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Bremer Science Center Universum braucht Besucher

04.09.2012 5 Kommentare

Wird der silberne Wal für die Stadt dauerhaft zum Zuschussgeschäft? © Reichmann/rahn/montage: Stv
Wird der silberne Wal für die Stadt dauerhaft zum Zuschussgeschäft? (Reichmann/rahn/montage: Stv)
Carlo Petri, Erfinder des Universum, steckt auch mit anderen Projekten in Schwierigkeiten. Dem Klimahaus in Bremerhaven scheint es aber gut zu gehen. 

Ein halbes Jahr ist es her, dass das Universum aus höchster Not gerettet werden musste. Der Senat half dem Science Center mit rund 440000 Euro aus, damit es nicht in die Insolvenz gehen musste. Bedingung: Das Universum sollte so kräftig sparen – an Personal, Marketing und Verwaltung – dass die Zahl von 250.000 Besuchern im Jahr ausreicht, um den Betrieb der Einrichtung zu finanzieren. Diese Zielmarke aber scheint schon jetzt nicht mehr erreichbar zu sein, wie aus den Zahlen hervorgeht, die das Universum auf Anfrage mitgeteilt hat.

Carlo Petri ist der Erfinder und Betreiber des Universums. © Reichmann
Carlo Petri ist der Erfinder und Betreiber des Universums. (Reichmann)
Völlig offen ist derzeit noch, welche Konsequenzen dies haben wird. Möglicherweise muss die Stadt für weitere Jahre den Betrieb alimentieren – so lange, bis es endlich geschafft worden ist, das in die Jahre gekommene Universum gemeinsam neu zu erfinden und attraktiver zu machen, um auf dadruch neue Besucher zu gewinnen. Andernfalls müsste das Science Center geschlossen werden. Eigentümerin der Gebäude an der Universitätsallee ist die Stadt. Die Betreibergesellschaft ist Pächterin der Anlage.

"Es wird schwer für uns"

"Wir lagen nach einem halben Jahr bei knapp 110.000 Besuchern, das war ganz okay", sagt Universum-Geschäftsführer Herbert Münder. Sehr schwierig sei dann aber der August gewesen – unter anderem wegen des guten Wetters. Eigentlich unmöglich, unter solchen Voraussetzungen noch das gesteckte Ziel zu erreichen. Münder: "Es wird sehr schwer für uns."

Das Universum steckt in einem Dilemma. Es soll sparen, zum Beispiel beim Marketing, und gräbt sich dabei die Möglichkeiten ab, neue Besucher anzulocken. Es soll ein neues Konzept erarbeiten und tut das auch, hat aber kein Geld, es zu verwirklichen. Der Plan, über Sponsoren bis zu zehn Millionen Euro zu organisieren, ist als unrealistisch aufgegeben worden. Ein anderer Ausweg aber bleibt nicht. Münder weiß das: "Wir müssen etwas grundlegend Neues anbieten, nur dann werden wir Erfolg haben."

Besucheransturm zur Eröffnung

Ein Erfolg, der schon einmal da war. In den ersten beiden Jahren nach der Eröffnung im September 2000 verzeichnete das Universum einen regelrechten Besucheransturm, es kamen jeweils eine halbe Million Menschen, viel mehr als anfangs erwartet worden war. Doch danach sackte die Zahl kontinuierlich ab, auf zuletzt 260000 im vergangenen Jahr. Im laufenden Jahr werden es noch einmal deutlich weniger sein. Von der Eröffnung bis heute bedeutet dies insgesamt einen Rückgang um mehr als die Hälfte.

Das Wirtschaftsressort hatte vor einem halben Jahr bei der Rettung des Universum die Verhandlungen geführt und zusammen mit dem Betreiber ein Sanierungskonzept erarbeitet. "Es ist noch zu früh, um abzuschätzen,wie das Ergebnis letztlich ausfallen wird", sagt Behördensprecher Holger Bruns. Die Entwicklung werde zusammen mit einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft intensiv begleitet, "um gegebenenfalls darauf vorbereitet zu sein, falls das Jahresergebnis unterhalb der getroffenen Vereinbarungen bleibt", so Bruns weiter. Entscheidend sei am Ende, ob es dem Universum gelinge, sich schrittweise zu erneuern.

Alleiniger Eigentümer der Betreibergesellschaft ist Carlo Petri. Er hat das Universum erfunden. Genauso wie das Klimahaus in Bremerhaven und viele andere Projekte im In- und Ausland. Mit einem davon, dem "wortreich" in Bad Hersfeld, einem Mitmach-Museum, das die deutsche Sprache zum Thema hat, ist Petri mit seiner Agentur Petri&Tiemann gerade erst gescheitert. Die Stadt hat sich von dem Betreiber getrennt und dies mit der "existenzbedrohlichen Lage" begründet, die die Firma aus Bremen nicht in den Griff bekommen habe.

Ähnlich verlaufen ist ein Projekt in Österreich – in der Stadt Wels. Dort gibt es das "Welios", ein 22 Millionen Euro teures Mitmach-Museum zum Themenkomplex erneuerbare Energien, das von Petri&Tiemann entwickelt und betrieben wurde. Wenige Monate nach der Eröffnung im vergangenen Jahr gab es wegen überzogener Besucherprognosen bereits eine eklatante Schieflage, die Stadt trennte sich daraufhin von den Bremern und sucht seitdem nach einem neuen Betreiber.

Vom Klimahaus in Bremerhaven gibt es solche schlechten Nachrichten hingegen nicht. "Wir haben in unserem dritten Betriebsjahr rund 600000 Besucher erreicht", sagt Klimahaus-Geschäftsführer Arne Dunker. Eine Punktlandung, denn genau diese Zahl war auch angepeilt worden. Nach Dunkers Angaben bleibt bei den Einnahmen so viel Geld übrig, dass in zwei Jahren in die Überarbeitung der Ausstellung investiert werden kann. "Wir müssen und wollen unser hohes Niveau halten", erklärt Dunker.


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Leserkommentare
Werderland am 27.03.2015 16:35
Thomas Eichin hatte vor dem Bayern-Spiel recht, und er hat es auch jetzt. Dazu ist oben auch alles richtig gesagt.

Die Diskussion ist ...
WERDER2016 am 27.03.2015 16:06
Eventuell könnten Play-Off-Spiele am Ende der Saison mit den ersten 4 Mannschaften etwas mehr Spannung in den Kampf um die Meisterschaft bringen, ...
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