Wetter: Regen, 12 bis 21 °C
Discounter in Koblenzer Straße schließt
Der Artikel wurde zur Merkliste hinzugefügt.
Die Merkliste finden Sie oben links auf der Seite.

Lebensmittelengpass in Tenever

29.09.20160 Kommentare

Bewohner der Bremer Heimstiftung sorgen sich um die Nahversorgung
Bewohner der Bremer Heimstiftung bangen um Nahversorgung und Selbstständigkeit, da der Discounter in der Koblenzer Straße schließt. (Thomas Walbröhl)

 

Bereits auf der Arbeitsgruppensitzung Tenever in der vergangenen Woche hatten Anwohner ihre Sorgen zur Schließung des Supermarktes vorgebracht. Anwesend waren auch einige Bewohner der Bremer Heimstiftung. Sie wären besonders von der Schließung betroffen – ihre Mobilität ist zum Teil eingeschränkt.

Brigitte Perlwitz ist mit ihrem Mann ganz bewusst von der Bregenzer Straße nach Tenever-Zentrum in die Nähe des Stadtteilhauses der Bremer Heimstiftung gezogen. Dieses bietet Räume für Begegnungen, Service und im Bedarfsfall auch Pflege. Nach und nach seien in den letzten Jahren aber Geschäfte und Einrichtungen verschwunden, berichtet Perlwitz wenige Tage später auf dem Marktplatz in Tenever-Zentrum. „Da zieht man extra hier her und dann wird einem alles weggenommen.“ Zuletzt war es die Sparkasse, die ihre Filiale in Tenever schloss und nun also der Supermarkt in unmittelbarer Nähe. „Hier waren früher überall Geschäfte. Nun heißt es, das lohne sich nicht“, sagt die Rentnerin. Andere Bewohner des Stadtteilhauses pflichten ihr bei. Ein Frisör und ein Schlachter, ein Bäcker und ein Elektrohändler – alles weg.

Auch Wochenmarkt ist nicht mehr da

Auch der Wochenmarkt auf dem Marktplatz ist nicht mehr. Der Platz, an dem sich früher verschiedene Einrichtungen und Geschäfte angesiedelt hatten, ist inzwischen verwaist. „Eine Demonstrativbaumaßnahme, wo man nur noch schlafen kann und sich alle Institutionen zurückziehen, bringt den Bewohnern nichts“, sagt Silvia Suchopar, die das Ansinnen der Bewohner unterstützt.

In dem ehemaligen Supermarkt an der Koblenzer Straße wird nach Plänen des Bauunternehmers Klaus Hübotter voraussichtlich eine neue Kita entstehen. Der naheliegende Schluss, dass in das Gebäude ein anderer Nahversorger einziehen könnte, scheitert am Eigentümer, der eine Filiale im Weser-Park eröffnet. Konkurrenz in unmittelbarer Nähe möchte er nicht.

Für die Bewohner des Tenever-Zentrums würde der Wegfall der Einkaufsmöglichkeit bedeuten, dass sie entweder drei Stationen mit der Straßenbahnlinie 1 bis zum Schweizer Viertel oder aber zum Weser-Park fahren müssten. „Aber es ist nicht so einfach, mit dem Rollator einkaufen zu gehen, gerade in den Bussen und Straßenbahnen“, sagt Brigitte Perlwitz. Dazu käme dann noch das Geld für die Bahnkarten. Andere Bewohner der Heimstiftung äußerten die Angst, in der Straßenbahn zu stürzen. Betroffen sind neben Anwohnern auch Schulen und Kitas, die sich direkt vor Ort versorgen konnten.

Für Brigitte Perlwitz gehe es um mehr, als nur die Dinge des täglichen Bedarfs einkaufen zu können. „So lang ich kann, möchte ich noch selbst mobil sein, denn es wird die Zeit kommen, dass man sich nicht mehr bewegen kann“, sagt sie. Einhellig lehnen die Bewohner auch improvisierte Lösungen, etwa einen Taxidienst oder Bringdienst ab. „Wir wollen selbst sehen, was wir einkaufen“, sagt Perlwitz.

