Fast nur gute, kaum schlechte Zeiten: "Dahoam is Dahoam", die werktäglich außer freitags ausgestrahlte weißblaue Seifenoper über Schicksale, Liebesleid und Alltagsfreuden im fiktiven Provinznest Lansing hat sich zum Quotenrenner im Bayerischen Fernsehen gemausert. Die von der Produktionsfirma Polyscreen gemeinsam mit dem BR in einer ehemaligen Feinpappenfabrik in Dachau aufgezeichnete Endlosserie hat jetzt schon über 500 Folgen hinter sich - und noch viel vor. "Der Sender ist sehr stolz auf seine bayerische Serie", lobt Bettina Reitz, die beim Bayerischen Fernsehen als Spielfilm- und Serienchefin für den Lansinger Traum mitverantwortlich ist, ihr Team. Besonders froh sind die BR-Lokalpatrioten, dass ihre Serie auch deutschlandweit Beachtung findet. Dank des "DiD"-Rückenwinds stieg der Jahresmarktanteil des Dritten Programms zuletzt um 0,5 Prozentpunkte.
Mit einem durchschnittlichen Marktanteil von 14,7 Prozent in Bayern sticht die Serie weit aus dem oft grauen Einerlei der Dritten Programme heraus. Los ging's bereits mit einem lauten Tusch: Die Auftaktfolge von "Dahoam is Dahoam" brachte dem BR am 8. Oktober 2007 eine Einschaltquote von sagenhaften 17,7 Prozent ein, deutschlandweit waren es 4,7 Prozent. Zum Vergleich: Normalerweise erzielt das Bayerische Fernsehen deutschlandweit einen Marktanteil von 1,7 Prozent, "Dahoam is Dahoam" wird derzeit im Durchschnitt dort von 3,3 Prozent aller Zuschauer gesehen. Noch glücklicher macht die Senderverantwortlichen die bodenständige Treue der Fans: Laut aktuellen Erhebungen der BR-Marktforschung schaut sich der typische bayerische "DiD"-Fan fünf von zwölf ausgestrahlten Folgen an - ein Wert, der in der deutschen Fernsehlandschaft seinesgleichen sucht.
Auch wenn Bettina Reitz den Fachbegriff "Daily Soap" tunlichst vermeidet und lieber vom "Zuhause für die Serie" spricht, kann sich "Dahoam is Dahoam" auch mit den starken Konkurrenz-Seifenopern des privaten Marktführers RTL messen: Während "DiD" in Bayern auf einen durchschnittlichen Marktanteil von 14,7 Prozent kommt und damit täglich rund 500.000 Fans glücklich macht, erzielt der zeitgleich ausgestrahlte RTL-Dauerbrenner "Gute Zeiten, Schlechte Zeiten" im Sendegebiet Bayern nur einen Marktanteil von 8,5 Prozent. Die Lansinger sind also längst Platzhirsche. Außerhalb des Freistaats schalten sich regelmäßig rund 500.000 Zuschauer zu, sobald die berühmte Lansinger Erkennungsmelodie von Komponist Harry Blank erklingt. "Dahoam is Dahoam" freut sich so deutschlandweit über einen Zuspruch von rund einer Million Lansing-Liebhaber pro Folge. "Ihnen allen wird ein Stück Bayern nachgetragen", freut sich Bettina Reitz.
"Die gute Quote ist ja das, was unsere Zukunft sichert", weiß auch Bernhard Ulrich, der in der Serie den Brau-Unternehmer Hubert "Hubsi" Kirchleitner spielt. Besonders eingeprägt hat sich ihm eine Art Aha-Erlebnis, das man so manchem Fernsehdarsteller nur wünschen möchte: Auf einem der "Dahoam is Dahoam"-Besuchertage in der ehemaligen Feinpappenfabrik, die als TV-Kulisse für das fiktive Lansing fungiert, kamen statt der ursprünglich erwarteten wenigen hundert letztlich über 10.000 Besucher. "Ich hab von Früh bis Abend Autogramme geschrieben", berichtet er. "Sogar ein altes Mütterl mit Gehwagen hat sich aufs Gelände geschleppt", freut er sich über den engen Fan-Kontakt. "Da wurde für mich die Quote plötzlich Wirklichkeit."
Trotz der Feststimmung, die derzeit über dem Produktionsgelände im Dachauer Gewerbegebiet liegt, erinnert man sich im Team auch an rauere Zeiten. "Es gab sehr viele Zweifler und Nörgler", gesteht Bettina Reitz ein. Anfangs konnte kaum ein Kritiker glauben, dass einem Dritten Programm eine industriell gefertigte Endlosserie zu Gesicht stünde, und viele zweifelten, ob die BR-Qualitätsansprüche zu erfüllen wären. Das gekünstelte Serien-Bayerisch wurde kritisiert, außerdem stand der Vorwurf "Heimatkitsch" im Raum. "Sukzessive haben wir die Kritiker überzeugt", freut sich Bettina Reitz. "Natürlich kann nicht jede einzelne Folge wie 'Wer früher stirbt, ist länger tot' aussehen", gesteht sie ein. Doch das Bemühen, "das Heimatgefühl zu bedienen und gleichzeitig aktuelle Probleme anzusprechen", nimmt ihre Redaktion "sehr ernst".
Das Erfolgsrezept von "Dahoam is Dahoam" beruht daher weniger auf ausgefeilten Marktanalysen und Zielgruppendenken, sondern auf einer Offenheit gegenüber den Fans. Tatsächlich trudeln körbeweise Zuschriften aber auch viele Mails in der Redaktion ein, die sorgfältig ausgewertet werden. "Wir stehen in sehr engem Dialog mit den Zuschauern", berichtet Bettina Reitz. Viermal im Jahr geht sie mit den Hauptverantwortlichen der Serie auf eine "DiD"-Wirtshaustour, wo Zuschauer befragt werden und die Möglichkeit haben, neue Handlungsstränge anzuregen. Trotzdem will man beim BR sein Fähnchen auch nicht nach dem Wind drehen. "Dass die Zuschauerzahl stetig gestiegen ist, ist ein riesiges Geschenk", versichert Bettina Reitz. "Wir würden uns aber auch über 'DiD' freuen, selbst wenn wir weniger Zuschauer hätten."
Das Lansinger "Mir san mir"-Gefühl hat den Sender dennoch voll erfasst - und macht vor den Würdenträgern des Hauses nicht mehr halt. Fernsehdirektor Gerhard Fuchs gilt als Geburtshelfer und treuer Förderer der Serie. Und sogar den BR-Pressesprecher Rudi Küffner, sonst von Amts wegen um professionelle Distanz bemüht, hat die Begeisterung voll erfasst. "Um Viertel vor Acht", also zur klassischen "DiD"-Startzeit, "bekommt mich niemand mehr ans Telefon", erzählt er. Von den über 500 bisherigen Folgen will er bereits 480 gesehen haben. "Wir hoffen, dass nach und nach alle süchtig werden", gibt Produzent Markus Schmidt-Merkel als Parole aus - bis zur nächsten Jubiläumsfolge.
