
Selbst als es ihr in den vergangenen Monaten gesundheitlich nicht mehr gut ging, war sie allgegenwärtig. Ob in der von ihr maßgeblich initiierten Interessengemeinschaft Bremer Galerien, ob als Sprecherin des Kulturrats, ob in der Fachdeputation – es gab kaum eine öffentliche Debatte zur Kulturpolitik, in der sich Seinsoth nicht zu Wort meldete. Ihr Rat war gesucht, ihr Einsatz gefragt. Sie kannte und sie verstand die Kulturszene ihrer Stadt bis ins Detail. Bei allem öffentlichen Engagement betrieb sie "nebenbei" mit ihrem Mann seit 1980 die Galerie und das Antiquariat Beim Steinernen Kreuz – eine weithin anerkannte Institution. Dort in der Galerie konnte sie ihr offenes Kunstverständnis leben, Künstler präsentieren, die ihr wichtig waren, aber noch keinen Namen hatten und die sie konsequent mit Ausstellungen förderte.
Darunter Norbert Schwontkowski, Thomas Hartmann, Uwe Kirsch, Hartmut Neumann, Bogdan Hoffmann, Bernadette Lahmer, Rolf Julius – viele von ihnen hatten erste Einzelausstellungen bei Brigitte Seinsoth und blieben der Galerie auch treu, als sie überregional gefragt waren. Zudem gelang es der Galeristin wiederholt, international profilierte Künstler wie Richard Hamilton, Terry Fox, Ben Vautier oder Fluxus-Pionier Emmett Williams ins Ostertor zu holen. So wurde die Galerie Beim Steinernen Kreuz für Sammler eine feste Größe, weil dort konsequent herausragende Kunst jenseits des Mainstreams präsentiert wurde.
Brigitte Seinsoth hatte dieses sichere Gespür für Qualität, das gute Galeristen auszeichnet. Und deshalb war sie auch persönlich Tag für Tag, Stunde um Stunde beim jüngsten Kunstfrühling 2011 im Güterbahnhof präsent, weil sie dort Talente witterte. Sie wird nicht nur dort fehlen.





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