
Bremen. Die Kulturmanagerin Nadine Portillo wird zum 1. Juli neue Geschäftsführerin der Schwankhalle. "Gemeinsam mit ihr wollen wir die Schwankhalle in den nächsten zwölf Monaten neu positionieren", sagte Anja Wedig, künstlerische Leiterin der Einrichtung, gestern. Das heiße aber nicht, dass Portillo auf der Bühne zu steppen anfangen werde. Portillo sei nicht nur Theatermacherin und auch nicht nur "Zahlenfrau", beschrieb Wedig die neue Chefin, die zugleich auch Vorstandsvorsitzende von Neugier e. V. ist, dem Trägerverein des Kunst- und Künstlerhauses am Buntentorsteinweg.
Wedig möchte die Schwankhalle "als Waffe scharfmachen". "Geladen haben wir", sagte sie im Gespräch, "jetzt wird entsichert." Die künstlerische Leiterin sieht es als Aufgabe der Kunst und damit auch der Schwankhalle, "den Finger in die Wunde zu legen". Die wichtigste Frage sei: Wie kann gesellschaftlicher Wandel möglich gemacht werden? "Wir wollen gesellschaftliche Themen aber auch auf die eigene Organisation anwenden", sagte Nadine Portillo. Ein Beispiel dafür sei das Thema "Bio", ein anderes der Mindestlohn. Bremen sei ein gutes Pflaster dafür, ergänzte Wedig, "hier findet man Partner". Zudem sei Bremen die Hauptstadt des fairen Handels. Sie wies auch auf den anstehenden "Generationenwechsel" bei Partnern in der Verwaltung hin – durch neues Personal entstünden neue Impulse, es gebe nicht mehr "nur Trommelkurse".
Eigenes Profil schärfen
Als "total positiv" bewertete Portillo die Annäherung Michael Börgerdings an die Schwankhalle. Der neue Intendant des Bremer Theaters will künftig auch mit der freien Szene kooperieren. Portillo: "Je dichter das Stadttheater an uns heranrückt, desto mehr müssen wir unser eigenes Profil schärfen." Für die neue Spielzeit sind mehrere Eigenproduktionen geplant. Die erste Premiere wird am 12. September stattfinden. Kristina Brons führt Regie in dem Stück "Krieg. Stell dir vor, er wäre hier". In Janne Tellers Stück geht es um die Frage, wie es wäre, als deutscher Flüchtling in der arabischen Welt gestrandet zu sein. Die gebürtige Dänin Brons, die an der Essener Folkwang-Hochschule Schauspiel studiert hat, wird zudem in einer anderen Produktion auch auf der Bühne zu sehen sein. Wedig: "Wir freuen uns, dass wir sie als Artist in Residence gewinnen konnten."
Als zweite Premiere kündigte Wedig ein Kinderstück an: "Ente, Tod und Tulpe" wird ab dem 4. November in der Schwankhalle gezeigt. Martin Leßmann spielt darin den Tod als "leichtfüßigen Begleiter", der sich in leisen, poetischen Szenen mit einer Ente anfreundet. Regie führt die Berlinerin Judith Lorentz, die normalerweise als Hörbuchregisseurin arbeitet und mit dieser Produktion "einen Ausflug ans Theater" macht.
Die dritte Eigenproduktion, deren Titel noch ungewiss ist, soll Ende November Premiere feiern. Auf Inhalte wollte sich Wedig noch nicht festlegen, es gehe "um alles". Fest steht, dass Christina Brons in dem Stück spielen wird.
Mit dem Festival "HörZu 2013 – 365 Tage spitze Ohren!" wollen die Verantwortlichen der Schwankhalle Bremen zur "Hörstadt" machen. Als Kulturnetzwerk und Kunstproduzent möchten sie im kommenden Jahr ein breit angelegtes Projekt zum Thema "Bremen – wie klingt diese Stadt?" auf die Beine stellen. Denn es gehe im öffentlichen Raum "ganz viel ums Sehen und Erleben und wenig ums Hören und Erleben", erläuterte Wedig. Geplant ist zum Beispiel eine Smartphone-Anwendung (App) für Touristen, auf der die "Hörenswürdigkeiten" der Stadt vorgestellt werden sollen. Die künstlerische Leiterin möchte auch, "dass die Warteschleifen in der Verwaltung designt werden" und dass Ruheinseln im öffentlichen Raum geschaffen werden, auf denen Stille konsumiert werden kann. Im Oktober wird es ein kleines Symposium zum Festival geben, um "einen Gründungsmythos zu schaffen".




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