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Plötzlich im Parlament – Teil VI Wie viel Jugend braucht die Politik?

Von

Sebastian Ellinghaus ist stellvertretender Leiter der Landeszentrale für politische Bildung.

Herr Ellinghaus, wie wichtig ist Erfahrung in der Politik?

Erfahrung ist ungemein wichtig. Man braucht sie, um Netzwerke zu knüpfen, Entscheidungsstrukturen zu durchschauen und Dinge umzusetzen.

Die beiden jüngsten Abgeordneten der Bürgerschaft sind 21 und 23 Jahre alt. Sind sie damit zu jung für ein Parlament?

Das würde ich so pauschal nicht sagen. Es hängt von der Persönlichkeit ab und nicht vom Lebensalter, ob sie etwas einbringen können, etwas verändern wollen, eine Vision haben.

Wie wichtig sind junge Gesichter für die Parteien?

Sie haben eine große Bedeutung. Es gibt bei vielen Wählern einen Ermüdungseffekt: Viele sind es leid, immer wieder die alten Gesichter zu sehen. Ob es inhaltlich etwas bringt, junge Abgeordnete ins Parlament zu holen, muss man abwarten. Aber für das Bild der Parteien, die vielen als verkrustete Institutionen erscheinen, ist es wichtig, ein jüngeres Gesicht zu gewinnen.

In letzter Zeit scheinen viele Parteien auch auf Bundesebene auf junge Politiker zu setzen. Gibt es einen Jugendwahn in der Politik?

Von einem Jugendwahn zu sprechen, halte ich für übertrieben. Es gibt aber eine Tendenz, jüngere Kandidaten ins Rennen zu schicken. Wenn die jüngere Generation nicht vertreten ist, beschwert sie sich zu Recht. Es ist die Aufgabe der Politik, bei der Kandidatenaufstellung für eine gleichmäßige Verteilung zu sorgen. Hinzu kommt: Wer früh ansetzt, schafft den Marsch durch die Parteinstitutionen relativ schnell. Das sieht man zum Beispiel an der FDP.

Junge Spitzenpolitiker werden oft als zu blass und zu unerfahren wahrgenommen. Prominente Beispiele sind die einstige Bundesfamilienministerin Claudia Nolte oder die jetzige Amtsinhaberin Kristina Schröder. Wie erklären Sie sich das?

Es liegt an der Person und nicht am Alter. Beide sind ins Kabinett berufen worden, weil Kanzler Kohl oder Kanzlerin Merkel ihnen das Ministeramt zugetraut hatten. Aber handwerkliches Können korrespondiert nicht immer mit der optischen Erscheinung oder dem Lebensalter. Und es ist eben ein Unterschied, ob jemand gewählt worden ist oder in ein Amt berufen wurde.

Gibt es auch prominente Beispiele für erfolgreiche jüngere Politiker?

Karl-Theodor zu Guttenberg hatte vor seinem etwas unrühmlichen Abgang schon in jungen Jahren einen steilen Aufstieg geschafft, weil er in den Medien gut rüberkam. Ein weiteres Beispiel ist der neue Wirtschaftsminister Philipp Rösler. Auch die Frage des Erfolgs kann man nicht am Lebensalter festmachen, sie hat etwas mit der Persönlichkeit zu tun.

Zurück zur Bürgerschaft: Können junge Abgeordnete mangels politischer Erfahrung durch Fehlentscheidungen auch Schaden verursachen?

Sie können genauso viel oder wenig Schaden anrichten wie ältere Politiker. Außerdem bilden die ganz jungen Politiker aktuell ja eher die Ausnahme. Hinzu kommt, dass sie in eine Fraktion eingebunden sind und von älteren Kollegen beraten werden. Vermutlich mal mehr, mal weniger nachdrücklich.

Junge Abgeordnete sollen die Stimme ihrer Generation sein. Wird diese Stimme in der Politik auch gehört?

Das glaube ich schon. Man sollte nicht unterschätzen, dass da ein Wählerpotential liegt, das nicht ausgeschöpft ist. Man muss allerdings die Repräsentativität berücksichtigen. Holt man zu viele junge Abgeordnete in die Parlamente, spiegelt man nicht mehr den Bevölkerungsdurchschnitt wieder, denn die Mehrheit der Bürger ist nun mal älter als 30. Und das wird sich aufgrund der demographischen Entwicklung auch nicht ändern.

Luisa-Katharina Häsler und Linda Neddermann sind junge, gut aussehende Frauen. Wie wichtig ist Aussehen für politischen Erfolg?

Aussehen wird zunehmend wichtiger – nicht im inhaltlichen Sinne, denn es geht ja um Äußerlichkeiten. Aber wenn man sich anschaut, wie die Wahlkämpfe in den USA geführt werden, merkt man, dass Äußerlichkeiten immer wichtiger werden. Und etwas von diesem Trend schwappt auch zu uns nach Europa über. Vermittelbarkeit hat auch mit Ästhetik zu tun – gerade bei Wählern, die sich sonst nicht mit Politik beschäftigen. Man kann das sicherlich kritisch sehen, aber der Trend geht in diese Richtung. Wenn man sich zum Beispiel ansieht, wie sich Angela Merkel im Laufe der Jahre verändert hat, wird deutlich, dass hier ganz offensichtlich eine Outfit-Beratung stattgefunden hat. Äußeres ist in der Prioritätenliste nach vorne gerutscht.

Im nächsten Teil unserer Serie "Plötzlich im Parlament" geht es um den Spagat zwischen Studium und Bürgerschaftsmandat. Wir begleiten die CDU-Abgeordnete Luisa-Katharina Häsler an der Uni.



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