
Ein sicherer Arbeitsplatz und geregelte Arbeitszeiten machten die öffentliche Verwaltung bisher zu einem beliebten Arbeitgeber. Ob das auch künftig reichen wird, um für den Fachkräftenachwuchs attraktiv zu sein, ist unklar. Denn der größte Arbeitgeber Deutschlands wird sich in den nächsten Jahren viel stärker um Fachpersonal bemühen müssen als bisher. Das zeigt eine aktuelle Studie des Beratungsunternehmens Steria Mummert und des F.A.Z.-Instituts. Demzufolge stellen sich 81 Prozent der Entscheider in öffentlichen Verwaltungen auf massive Engpässe bei der Personalbesetzung ein.
In den vergangenen Jahren sind viele Stellen im öffentlichen Dienst aus Kostengründen gestrichen und nicht mehr nachbesetzt worden. In den nächsten Jahren wird laut Studie das Gegenteil eintreffen – viele Stellen können gar nicht mehr nachbesetzt werden. Ein großes Problem dabei ist die demografische Entwicklung. Insgesamt arbeiten in Deutschland etwa 4,5 Millionen Menschen in diesem Sektor, ein Fünftel der Beamten ist derzeit älter als 55 Jahre. Dieser Anteil ist in den vergangenen Jahren um 50 Prozent gestiegen und wird noch weiter steigen.
Viele Mitarbeiter gehen in den Ruhestand
Auch die Verwaltung in Bremen ist von dieser Entwicklung betroffen: In den nächsten zehn Jahren werden rund 40 Prozent der Beschäftigten des öffentlichen Dienstes ihren Ruhestand antreten. „Ab den Jahren 2020 und 2025 wird sich die Lage zuspitzen. Dann geht ein Großteil der geburtenstarken Jahrgänge in Rente“, sagt Lars Windelband vom Institut Technik und Bildung der Universität Bremen. Doch es kommen immer weniger junge Menschen nach. Deshalb müssten die Arbeitgeber – und damit auch die Verwaltung – jetzt schon Maßnahmen setzen, sagt Windelband. Denn in einigen Jahren sei es zu spät.
Der öffentliche Dienst steht dabei in Konkurrenz zur Wirtschaft, die ebenso nach Fachkräften sucht, aber meist deutlich höhere Löhne bieten kann. Das weiß auch Dagmar Bleiker, die Sprecherin der Bremer Finanzbehörde, wo Personal- und Verwaltungsangelegenheiten angesiedelt sind: „Der Wettbewerb um die besten Köpfe hat längst begonnen. Wir müssen uns genauso um sie bemühen wie die privaten Unternehmen.“ Die öffentliche Verwaltung sei durchaus ein attraktiver Arbeitgeber: Der öffentliche Dienst sei ein sicherer Arbeitsplatz, es gebe flexible Arbeitszeitmodelle und die Möglichkeit, ein Sabbatjahr zu nehmen, wenn jemand etwa eine große Reise machen möchte. In Ausnahmefällen würden auch außertarifliche Zulagen gewährt werden, „aber wirklich nur in ganz speziellen Fällen“, so Bleiker.
Auch in Hannover versucht die Verwaltung mit flexiblen Arbeitszeiten, der Möglichkeit für Arbeit von zu Hause aus oder Angeboten zur Gesundheitsförderung, im Wettbewerb um die besten Köpfe zu bestehen. Die beiden Städte liegen damit im allgemeinen Trend. Laut Studie haben bereits 45 Prozent der befragten Entscheider aus den Verwaltungen im vergangenen Jahr Maßnahmen getroffen, um die Folgen des demografischen Wandels zu verringern.
Vor allem Landesbehörden sind betroffen
Fehlende Fachkräfteseien der Untersuchung zufolge vor allem in den Landesbehörden ein Problem. Bremen versucht deshalb mit Werbespots im Kino, Kampagnen in Schulen oder auf Berufsmessen besonders junge Leute für den öffentlichen Dienst zu begeistern. „Wir bemühen uns auch um Nachwuchskräfte mit Migrationshintergrund, so die Behördensprecherin. Dazu gehörten beispielsweise Besuche in den Moscheen oder fremdsprachiges Infomaterial für die Eltern, die großen Einfluss auf die Berufswahl ihrer Kinder hätten.
Lars Windelband ist der Meinung, dass in der Berufsorientierung vor allem in den Schulen mehr unternommen werden müsste. Viele Berufe in der Verwaltung seien schlichtweg unbekannt. Es gebe zwar schon Initiativen, wie etwa Schülerpraktika, die müssten aber noch viel besser greifen, sagt der Wissenschaftler.
In Bremen konnten freie Stellen bisher meist ohne Probleme besetzt werden. Auf die 22 Ausbildungsplätze für Verwaltungsfachangestellte gab es im vergangenen Jahr laut Finanzbehörde 545 Bewerbungen. 193 Bewerber waren es für die 20 Stellen des Finanzwirtes im mittleren Dienst. Schwieriger werde es, Stellen im gewerblichen und technischen Bereich zu besetzen – Bauingenieure oder Informatiker beispielsweise. Von einem Mangel an qualifiziertem Personal möchte Bleiker deshalb aber nicht sprechen.
In der niedersächsischen Landeshauptstadt ist die Situation ganz ähnlich. Vor allem im technischen Bereich werde es immer schwieriger, qualifiziertes Personal zu finden, sagt Anett Böhm vom Fachbereich Personal der Stadt Hannover. Dabei gebe es nicht nur einen Mangel an qualifizierten Fachkräften, sondern auch an geeigneten Auszubildenden. Viele der jungen Leute hätten häufig keine konkrete berufliche Orientierung, heißt es aus dem hannoverschen Rathaus. Darüber hinaus sei die schulische Qualifikation oftmals nicht ausreichend, und es gäbe deutliche Defizite im Bereich der sozialen Kompetenz. Der demografische Wandel ist demnach nur ein Grund für die derzeitige Entwicklung.
Lars Windelband sieht deshalb nicht nur den Arbeitgeber in der Verantwortung, sondern auch die Politik, sie müsse schließlich die Rahmenbedingungen für neue Maßnahmen schaffen.




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