
Was fällt einem beim Stichwort Spanien und Jazz ein? Natürlich die Fusion von Jazz mit Flamenco, wie es Paco de Lucia vorgemacht hat. Und so beschäftigten sich auch zwei der vier Bands mit Flamenco-Jazz. Gleich zu Beginn das Quartett Alborada, das sich auf sehr sanfte Weise mit den unterschiedlichen Tanzformen des Flamenco auseinandersetzte. Streng genommen ist Alborada nur zur Hälfte eine spanische Band: Der Kopf, Schlagzeuger Guillermo McGill kommt aus Uruguay, Saxofonist Julian Argüelles ist Brite, der einst beim Kreativhaufen Loose Tubes spielte. Bei Alborada wird der Flamenco sehr sensibel durch Jazz aufgebrochen, immer wieder drängt auch die Gitarre nach vorne. Ganz anders beim Trio Benvant-Di Geraldo-Pardo, das druckvoll und lautstark (mit einer viel zu schrillen und lauten Querflöte) den Flamenco rocken ließ – und das ganz ohne Gitarre!
Eine ganz andere Form von Jazz bearbeitet das Filthy Habits Ensemble aus Barcelona. Eigentlich ein Oktett, war der bläserlastigen Formation der Gitarrist abhanden gekommen, aber auch zu siebt präsentierte die Band eine kreative und furiose Auseinandersetzung mit Stücken von Frank Zappa, die sie risikobereit mit wildem Free-Jazz würzten. Ein feines Set.
Die eigentliche Überraschung dieses langen Abends war indes das Quartett des Saxofonisten José Luis Gutierrez, der außerdem an entscheidenden Punkten im Verein mit dem Schlagzeuger und Perkussionisten Tommy Caggiani ein ganzes Arsenal kurioser Perkussionsinstrumente vorführte. Als "Iberjazz" wird seine Spielweise bezeichnet, und in der Tat nutzt er folkloristische Elemente, um sie in Jazz zu übersetzen, sie auch belustigt mit Tontrauben zu zersetzen. Mit seiner mal manierierten, mal extrovertierten Bühnenpräsenz machte Gutierrez überdies eine sehr gute Figur.





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