühe sich darum, mit Sammlern, die mit ihrem Bilderbesitz zur Attraktivität des Museums beitragen könnten, "hochdiplomatisch" und damit auch zum Wohle der Einrichtungen umzugehen.

Diese Einschätzung wird nicht durchweg geteilt. So wird beklagt, dass aus dem Kreis Bremer Kunstbesitzer immer wieder die Kritik kommt, Sammler würden Ideen und künstlerisch hochwertige Ausstellungsobjekte anbieten, um dann aber verprellt zu werden. Die Beziehung Sammler/Museumsleitung laufe oft alles andere als synchron.

Ein Stiftungsrat unter besonderer Berücksichtigung des Vorsitzenden Reinhard Hoffmann, die Museumsleitung mit offenbar nicht formvollendeter Finanzkompetenz, die Kulturbehörde rund um Staatsrätin Carmen Emigholz, dazu ein Freundeskreis - "viele Köche verderben den Brei", wird inzwischen auf der politischen Ebene bilanziert, um die unübersichtliche Lage in der Zuständigkeitsverteilung zu beschreiben.

Emigholz plant vor dem Hintergrund des Krisen-Knäuels eine umfassende Reform, die bis zur Sommerpause abgestimmt sein soll. Die Wünsche und Anforderungen in dem weitgefächerten Umfeld würden zum Wohl des Hauses gebündelt. Der Bremer Ehrenbürger Bernd Hockemeyer, einst auch Präses der Handelskammer, habe sich bereit erklärt, sich zu engagieren. Er wird einbezogen, um die Neuaufstellung des Museums zu moderieren.

Die SPD-Staatsrätin erklärte gestern, sie sei "froh und dankbar", dass sich Bernd Hockemeyer bereit erklärt habe, für den umfassenden Reformprozess zur Verfügung zu stehen. "Wir haben uns entschlossen, gemeinsam mit den Gremien der Weserburg die Lage des Museums zu analysieren und eine neue Plattform zu erarbeiten", erklärte sie. Ziel sei es, ein wirtschaftlich "tragfähiges Gesamtkonzept zu formulieren und umzusetzen".