
Die Stadtmusikanten sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Zumindest, wenn man dem Plakat zur diesjährigen Breminale glaubt. Das zieren Wal, Fisch, Frosch und Seepferdchen, hübsch übereinander getürmt wie die üblichen Musikanten – und offenbar zu allerhand künstlerischen Schandtaten bereit. Entworfen hat das Plakat die Agentur Giraffentoast, die das Festival seit Jahren mit obskuren Hingucker-Variationen versorgt.
Gestrandet ist das maritime Quartett auf den Weserwiesen, wo die Breminale vom 11. bis 15. Juli stattfindet. Auskunft über Konzept und Programm gaben am Dienstag die künstlerische Leiterin Susanne von Essen und Projektleiter Max Maurer. Folgt man ihnen, wird die Breminale größer und schöner. "Größer" bezieht sich darauf, dass die Breminale nun eine Fläche vom Fähranleger bis zur Tiefer abdeckt, insgesamt mehr Auftrittsmöglichkeiten zur Verfügung stehen und weit mehr als 100 Künstlergruppen (Susanne von Essen kommt auf fast 200) beim Kulturfestival auftreten werden. "Schöner" meint, dass die Breminale nun ein Wiesen-Konzept verfolgt. Was bajuwarisch anmuten mag, ist anders gemeint. Es gibt nun die blaue, die kreative, die sanfte und die närrische Wiese. Auf der blauen Wiese wird die Blaue Karawane Station machen, die auch mit Katamaran samt blauer Kamel-Statue anreisen wird.
Meiden von Gedränge
Zum Programm gehören dabei das Theatre du Pain, aber auch das Bremer Ukulelenorchester. Zudem wird hier die Flutbühne vom Lagerhaus aufgeschlagen, die auf aktuelle Rockmusik der energetischen Sorte wie Der Fall Böse oder die Reunion von Saprize setzt, aber auch die ruhigere Songs & Whispers-Reihe ausführlich würdigt.
Auf der kreativen Wiese wird das Zelt mit dem dezent umständlichen Namen swb-Bühne im Bremen Vier-Zelt stehen, in dem Bands des Live-in-Bremen-Wettbewerbs auftreten, aber auch angesagte Künstler wie 4Lyn, Flo Mega und De Phazz spielen. Die Bühne soll nun parallel zum Osterdeich stehen, und auch zum Deich hin geöffnet werden, so dass das Gedränge auf dem Asphaltweg an der Weser vermieden wird. Ebenfalls auf der kreativen Wiese schlägt die Kneipe Wohnzimmer ihr Zelt auf, in dem die Musik strikt akustisch sein wird.
Auf der sanften Wiese wird es nur teilweise sanft zugehen. Dort steht die Weltbühne, dort rocken der Beat-Club und die Gitarristin Hedvig Mollestad, aber es sind auch Songwriter zu erleben – vom in Bremen lebenden Iren Paul Lindsay bis zur Amerikanerin Stephanie Nilles und der Orient-Dub-Formation BaBa ZuLa aus Istanbul. Neu ist der Tanzboden auf dieser sanften Wiese, auf dem Profitänzer, begleitet von Tanzkapellen (von Tango über Latin bis zu Irish Folk), das Publikum zum Mittanzen animieren wollen. Daran schließt das Ökodorf an, das um einiges angewachsen ist und dem Breminale-Versprechen "fair und nachhaltig" Folge leistet.
Im Hofnarr-Zelt
Auf der närrischen Wiese schließlich befinden sich drei Bühnen: Hofnarr, Juke Yurt und die MS Treue, die wieder zur Tiefer geschleppt wird. Das Betonschiff veranstaltet in diesem Jahr seine Konzerte auf Deck mit zumeist deutschen Bands, aber auch einer russischen. In der Juke Yurt zeigt am ersten Tag das Figurentheater Mensch Puppe Stück für Erwachsene, nachfolgend findet hier das One-Man-Band-Festival statt. Das Hofnarr-Zelt startet mit Me and my Drummer – übrigens ein Geheimtipp des Macher-Duos – bevor Radikal-Clown Leo Bassi seinem Publikum auf den Leib rückt und die Elektronik-Band Pentatones rockt.
Wiederum erhebt die Breminale keinen Eintrittspreis, freut sich aber am "Bitte-recht-freundlich-Zaun" über Spenden, die in Form von Rubbellosen angeboten werden, zu denen es auch Gewinne gibt. Geld bezahlt werden muss nur für das Deichbankett am Sonntag um 12 Uhr, für das der Osterdeich – wie voriges Jahr – zwischen Theatergarage und Tiefer gesperrt wird. Allerdings gibt es für den Obolus auch ein Essen – ökologisch und fair, versteht sich.
Weil die Breminale mit technologischen Neuerungen Schritt halten will, steht auf der kreativen Wiese eine Bloghütte, die eine Blockhütte ist, aber Bloggern vorbehalten ist, nicht etwa Holzfällern. Neu ist auch, dass eine Breminale-App vorhanden ist (für Android und i-phone), mit der sich jeder sein eigenes Programm zusammenstellen kann, und die sogar über ein GPS-Signal verfügt. Da kann ja nichts schiefgehen! Allenfalls das Wetter, von dem Susanne von Essen und Max Maurer bedauern, dass sie es nicht machen können.





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