
Lehrer mögen ihren Beruf - für attraktiv halten viele ihn aber nicht. Zu diesem Ergebnis ist eine repräsentative Studie des Allensbach-Institutes gekommen, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Demnach haben 71 Prozent der befragten Pädagogen in Deutschland Freude an ihrer Arbeit - allerdings übt sie nur für jeden zweiten einen Reiz aus. Die Erklärung für diesen scheinbaren Widerspruch: 38 Prozent der Befragten spüren beim Lehren meist Überforderung und Belastung.
"Unterrichten ist schwieriger geworden", sagt Allensbach-Geschäftsführerin Renate Köcher. 42 Prozent der Lehrer würden das auf ihre Schüler zurückführen und Respektlosigkeit, Regelmissachtung und fehlende Motivation feststellen. Ein Problem ist laut Köcher auch, dass Lehrer immer häufiger Erziehungsaufgaben der Eltern übernehmen müssten. "Es gibt Lehrer, die sagen: Manche Klassen bekommt man nicht mehr in den Griff", sagt Köcher.
Laut Studie klagen Lehrer auch über zu große Schulklassen und zu viel Unterrichtsausfall. Heinz-Peter Meidinger, Vorsitzender des Deutschen Philologenverbands rechnet vor: Acht Prozent aller Unterrichtsstunden würden ausfallen oder "nicht gemäß des Lehrplanes" gehalten. Hochgerechnet auf eine Schülerlaufbahn würde damit fast ein Jahr Unterricht verlorengehen.
In der Kritik steht auch die Berufsausbildung. So gab jeder zweite Lehrer an, dass ihn das Studium nur unzureichend auf den Alltag an deutschen Schulen vorbereitet habe. Ein Fünftel der Befragten habe bereits einen "Praxis-Schock" erlebt.
Gemischte Reaktionen in Bremen und Niedersachsen
In Bremen und Niedersachsen waren die Reaktionen auf die Studie gemischt. Die Klassen seien nicht zu groß, hieß es aus dem Bremer Bildungsressort: In den Oberschulen seien im Schnitt 25, in Gymnasien 30 und in Grundschulen 24 Schüler in einer Klasse. Außerdem werde bei der Klassenzusammensetzung die soziale Lage berücksichtigt.
Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) erklärte, man setze verstärkt auf sozialpädagogische Unterstützung. Außerdem wolle man bis 2020 ganztägige Angebote zur Regel machen.
Schwierige Schüler seien in Bremen durchaus auch ein Thema, bestätigte Petra Lichtenberg, Vorsitzende des Personalrats Schulen. "Lehrer haben verstärkt mit Verhaltensproblemen der Schüler zu kämpfen." Zwar sei kein Lehrpersonal in Bremen abgebaut worden, die Anforderungen seien aber gestiegen - und das sorge für hohe Belastung. Auch mit zu großen Klassen muss Bremen laut Lichtenberg fertig werden: "Der Spagat, Kinder mit und ohne Lernschwächen gleichermaßen zu fördern, muss bewältigt werden - oft sind aber zu viele in der Lerngruppe".






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