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Unesco-Welterbetag Ein Kulturerbe-Siegel für den Dom

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Landesdenkmalpfleger Georg Scalecki hält den Bremer Dom des europäischen Kulturerbesiegels für würdig.
Landesdenkmalpfleger Georg Scalecki hält den Bremer Dom des europäischen Kulturerbesiegels für würdig.

Bereits zum achten Mal feiern die Welterbestätten in Deutschland heute den Unesco-Welterbetag. Mit dieser Initiative sollen die bedeutenden Stätten vor allem den Menschen am Ort nähergebracht werden. Bremen ist seit 2004 mit dem Rathaus und dem Roland auf der Unesco-Liste vertreten.

Ursprünglich sollte das gesamte Marktplatz-Ensemble mit Rathaus, Schütting, Bürgerschaft, Roland und Dom für das Welterbe angemeldet werden. Externe Berater hätten dem damaligen Vorschlag aber wenig Chancen ausgerechnet, deshalb sind letztendlich nur Rathaus und Rolandsfigur erfolgreich ins Rennen geschickt worden. "Und das war die richtige Entscheidung", sagt der Landesdenkmalpfleger Georg Scalecki heute. Der Dom alleine würde ohnehin nicht die Voraussetzungen der Unesco erfüllen. Er sei weltweit zu unbedeutend. Auf europäischer Ebene spiele der Bremer Dom aber durchaus eine wichtige Rolle, so Scalecki. Und eine entsprechende Würdigung könnte der Kirchenbau in den kommenden Jahren tatsächlich erfahren.

Denn das Europäische Parlament beschloss im November vergangenen Jahres die Einführung eines Europäischen Kulturerbe-Siegels. Es stellt sich die Frage nach der Notwendigkeit einer solchen weiteren Auszeichnung von Kulturgütern. Georg Scalecki findet die europäische Variante durchaus gerechtfertigt, weil der Ansatz ein anderer sei, als jener der Unesco. Die EU definiert die Ziele des neuen Labels folgendermaßen: "Das Siegel wird an Stätten, die Europas Geschichte, europäische Werte und den Prozess der europäischen Integration symbolisieren, vergeben." Somit gehe es bei dem Europäischen Kulturerbe-Siegel nicht um die architektonische Schönheit eines Gebäudes, sondern um die symbolische Bedeutung für Europa und die Europäische Union, erklärt Georg Scalecki. Stätten, die bereits in der Unesco-Liste vertreten sind, sollen nicht mehr mit dem europäischen Siegel ausgezeichnet werden. Es sei deshalb keine Doppelung, sondern eine Ergänzung zu den bereits bestehenden Initiativen.

Für die Hansestadt brachte der Landeskonservator den Bremer Dom ins Gespräch. "Er war das Zentrum der Missionierung des europäischen Nordens". sagt Scalecki. Von hier aus sei der gesamte Norden Europas erschlossen, missioniert und schriftlich beschrieben worden. Nicht umsonst sei der Bremer Dom als "Rom des Nordens" bezeichnet worden. Bis das Siegel tatsächlich am Dom angebracht werden kann, wird es aber noch einige Jahre dauern. Denn in der ersten Auswahlrunde wird der Dom nicht als Kandidat an den Start gehen. "Aber ich werde mich dafür einsetzen, dass er in den nächsten Runden mit dabei ist", sagt Scalecki.

Die Regelung sieht vor, dass jeder Mitgliedsstaat der EU alle zwei Jahre jeweils zwei Stätten für das Siegel vorschlagen kann. Maximal einer davon wird dann von der Jury auf EU-Ebene ausgewählt, erklärt der Leiter der Kulturabteilung, Martin Roeder. Er sitzt im Kulturausschuss der Kultusministerkonferenz und kennt das Auswahlverfahren für das Europäische Kulturerbe-Siegel. Die Kultusministerkonferenz und das Auswärtige Amt entscheiden für Deutschland, welche nationalen Stätten vorgeschlagen werden. Wichtig seien die ausgezeichneten Orte besonders für den Tourismus. Roeder: "Die Idee ist, die Stätten in einem gemeinsamen Netzwerk bekannt zu machen und zu vermarkten." In einem zwischenstaatlichen Verfahren seien bereits mehr als 60 Siegel verliehen worden, sagt er. "Das war aber erst eine Art Testlauf." 21 Mitgliedsstaaten hätten sich freiwillig daran beteiligt, darunter auch Deutschland. Im Januar 2011 wurde den "Stätten der Reformation" und des "Eisernen Vorhangs" das europäische Siegel zuerkannt. Zu den Stätten der Reformation zählen deutschlandweit 19 Orte, Niedersachsen ist mit der "Großen Kirche" in Emden dabei. Zum Netzwerk "Eiserner Vorhang" gehören insgesamt acht Stätten und Museen, die die einstige Trennung Deutschlands thematisieren. "Diese aktuellen Kulturerbestätten werden wir auch für das erste richtige Auswahlverfahren wieder vorschlagen", sagt Martin Roeder.

Das findet allerdings erst in zwei Jahren statt, da im nächsten Jahr zunächst jene Mitgliedsstaaten mit Siegeln ausgezeichnet werden, die sich nicht am Testlauf beteiligt haben, erklärt er das komplizierte Verfahren. Würden die beiden deutschen Stätten die Auswahl nicht bestehen, müssten sie die bereits verliehenen Siegel wieder abgeben. "Doch davon gehen wir nicht aus", ist sich Roeder sicher. Neben den beiden bekannten Stätten darf Deutschland noch zwei weitere Vorschläge machen. Welche das sein werden, wollte er noch nicht sagen, der Bremer Dom sei aber definitiv nicht dabei. Und damit hat der Dom St. Petri frühestens 2015 eine Chance, das Europäische Siegel zu bekommen.



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