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Flugzeugabsturz in Bremer Neustadt
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Spezialisten legen Zwischenbericht vor

25.11.2014
Sportflugzeug stürzt in Bremen ab
Ein Wrackteil der Saab 91B Safir. (dpa)

Wochenlang haben Spezialisten den Absturz der Saab 91B Safir auf ein Autohaus in der Neustadt untersucht. Jetzt liegt ihr Zwischenbericht vor. Was genau zu dem Unglück im August geführt hat, bei dem Pilot Matthias Schultz und sein einziger Passagier starben, können die Experten zwar derzeit nicht mit letzter Gewissheit sagen. Anderes aber schon: Zum Beispiel, dass Schultz keine Zeit mehr blieb, die Absturzstelle bewusst auszuwählen, wie die Flugsicherung spekuliert hatte.

Was war an Bord der Saab 91B Safir geschehen? Welche Probleme gab es vor ihrem Absturz auf ein Autohaus in der Neustadt im August und warum? Jens Eisenreich sucht nach Antworten. Und nach letzter Gewissheit. Der Spezialist der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung ließ die Unglücksstelle von Kollegen sondieren, die Lage der Wrackteile vermessen und den Motor des Kleinflugzeugs in die Zentrale nach Braunschweig transportieren, wo er auseinandergenommen wurde. Er sprach mit mehr als einem Dutzend Zeugen, hörte sich jedes der aufgezeichneten Telefonate an, die nach dem Absturz der einmotorigen Maschine im Tower geführt wurden, jedes Wort, das der Lotse mit dem Piloten gewechselt hat, bevor Schultz und sein einziger Passagier, ein italienischer Fotograf, beim Aufprall starben. Mehrere Wochen arbeitete Eisenreich mit vier Kollegen an der Rekonstruktion des Unglücks. Jetzt liegt sein Zwischenbericht vor.

Fotostrecke: Bilder vom Flugzeugabsturz in der Bremer Neustadt

Absturzursache bleibt unklar - Simulationen sollen Aufschluss geben

Auf zehn Seiten hat der Spezialist zusammengetragen, was sich bisher herausfinden ließ. Dass zum Beispiel Matthias Schultz mit 13 169 Flugstunden nach Eisenreichs Worten ein ausgesprochen erfahrener Pilot gewesen war. Dass die Luftfahrtbehörde bei einer Kontrolle zwar Mängel an der Maschine festgestellt hatte, die aber so gering waren, dass sie dem Experten zufolge keine Auswirkungen auf den Flugbetrieb hatten und folglich keine Rolle bei der Untersuchung gespielt haben. Und dass die Wetterbedingungen für einen Rundflug am 1. August ideal waren: 26 Grad Celsius, klare Sicht auf zehn Kilometer, keine Wolken unter 5000 Fuß über Grund.

Fotostrecke: Die Unfallstelle am Tag danach

Das alles kann Eisenreich mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, nur nicht, warum die Maschine knapp eine Minute nach dem Start dennoch abgestürzt ist. Und weil es die letzte Gewissheit bei dieser Frage bislang nicht gibt, schließt Eisenreich nichts aus: weder einen technischen Defekt noch eine Situation, die den Piloten überfordert haben könnte. „Wir sind dabei, sämtliche Möglichkeiten zu simulieren.“ Es gebe verschiedene Szenarien, die sein Team jetzt durchspiele. Welche das sind, lässt Eisenreich offen – „damit es keine Spekulationen gibt“, wie er sagt.

Maschine brannte nicht in der Luft

Was er ausschließt, ist die Annahme, dass Pilot Matthias Schultz die Absturzstelle bewusst gewählt haben könnte, um keine weiteren Menschenleben zu gefährden. Das hatte die Deutsche Flugsicherung in Betracht gezogen. Eisenreich hält das deshalb für unmöglich, weil bei einem Sturzflug wie im Fall der Saab 91B Safir keine Zeit bleibe, nach einem unbewohnten Gebiet oder menschenleeren Gelände Ausschau zu halten. „Die Maschine ist aus rund 40 Metern Höhe abgestürzt. Bis zum Aufprall vergehen etwa zwei Sekunden.“ In dieser kurzen Zeit sei ein planvolles Handeln undenkbar.

Ausschließen kann Eisenreich auch, dass die Maschine bereits in der Luft Feuer gefangen haben soll, wie es Passanten berichtet hatten. Der Braunschweiger Experte stützt sich auf spezielle Untersuchungen der Wrackteile. Demnach sei die Maschine erst beim Aufprall in Brand geraten. Pilot Matthias Schultz und sein Passagier waren laut Eisenreichs Zwischenbericht sofort tot.

Wann es den endgültigen Bericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung gibt, darüber kann der Spezialist nur spekulieren. „Unser Ziel ist es, jeden Fall innerhalb eines Jahres abzuschließen.“ Ob das gelingt, hänge davon ab, wie viele neue Abstürze der Bundesstelle in Braunschweig gemeldet würden. Von dort brechen die Experten nicht nur zu Einsätzen im Inland, sondern auch ins Ausland auf – immer dann, wenn es zu einem schweren Unfall eines deutschen Flugzeugs gekommen ist. Allein für den Monat August registriert die Bundesstelle 26 Einsätze.

Dass in einem Jahr mit hundertprozentiger Sicherheit gesagt werden kann, warum die Saab 91B Safir abgestürzt ist, bleibt ungewiss. Eisenreich: „Es kann durchaus sein, dass im Abschlussbericht letztlich nur eine Vermutung angestellt wird, was die Ursache für das Unglück war.“ Manchmal könnten die Spezialisten eben nur zu der einen oder anderen Möglichkeit tendieren. Auch das sei mitunter ein Ergebnis langwieriger Spurensuche: „Dass es die letzte Gewissheit nicht gibt.“


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djhg am 18.08.2017 07:27
@Werderland: Ich denke eher, dass Nouri und Baumann auch ihren Aussagen aus der letzten Saison gelernt haben und es deshalb eher intern ...
abrakadabra am 18.08.2017 07:26
Der Betrag ist ja wohl lächerlich ... Warum gibts da nicht wenigstens einen Punkt in Flensburg? Für Taxifahrer als angebliche Profis darf es auch ...
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