
Innensenator Ulrich Mäurer überraschte die Medienvertreter mit einem Eingeständnis. "Ich selbst habe zu Beginn viel Zeit gebraucht, um die hoch komplexe Einsatzsteuerung der Polizei zu verstehen", sagte er. So sei er früher ebenso wie viele Bremerinnen und Bremer davon ausgegangen, dass bei einem telefonischen Hilferuf die Polizisten aus dem örtlichen Revier zum Tatort eilten. Dies sei aber falsch. Denn: Die zentrale Polizeileistung gehe schon heute von sieben über das Stadtgebiet verteilten Großrevieren aus.
Es ging am Dienstag einmal mehr um das Thema Revierschließungen. Gleich zu Beginn der Pressekonferenz gab Mäurer die Losung aus, dass alle 18 Revierstandorte bestehen bleiben. Bei drei Revieren, nämlich Oslebshausen, Woltmershausen und Findorff, müssen allerdings bis zum Herbst die Umzugskisten gepackt werden – vorausgesetzt die betroffenen Beiräte stimmen zu. Zurück blieben zwölf statt bislang neun Kontaktbeamte in den drei Revieren.
Konnten Bürger bislang acht Stunden am Tag Anzeigen erstatten, ist dies künftig an diesen drei Standorten nur noch zwei Stunden täglich möglich. Eine Einschränkung, die niemandem weh tue, ist Polizeipräsident Lutz Müller überzeugt. Denn: Eine Erhebung habe gezeigt, dass es gleich eine Reihe von Revieren in Bremen gebe, an denen täglich durchschnittlich nicht mehr als ein bis drei Anzeigen von Bürgern aufgegeben würden.
Anders als früher erstatteten Bürger in 80 Prozent der Fälle gleich bei den Einsatzbeamten vor Ort Anzeige. Zu den Revieren begäben sie sich nur noch in 20 Prozent der Fälle. Dort aber müsse Personal für den sogenannten Bürgerservice vorgehalten werden, der von den Bremern gar nicht mehr abgefragt werde. Für Findorff, Oslebshausen und Woltmershausen bedeute dies 18 Stellen, wie Polizeipräsident Lutz Müller auf Nachfrage erklärte. Diese Stellen sollen nach den Plänen der Behörde künftig der Bekämpfung von Raubtaten und Wohnungseinbrüchen zugeordnet werden, den zentralen Schwerpunkten in der Kriminalitätsbekämpfung.
"Die leeren Räumlichkeiten an den Revieren sollen jedoch nicht verwaisen", kündigte der Innensenator an. So stehe zur Diskussion, die Regionale Eingreif- und Ermittlungsgruppe "Diebstahl/Raub" zum Herbst am Standort des Reviers Oslebshausen unterzubringen. Organisationseinheiten der Gemeinsamen Ermittlungsgruppe Bremen/Oldenburg könnten zu den Kontaktbeamten ins Revier Woltmershausen ziehen und das bisherige Revier Findorff könnte bald die Leitung der Polizeiinspektion Mitte/West und den Zivilen Einsatzdienst beherbergen. "Wir wollen damit ein Zeichen setzen und personelle Präsenz in den Stadtteilen zeigen", so Mäurer.
Der Senator begründetet die Auswahl der drei Standorte damit, dass diese Reviere bereits seit Längerem über keinen eigenen Wagen mehr verfügten und damit nicht mehr am sogenannten 110-Geschehen, den Notruf-Einsätzen, teilnehmen. Die Hilfe für den Bürger komme bereits von Streifenwagen, die an anderen Revieren stationiert seien und deren Einsatz zentral aus der Vahr gesteuert werde.
Polizeipräsident und Innensenator zeigten sich optimistisch, die Beiräte mit ihren Argumenten von den Plänen überzeugen zu können. Dabei sicherten sie zu, dass weiterhin in spätestens acht Minuten ein Einsatzfahrzeug zum jeweiligen Tatort komme. Als Alternative zu den Umzugsplänen und Umstrukturierungen böte sich laut Mäurer nur an, die Zahl der Kontaktbeamten Bremenweit zu reduzieren. Sie aber gelten vielen Fachleuten als "Erfolgsmodell". Ein andere Möglichkeit sei, die Zahl der Streifenwagen, die permanent im Einsatz sind, zu reduzieren. Beides lehnen Mäurer und Müller ab.





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