
Bremen. „Die Situation in Japan ist derzeit vergleichbar mit der nach einem Atomkrieg“, sagte RebeccaHarms. Sie ist Fraktionsvorsitzende der Grünen im Europaparlament und Anti-Atom-Aktivistin. Mitte Januar war sie in Japan, um sich ein Bild von der tatsächlichen Situation zu machen. Und da hörte sie die Einschätzung vom Atomkrieg. Zuerst sei sie davor zurückgeschreckt, sagte sie. Doch dann habe sie gehört, dass die Menge an radioaktivem Caesium, das durch die Katastrophe im Atomkraftwerk Daiichi nahe der Stadt Fukushima freigesetzt wurde, der Menge von 160 Bomben entspreche, wie sie auf Hiroshima abgeworfen wurden.
Also teilt Harmsinzwischen diese Einschätzung und erklärte sie auch den Bremer Grünen, die sie gestern zu ihrer Landesmitgliederversammlung ins Brillissimo eingeladen hatten. „Fukushima mahnt: Alles muss aus!“ war der Titel der Veranstaltung. Und was Harmsihren Parteifreunden aus Japan berichtete, bestärkte sie dann in der Tat darin, weiter für den konsequenten Ausstieg aus der Atomkraft zu kämpfen, wie es etwa der Landesvorstandssprecher Hermann Kuhn betonte.
Kein rein japanisches Problem
Denn auch RebeccaHarmssieht die Katastrophe von Fukushima nicht als rein japanisches Problem. „Je länger ich mich mit den Abläufen in Japan beschäftigt habe, desto mehr bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass auch jede andere Regierung überfordert gewesen wäre – und dass es ein überzeugendes Krisenmanagement bei einem Super-GAU nicht geben kann“, sagte sie – und berichtete dann doch über speziell japanische Probleme.
Denn lange Zeit habe es in Japan zwar eine große Ablehnung gegen Atomwaffen gegeben, aber nicht gegen die Nutzung von Kernenergie. Das allerdings ändere sich gerade. 70 Prozent der Japaner lehnten die Atomkraft inzwischen ab. „Die öffentliche Meinung ist aber nicht in den Tagen nach der Katastrophe gekippt“, sagte Harms, „sondern in den Wochen und Monaten nach Fukushima – als klar wurde, dass die Regierung und die Atomaufsicht nicht nur im März überfordert waren. Und dass Tepco, der Betreiber des Kraftwerks, nicht nur im März gelogen hat. Bis heute gebe es in Japan eine Strategie der Intransparenz, Desinformation und falscher Beruhigung.“
Es sei ein Trauerspiel, dass die internationale Gemeinschaft noch kein Stück Verantwortung übernommen habe, sagte Harms– und sah dabei auch Deutschland und die Europäische Union in der Pflicht. In den Städten in der Nähe von Daiichi gehe das Leben weiter als sei nichts passiert. Wer es sich leisten könne, ziehe um oder schicke wenigstens seine Kinder weg. Der Rest müsse bleiben.
„Es ist unverantwortlich, dass die japanische Regierung das Land noch nicht für ein besseres Krisenmanagement geöffnet hat“, kritisierte Harms. Daher müsse auch Deutschland mehr Druck auf Japan ausüben. Das Land brauche eine internationale Taskforce von Experten, um die Katastrophe, die gerade erst begonnen habe, in den Griff zu bekommen. Harms: „Mit den Erfahrungen, die wir in Tschernobyl gesammelt haben, könnten wir in Japan heute Leben retten.“
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