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Bremer Oberschule wird ausgezeichnet Inklusion als Erfolgsmodell

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Rund 400 Menschen haben am Donnerstag für eine bessere Inklusion in Bremen demonstriert.
Rund 400 Menschen haben am Donnerstag für eine bessere Inklusion in Bremen demonstriert.

Am Anfang der dritten Stunde schlägt Jennifer Egeling eine Art Gong. Dreimal. Dann ist es ruhig in der Klasse 5a der Roland zu Bremen Oberschule (RBO). Dann beginnt der Deutschunterricht. Es ist eine Szene, wie sie sich an vielen Oberschulen in der Unruhe kurz nach der großen Pause abspielt.

Die RBO ist aber nicht wie viele andere Oberschulen. Denn hier ist die in den letzten Wochen wieder vieldiskutierte Inklusion schon weit fortgeschritten. In Bremen sollen ab dem kommenden Schuljahr alle Schüler - mit und ohne Förderbedarf, behindert und nicht behindert, mit Hochbegabung und mit Lernschwierigkeiten - gemeinsam unterrichtet werden. An der RBO passiert das bereits seit zwei Jahren. Schüler, die eine Förderung in den Bereichen Lernen, Sprache oder Verhalten (LSV) benötigen, gehen in eine Klasse mit Schülern ohne einen solchen Förderbedarf. Das Ganze ist so erfolgreich, dass die Schule dafür heute mit einem Preis des Bremer Landesverbandes des Verbands Sozialpädagogik ausgezeichnet wird.

Inzwischen habe die Schule auch oft Gäste aus anderen Bundesländern, erzählt Eckhard Feige, der an der RBO das Zentrum für unterstützende Pädagogik (Zup) leitet. Gäste, die sich ansehen wollen, wie und unter welchen Bedingungen die Inklusion hier funktioniert. Und ein Grund dafür ist wohl auch Feige selbst. Die Tatsache, dass es hier schon länger ein solches Zup gibt, das man sich als eine Art Koordinationsstelle für all das vorstellen muss, was unter den Inklusionsprozess fällt.

Es hängt aber auch mit dem Hintergrund der Schule zusammen. Denn ein LSV-Förderzentrum gab es in Räumlichkeiten der Schule schon seit 2004. Und seitdem gab es auch Integrationsklassen, in denen genau das schon versucht wurde, was nun bald viele Bremer Schulen tun sollen: allen Schülern im Unterricht gerecht zu werden. Feige war Leiter dieser Förderschule, nun gehört er der Schulleitung der Oberschule an und setzt das fort, was er 2004 begonnen hat.

Wenn man dann in eine Klasse wie die 5a schaut, bekommt man einen Eindruck davon, wie die Inklusion hier funktioniert. Jennifer Egeling ist nämlich nicht allein in der Klasse. Außerdem sitzt auch noch Simon Book in dem Halbkreis, den die Schüler inzwischen gebildet haben. Egeling ist Sonderpädagogin, Book Fachlehrer. Etwa die Hälfte ihrer wöchentlichen Schulzeit werden Inklusionsklassen von einem so zusammengesetzten Team unterrichtet. Wie sie auf welche Stunden aufgeteilt werden, ist den Schulen überlassen.

An der RBO entscheiden darüber die jeweiligen Lehrerteams der Klassen, also alle Lehrer, die dort unterrichten. Diese Teams, sagt Feige, werden vorher sorgfältig zusammengestellt. Das sei eine Voraussetzung dafür, dass das Ganze funktioniert. Es gibt zwei Klassenlehrer, einer davon ist Sonderpädagoge. Und beide tauschen zwischendurch die Rollen, damit es eben nicht darauf hinausläuft, dass einer immer als der Sonderpädagoge wahrgenommen wird.

In der 5a ist es dann auch Jennifer Egeling, die den Deutschunterricht leitet. Dass sie die Sonderpädagogin des Teams ist, fällt nicht auf. Es geht um Märchen. In kleineren Gruppen haben die Schüler Präsentationen erarbeitet. An diesem Morgen stellt eine Gruppe Aschenputtel vor. Anschließend gibt es eine Fragerunde. Wenn Book oder Egeling eine inhaltliche Nachfrage stellen wollen, melden sie sich - so wie die Schüler im Kreis. Dann gibt es die sogenannte warme und kalte Dusche - Lob und Kritik am Vortrag oder dem Präsentationsplakat. Die Leitfrage, die Egeling vorgibt, ist immer, "Was können sie denn besser machen?" Man muss eine Weile in diesem Unterricht sitzen, bis einem auffällt, wie die Inklusion hier funktioniert. Sie funktioniert, weil sie nicht hervorsticht.

Wenn man nicht weiß, wer die Förderschüler sind, findet man es in dieser Deutschstunde auch nur schwer heraus. Genau das sei das Ziel, sagt Feige zu dieser Beobachtung. "Es gibt bei uns Klassen, wo die Schüler bis heute nicht wissen, wer von ihnen einen diagnostizierten Förderbedarf hat."

Es gibt andere Stunden, andere Unterrichtsformen, bei denen der Unterschied in den Lernniveaus deutlicher auffällt. "Vertieftes Lernen" heißen diese Stunden, bei denen die Schüler ihren Wochenplan abarbeiten. In der 5b gibt es an diesem Vormittag eine solche Stunde. Melanie Guschmasch und Christine Harms, die beiden Klassenlehrerinnen, sitzen vorne am Pult und helfen den Schülern.

Es sind im Verlauf der Woche Aufgaben in Deutsch, Englisch und Mathe abzuarbeiten. Die Reihenfolge können sich die Schüler aussuchen. In Deutsch und Englisch seien es eher begleitende Zusatzaufgaben zum aktuellen Stoff, erklärt Melanie Guschmasch. In Mathe allerdings unterschieden sich die Aufgaben zunehmend - basierend auf dem jeweiligen Lernniveau. Und welches Niveau das ist, wie stark oder eben schwach ein Schüler ist, sieht man erst, wenn man ihm über die Schulter sieht.

Auch hier ist das Auffällige wieder, dass die Unterschiede nicht direkt auffallen. Das sieht im Unterricht leicht aus. In der Vorbereitung aber erfordere das genaue Planung, sagt Feige, und einen zeitlichen Vorlauf, um die Lehrer auch auf zentrale Dinge wie Teamarbeit oder ausdifferenzierten Unterricht vorzubereiten. Dass einige seiner Kollegen sich über die Bedingungen der Inklusion in Bremen beschwert haben, kann er nachvollziehen. An einigen Schulen, sagt Feige, haben genau dieser Vorlauf gefehlt.



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