Kleines Geschäft für dringenden Bedarf würde schon reichen 

Die Bewohner sehen neben der Ortsteilpolitik auch die Gewoba in der Pflicht. „Wir wünschen uns, dass sich die Ortsteilpolitik für uns einsetzt“, sagt Ella Käbel, die ebenfalls das Angebot der Bremer Heimstiftung nutzt. Es sei enttäuschend, wenn gesagt würde, dass man derzeit nichts machen könne. „Und auch die Gewoba könnte sich kümmern, dass etwas für uns getan wird.“ Dabei ginge es nicht unbedingt darum, einen großen Supermarkt in die Nähe zu bekommen, sondern ein kleines Geschäft für den täglichen Bedarf.

Ortsteilpolitik und Gewoba haben allerdings wenig Handhabe, um eine Nahversorgung in direkter Nähe sicherzustellen. Beiratssprecher Wolfgang Haase (SPD) äußerte auf der Arbeitsgruppensitzung, dass es schwierig werde, eine Lösung zu finden. Er kündigte aber die Unterstützung durch den Beirat an. „Der Stadtteilbeirat steht natürlich an Ihrer Seite, wenn es um die Belange der Nahversorgung geht“, sagte Haase.

Ralf Schumann, Gewoba Bereichsleiter, ergänzte: „Die Frage des Nahversorgers treibt mich seit Jahren um.“ Aus unternehmerischer Sicht sei klar, dass der Discounter den attraktiveren Standort im Weser-Park wähle und nicht an einen Konkurrenten verkaufen möchte.

„Es wird unheimlich schwer, wenn Aldi geht. Für ältere und behinderte Menschen ist das eine Katastrophe.“ Man habe vor Jahren ein Grundstück an einen direkten Konkurrenten verkaufen wollen. „Aber dann kam eine große Breitseite aus dem Schweizer Viertel und es gab keine ­Genehmigung mehr.“ Interessierte Nah­versorger, die ein Grundstück oder eine Immobilie in Tenever suchen, könnten sich aber jederzeit an ihn wenden. Ob und wann ein anderer Nahversorger die entstehende Lücke schließt, steht also noch in den Sternen.


Bisher 0 Kommentare Eigenen Kommentar schreiben »

Wohnungen und Häuser mieten, vermieten, kaufen und verkaufen.
Hier finden Sie die Immobilien-Angebote aus Bremen und der Region.

So wohnt Bremen

In einer Serie beschäftigt sich der WESER-KURIER mit den Fragen: Wie wohnt Bremen? In welchen Stadtteilen und wo ist Bewegung im Wohnungsmarkt? Mehr zu dem Thema lesen Sie in unserem Dossier.

Bremer Mittagessen im Test

Schwachhausen? Viertel? Oder doch lieber Bremen-Nord? Wir haben den Mittagstisch in Bremer Restaurants getestet.

Der WESER-KURIER bei Twitter
Leserkommentare
Pikaya am 18.08.2017 10:08
Die besten und günstigsten Weihnachtsbäume werden am 24.12 Vormittag gekauft.
suziwolf am 18.08.2017 09:59
Waren Sie auch 'mal in finnischen Gewässern ;-) ?

Die Deutschen sind (auch) in Suomi ,hoch angesehen' ob ihrer
Tugenden und ob mit ...
Sporttabellen & Ergebnisse

Welcher Verein wann in Bremen oder der Region spielt und wie die Begegnung ausgegangen ist, erfahren Sie in unserem Tabellenbereich. Auch die Ergebnisse der Spiele der höheren Ligen finden Sie dort.

Sportmeldungen aus Bremen

Seit 2014 lebt der Syrer Farhan Hebbo als Flüchtling in Bremen. In seiner Kolumne für den WESER-KURIER schreibt er über sein neues Leben, neue Bekanntschaften und Erfahrungen in Bremen. 

Aktueller Mittagstisch in Bremen
Traueranzeigen
job4u - Das Ausbildungsportal

job4u ist die regionale Plattform, wenn es um Lehren und Lernen geht. Neben dem WESER-KURIER, der Handelskammer und der Handwerkskammer Bremen machen sich hiesige Firmen für junge Leute stark. 

Sonderthemen aus den Stadtteilen
Ihr Wetter in Bremen
Temperatur: 21 °C / 12 °C
Vormittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/Regen.png
Nachmittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/Regen.png
  Regenwahrscheinlichkeit: 90 %
Das Wetter wird präsentiert von
Anzeige