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"Gestalter der Einheit" Teil 3 Wolfgang Reiche gab Ost und West ein Dach

18.09.2010 0 Kommentare
Wolfgang Reiche organisierte als "Gestalter der Einheit" Radreisen. © Koch
Wolfgang Reiche organisierte als "Gestalter der Einheit" Radreisen. (Koch)

Wenn Wolfgang Reiche erzählt, wie es zu diesem Dachgeber gekommen ist, wird schnell klar: Bei dem leidenschaftlichen Radreisenden sind viele Lebenserfahrungen miteinander verknüpft. Als 17-Jähriger flüchtete der aus der Nähe von Gotha Gebürtige im Südharz durch Stacheldraht und Minenfeld nach Westdeutschland. Eltern und sechs Geschwister blieben zurück. Wolfgang Reiche kam bei einer Tante in Südhessen unter, beendete die Schule dort und studierte in Westberlin. Acht Jahre später konnte er erstmals wieder in sein Heimatdorf reisen. Weihnachten 1972 war das. Mutter, Vater und Geschwister standen auf dem Bahnhof, um ihn zu begrüßen. Es war ein glückliches Wiedersehen. Im Laufe der Jahre gab es viele davon. Noch heute trifft sich die komplette Familie regelmäßig zum gemeinsamen Wandern.

Von Kontinent zu Kontinent

Doch für Wolfgang Reiche blieben das nicht die einzigen Reisen. Er entdeckte die Freude an langen Radtouren. Die bislang längste wurde eine Weltreise, die ihn vier Jahre lang über 70.000 Kilometer von Kontinent zu Kontinent, von Land zu Land führte. Eine Begegnung mit einem chilenischen Radiomoderator setzte Reiche, der zwischendurch als Lehrer in Bremen tätig geworden war, eine Idee in den Kopf. Der Südamerikaner lud ihn nämlich zum Übernachten in sein Haus und sagte tags darauf zum Abschied nur: „Mach es mit Reisenden in deinem Land genauso.“

Übernachtungsadressen von Radlern für Radler zu sammeln – das war es. Als Reiche in Australien in Sydney von einem ähnlichen Projekt selbst profitierte, stand die Idee fest. Mitglieder eines Radclubs konnten dort bei anderen während ihrer Touren kostenlos nächtigen. Reiche nahm das Konzept mit nach Deutschland, sammelte während seiner Vortragsreisen Adressen von Interessierten und etablierte 1988 im Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) den ersten Dachgeber mit ein paar Hundert Adressen von Radreisenden in ganz Deutschland. Wer mitmachte, erhielt ein Adressenbuch mit seinem Ausweis auf der Rückseite, um Missbrauch vorzubeugen. Wer sich so ausweisen konnte und gelistet war, konnte sich bei anderen Adressen aus dem Dachgeber melden.

Nach dem gleichen Prinzip „Radler für Radler“ sammelte Wolfgang Reiche nach dem Mauerfall während ausgedehnter Radtouren Adressen in Ost und West. „Viele Ostdeutsche freuten sich, wenn sie ihr Begrüßungsgeld nicht für Übernachtungen ausgeben mussten und erklärten sich deshalb gern bereit, im Gegenzug andere aufzunehmen“, erklärt der 63-Jährige. So kamen zunächst 5000 Adressen in der damaligen DDR zusammen. 1000 meldeten sich in der BRD. „In den Wohnzimmern gab es viele Diskussionen. Das war eine unkomplizierte Form der Völkerverständigung“, sagt Wolfgang Reiche über diese Ebene des Zusammenwachsens, das er mit seinem Projekt voranbrachte.

990 gab es ein einziges Mal einen DDR-Dachgeber, 1991 dann den ersten gesamtdeutschen Adressenführer. Inzwischen gibt es die 23. Auflage, in zwei Jahren hat das Projekt Jubiläum. Die Datenpflege ist mit viel Aufwand verbunden, Dachgeber ziehen um, steigen aus, neue kommen hinzu. Für Wolfgang Jakob ist das Rad quasi zum Arbeitgeber geworden. Beim ADFC ist er als Berater tätig, gibt Kurse und Workshops von der Reparatur bis zur Radreise-Vorbereitung, geht in Schulen und bietet geführte Reisen an.

„Sein“ 9. Novemberist mit einer Radreise verbunden. Damals kam der Wahlbremer über Moskau im Zug von einer Tour entlang der Seidenstraße aus China zurück. Schon an der Grenze von Polen zur DDR gab es Anzeichen, dass etwas passiert sein musste. Als der Zug dann am Bahnhof Berlin-Friedrichstraße hielt, hörte Reiche durch die Trennwände zu den S-Bahnsteigen Jubel und Rufe. „Wir dachten, irgendein Fußballverein habe gewonnen“, erinnert er sich.

Als der Zug schließlich den Bahnhof Zoo erreichte und Reiche mit seinem Begleiter ausstieg, wurden sie von den Bildern überwältigt. Menschenmassen waren unterwegs, der Ku’damm war bevölkert wie nie zuvor. In den Telefonzellen standen Leute, die sich als Ostdeutsche zu erkennen gaben und Freunde im Westen anriefen mit den Worten: „Ihr glaubt nicht, wo ich jetzt bin.“ Reiche kriegt eine Gänsehaut, wenn er daran zurückdenkt: „Die Mauer, die so viel Trennung, Leid und Blut bedeutet hatte, war endlich weg. Und das auf so friedliche Weise.“


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UMFRAGE (beendet)
Braucht die Bremische Bürgerschaft einen Direktor?
14.5% (205 Stimmen)
Ja, es ist wichtig, dass das Parlament einen Verwaltungschef hat.
85.5% (1209 Stimmen)
Nein, in den vergangenen Jahren hat ihn auch keiner vermisst.
Der WESER-KURIER bei Twitter
Leserkommentare
alterwaller am 31.08.2015 10:12
Schön das das Spiel hier doch einigermassen objektiv bewertet wird. Es war noch nicht alles Gold was glänzt, aber sah deutlich besser aus als z. B. ...
juergenkluth am 31.08.2015 10:02
Herr Eichin hat es richtig ausgedrückt, sie haben auch gut gespielt. Ich fand, das Spiel sehr attraktiv und die Leistung der ganzen Mannschaft sehr ...
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