
"Raum für Zweckfreiheit" steht an der Tür des Künstlerateliers von Patricia Lambertus. Sie arbeitet hauptsächlich mit dem Werkstoff Tapete - auf großen und kleinen Formaten.
Freiräume dank Förderung
An diesem Produktionsort von Bremer Kunst herrschen ganz eigene Regeln. Nur fünf Jahre dürfen die Künstler die Ateliers nutzen. „Bei guter Führung gibt es eine Verlängerung um zwei Jahre“, erklärt Norbert Bauer lachend. Der Maler hat seine sieben Jahre fast komplett ausgenutzt und hat schon einige Kartons gepackt für seinen bevorstehenden Auszug. „Wir legen Wert darauf, dass eine unabhängige Jury aus Fachleuten des Museums Weserburg und der Gesellschaft für aktuelle Kunst die Bewerber auswählen, die hier einziehen“, sagt Piplak. Schließlich werde der Aufenthalt von der Stadt Bremen gefördert, daher sei es wichtig, dass die Arbeit der Künstler eine gewisse Qualität aufweise.

Im Gegenzug sind die Mieten für die freien Künstler günstig, und das Büro des Künstlerhauses übernimmt reichlich Papierkram. Das soll Freiraum für die Realisierung von Konzeptarbeiten schaffen, sowie den Austausch über Disziplinen hinweg fördern. „Solche Bedingungen sind wirklich paradiesisch, das findet man auf dem freien Markt einfach nicht“, schwärmt die Malerin Marina Schulze. Sie genießt die Fachdiskussionen mit anderen Künstlern wie Norbert Bauer und Patricia Lambertus im Haus.
Von Klangperformance bis Videokunst
Insgesamt sind es 22 Kreative, die sich 15 Ateliers teilen. Ihre Arbeiten reichen von Klangperformance über Zeichnungen bis hin zu Videokunst. Daneben gibt es auch ein Restaurant sowie Werkstätten, deren Mieter ohne Förderung auskommen müssen und in denen unter anderem ein Tonstudio und eine Tischlerei beheimatet sind. Alle Nutzer gemeinsam bilden den Betreiberverein des Hauses, in dessen Vorstand sich viele der langjährigen Mieter bereits engagiert haben.
„Im Prinzip spiegelt die Besetzung der Ateliers die aktuelle Entwicklung in der Kunstszene wider“, erklärt Bauer. Die internationale Renaissance der Malerei ab dem Jahr 2000 hätte ihren Niederschlag in dem Einzug mehrerer Maler gefunden. Und mittlerweile sei im Haus auch kein Künstler mehr zu finden, der sich lediglich auf ein Medium beschränke. „Dieses Phänomen hat mit Sicherheit damit zu tun, dass viele unserer Bewohner die aktuellen Trends aus der Bremer Hochschule für Künste zu uns mitbringen“, sagt Piplak. Wobei durchaus auch ältere Künstler die Möglichkeit hätten, von der Jury ausgewählt zu werden.
Unabhängige Galerie als Tor zur Welt
Ein einziges Atelier hat häufiger wechselnde Bewohner. Es ist für Gäste reserviert, die für ein Jahr von außerhalb kommen und von den Künstlern aus dem Haus ausgewählt werden. Manchmal ziehen dort auch diejenigen für ein paar Wochen ein, die in der angegliederten Galerie ihre aktuelle Ausstellung vorbereiten.
Meist sind das Künstler aus dem Ausland, die bereits erste Erfolge auf internationalem Parkett erzielt haben, in Deutschland bislang jedoch noch weitgehend unbekannt sind. Zumindest ist das das Konzept von Stefanie Böttcher, der künstlerischen Leiterin des Hauses, die zudem auch Gelder für die Ausstellungen einwirbt. „Damit bieten wir einen großen Anreiz für Bremer und Menschen aus der ganzen Welt, einmal bei uns vorbeizuschauen“, sagt Böttcher. Die Galerie sei so eine Art Tor zur Welt für das Haus.
Offene Ateliers bei „Hausbesuchen“
Jeder kann kostenlos die Galerie besuchen und auf 150 Quadratmeter Ausstellungsfläche internationale aktuelle Kunst betrachten. Verkauft wird jedoch nichts.

Die hauseigenen Künstler sind nicht in der Galerie zu sehen, dafür aber in zahlreichen anderen Bremer Galerien und weiteren Ausstellungsorten in Deutschland sowie dem Ausland. „Für uns ist es aber ein riesiger Vorteil, dass wir uns hier über die Galerie mit Kunst auseinandersetzen können, die woanders passiert“, meint Bauer. Langjährige Freundschaften über Ländergrenzen hinweg entstehen daraus nicht selten, weiß Piplak.
Die Galerie fördert zusätzlich den Austausch zwischen kunstinteressierter Öffentlichkeit und Künstlern, indem sie zweimal im Jahr „Hausbesuche“ organisiert, die neben einem Ausstellungsbesuch auch einen Blick in die Künstlerateliers beinhalten. Anlässlich der Feier zum 20-jährigen Bestehen werden zudem Mitte September die Künstlerateliers an zwei Wochenenden offen stehen und Führungen durch die Bremer Galerien stattfinden, in denen die Bewohner ihre Arbeiten zeigen.
Den Auftakt zu den Jubiläumsveranstaltungen bildet ab dem 14. September eine Ausstellung der hauseigenen Galerie, die Werke von dem international erfolgreichen Künstlergespann Andree Korpys und Markus Löffler zeigt. Beide stammen aus Bremen – und waren einst ebenfalls Bewohner des Künstlerhauses.
Künstlerhaus Bremen, Am Deich 68/69, Telefon 508598, Öffnungszeiten Galerie: mittwochs bis sonntags 14 bis 19 Uhr, der Eintritt ist frei. Nähere Infos unter www.kuenstlerhausbremen.de.








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