
Die Bremer Schulen werden nun doch weniger neue Lehrerstellen bekommen als ihnen versprochen wurden. Das hat Bildungssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) gestern bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz mitgeteilt. An den allgemeinbildenden Schulen war ein Bedarf von 117 Stellen ermittelt worden, 110 davon sollten eigentlich realisiert werden. Doch stattdessen werden nur 75 neue Kräfte eingestellt, die Differenz zum tatsächlichen Bedarf, also 42 Stellen, soll durch Versetzungen und Abordnungen ausgeglichen werden: Lehrer werden von Schulen, die rein rechnerisch einen personellen Überschuss haben, ganz oder teilweise an Schulen mit Bedarf wechseln. Auch an den berufsbildenden Schulen klafft eine Lücke. Dem Bedarf von 50 Stellen stehen 35 Neueinstellungen gegenüber. Hier müssen also 15 Stellen durch Versetzungen und Abordnungen besetzt werden. "Der Grundbedarf und somit der Unterricht ist aber auf jeden Fall gesichert", sagte Jürgens-Pieper.
Der Grund für die geringere Stellenzahl ist wie so oft in Bremen die Haushaltslage. Jede Behörde muss sich am Personalentwicklungsplan, an der sogenannten PEP-Quote, beteiligen und Personal einsparen. Im Fall der Bildungsbehörde sind das jährlich 1,2 Prozent des Personals – ein verpflichtender Beitrag zur Haushaltskonsolidierung. Und auch der Bildungshaushalt selbst sei "ohne Frage angespannt", so die Senatorin. Deshalb muss das Ressort die Kosten für die zusätzlichen Neueinstellungen, auf die man sich im Koalitionsausschuss geeinigt hat, auch bis 2013 wieder einsparen.
Für die Umsetzung der vorgestellten Maßnahmen habe man nur noch 14 Tage, so Jürgens-Pieper. Dann ist das laufende Schuljahr zu Ende. "Ich gebe zu: Das zeitliche Verfahren ist ambitioniert", sagte die Senatorin – und nannte damit einen Hauptkritikpunkt von Petra Perplies, Vorsitzende des Bremer Schulleitungsverbandes.
"Das große Fragezeichen für mich ist, warum das erst 14 Tage vor den Ferien passiert", betonte Petra Perplies. "Genau wie letztes Jahr sind wir damit gescheitert, unsere Planung hinzubekommen." Generell hat sie nichts dagegen, dass Lehrer versetzt oder abgeordnet werden. "Das kann man prima machen, wenn man es im April weiß", sagte Perplies. Die kurzfristige Planung der Bildungsbehörde aber bedeute für sie als Schulleiterin, "dass ich zum Schuljahresende nicht weiß, was ich für eine Personalsituation an der Schule haben werde". Die Konsequenz sei eine unsichere Planung: "Ich kann noch nicht einmal einen Stundenplan machen."
Die Vorsitzende des Bremer Schulleitungsverbandes kritisiert aber nicht nur die zeitliche Planung der Bildungsbehörde, sondern auch, dass personell so knapp kalkuliert wird. Zur Aussage von Senatorin Jürgens-Pieper, der Unterricht sei gesichert, sagte Perplies: "Wenn ich einen Lehrer vor 25 Schüler stelle, dann ist das zwar Unterricht. Aber ist das auch Schule?" Hinzu komme die Frage, ob mit den Versetzungen auch jede Schule den Fachbedarf bekommt, den sie benötigt. Auch das könne man nur langfristig auf den Weg bringen, so Perplies.
Elternbeirat: Bankrotterklärung
Und auch in Zukunft wird es nicht leichter werden, wenn die Mehrkosten des Ressorts wieder ausgeglichen werden müssen. Eine Maßnahme von mehreren ist, dass eine sonderpädagogische Fortbildung um ein Jahr verschoben wird.
Der Zentrale Elternbeirat Bremen (ZEB) spricht von einer "Bankrotterklärung" für die Bildung. Vor allem die Inklusion, den gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht-behinderten Schülern, sieht Andrea Spude vom Vorstand des ZEB gefährdet: "Etliche Schulen stehen jetzt vor dem Problem, nicht genügend Lehrer zur Abdeckung ihres Unterrichts zu haben." Morgen um 12.45 Uhr soll es deshalb eine Demonstration auf dem Marktplatz geben, zu der die Bildungsgewerkschaft GEW aufruft.
Und auch die Schüler wollen demonstrieren. Sercan Alkaya ist Oberstufenschüler an der Oberschule Findorff. Dort gingen drei Lehrer in Ruhestand, die nicht ersetzt würden, sagte er, ein Referendar werde nicht übernommen – er hatte die Profilfächer Deutsch und Politik unterrichtet.
"Deswegen haben wir bald keinen Politikunterricht mehr", sagte Alkaya. Schüler, die Politik als Prüfungsfach gewählt haben, müssten jetzt auf andere Prüfungsfächer ausweichen – zusätzlich fielen ständig Stunden aus. "Es ist unfassbar", so Alkaya. Deshalb wurden ein Schulstreik und ein Protestmarsch organisiert, an dem sich sechs Schulen beteiligen wollen. Heute um 11.20 Uhr geht es an der Oberschule Findorff los, die Route führt am Kippenberg-Gymnasium vorbei bis zum Hauptbahnhof.





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