
In dem Brief erinnern die Unterzeichner daran, dass die Landesregierung gleiche Bildungschancen als eines ihrer wichtigsten Ziele bezeichnet hat. Doch nun sieht die GEW diese Bildungschancen gefährdet. Die Gewerkschaft fordert 400 zusätzliche Lehrerstellen für Bremer Schulen. Die Senatorin plant mit 100 zusätzlichen Stellen – deutlich weniger als die 170 Stellen, die zunächst im Haushalt vorgesehen waren. Die Lücke soll nach dem Willen der Behörde auch durch zahlreiche Versetzungen von Lehrkräften geschlossen werden.
Die Gewerkschaft kritisiert vor allem die kurzfristige Informationspolitik. "Die Kollegen wurden kurz vor den Ferien ins Chaos gestürzt", sagt Petra Lichtenberg vom Schulpersonalrat. Renate Jürgens-Pieper habe zu spät über die fehlenden Stellen informiert. "Die Senatorin hätte die Planungen früher veröffentlichen müssen – jetzt ist es schwer zu handeln", sagt Harry Eisenach, Sprecher der Bremer GEW. "Wir haben bereits im April mit der Finanzsenatorin gesprochen und gehofft, innerhalb der Ressorts eine Lösung zu finden", entgegnet Karla Götz, Sprecherin der Senatorin.
"Wir brauchen zusätzliche Lehrkräfte, wenn wir die anspruchsvolle Schulreform umsetzen wollen", betont Bernd Winkelmann vom Landesvorstand der GEW. Inklusive Schulen für alle und Ganztagsschulen stellten hohe Anforderungen. "Es sind gerade zehn weitere Ganztagsschulen beschlossen worden, während die bestehenden Schulen nicht ausreichend finanziert sind – das ist verantwortungslos", sagt Lichtenberg. In den kommenden zehn Jahren werde die Hälfte der Lehrkräfte in den Ruhestand gehen. Derzeit seien 46 Prozent der 5700 Lehrer im Land Bremen über 55 Jahre alt. Ausfälle durch Langzeiterkrankungen, vorzeitigen Ruhestand und Abwanderung sind in dieser Prognose nicht enthalten. "Viele sind schon in andere Bundesländer gegangen", sagte Lichtenberg.
Währenddessen protestieren Schüler weiter gegen Unterrichtsausfall und Lehrermangel. Morgen wollen die Jugendlichen wieder demonstrieren. Eine Aktion verlegt das Klassenzimmer auf den Marktplatz: "Wir wollen Tafeln mitbringen und Passanten bitten, uns Unterricht zu geben", sagt Sercan Alkaya, Wortführer der Proteste von der Oberschule Findorff.





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