Lesum. "Paul-Goldschmidt-Schule, guten Tag" werden Anrufer bereits begrüßt. Bisher steht aber noch über der Eingangstür "Schule Louis-Seegelken-Straße". Das Schild wird verschwinden, aber das neue mit der Aufschrift "Paul-Goldschmidt-Schule, Förderzentrum für körperliche und motorische Entwicklung", in dem Kinder von sechs bis 19 Jahren aus allen Bremer Stadtteilen unterrichtet werden, soll vor der Schule in den Boden eingelassen werden. Es wird nicht rechtzeitig zur Feier fertig. Darum bastelt Konrektor Michael Evers ein Provisorium, das bei der Veranstaltung mit der Witwe des Namensgebers enthüllt werden soll. Paul Goldschmidt starb nach einem bewegten Leben vor zwei Jahren im Alter von 96 Jahren.
Unter Fachkräften, die Menschen mit Beeinträchtigungen betreuen und mit ihnen arbeiten, ist sein Name ein Begriff. Der Logopäde (Sprachtherapeut) und langjährige Dozent in Dortmund entwickelte einen "neuen Ansatz vor allem für schwerst behinderte Kinder, die nicht sprechen und sich auch nicht auf andere Weise ausdrücken können, sich verständlich zu machen", erläutert Schulleiterin Martina Brückner. "Das ist genau unser Ansatz", sagt sie. "Wir haben viele stark beeinträchtigte Kinder, die so eingeschränkt sind, dass sie auch nicht die Gebärdensprache beherrschen."
Paul Goldschmidt habe Krankengymnastik und Sprachförderung miteinander verbunden und alternative technische Hilfsmittel benutzt. Mit einem leichten Tastendruck könnten diese Geräte bedient werden, und die Kinder könnten so auf Fragen antworten, sagt Evers. Wie eine Kassette werden sie besprochen. Dieser Ansatz nennt sich "unterstützte Kommunikation". Einige Lehrkräfte des Förderzentrums haben die Lehrinhalte als Studenten noch von Paul Goldschmidt vermittelt bekommen. Aus dem Kollegium kam darum auch der Namensvorschlag für die Schule. Schon lange suchte sie nach einem neuen, Identität stiftenden Namen. Martina Brückner: "Der Name Louis-Seegelken ist einfach für unsere Schüler zu kompliziert. Er wurde auch oft falsch geschrieben, und Seegelken hat nichts mit der Schule zu tun." (Anmerkung der Redaktion: Er war von 1890 bis 1931 Gemeindevorsteher in Lesum).
Eine enge Verbindung
Nach einem langen Vorlauf – Eltern, Kinder, Pädagogen, Beirat Burglesum, senatorische Behörde und Deputation mussten zustimmen – ist die Genehmigung für die Umbenennung nun eingetroffen. Vor allem brauchte sich keiner Gedanken über eventuelle dunkle Flecken in der Vergangenheit des Namensgebers zu machen – sie ist lupenrein.
Paul Goldschmidt wurde 1914 als viertes Kind eines jüdischen Kaffee-Großhändlers in Amsterdam geboren und verlor fast seine ganze Familie in den deutschen Konzentrationslagern. Er selber überlebte die Inhaftierung im KZ Bergen-Belsen. Nach dem Krieg arbeitete er als Logopäde vor allem mit Kindern, ab 1969 war er Dozent in Dortmund und gehörte zu den Gründern des deutschsprachigen Fachverbands für unterstützte Kommunikation. "Paul Goldschmidt hat sehr viel mit jungen Menschen gearbeitet", sagt die Schulleiterin, "es passt alles perfekt". Bärbel Weid-Goldschmidt, Ehefrau des Namensgebers, sei erfreut über das Gedenken an ihren Mann in dieser Form. Sie kommt zur Feier in Begleitung von zwei inzwischen erwachsenen Patienten ihres Mannes, die Sprach-Heiltherapie studieren und beim Festakt mit unterstützenden Hilfsmitteln sprechen werden.
Gleich im Anschluss folgt die nächste Einweihung. Es geht in den Keller des Hauses. Hier ist praktisch kein Stein auf dem anderen geblieben. Das Schwimmbad und das Kellergeschoss mit Fachräumen wurden vor vier Jahren aufgrund eklatanter Brandschutzmängel geschlossen. Seitdem wurden gut 1,85 Millionen in die Sanierung gesteckt. Es gibt unter anderem eine Fluchtrampe für Rollstuhlfahrer, Brandschutztüren, einen neuen Fahrstuhl, der auch bei einem Feuer funktioniert. Vor allem aber floss viel Geld in die moderne Technik für das Schwimmbad. Ab Frühjahr 2013 folgt ein Anbau. Danach wird der Rest der Schule saniert.
Mit einem Schulfest sollen die Wiedereröffnung des Kellergeschosses und der neue Schulname gefeiert werden – am Sonnabend, 5. Mai, in der Paul-Goldschmidt-Schule, Louis-Seegelken-Straße 130. Nach dem Festakt um 14.30 Uhr in der Halle gibt es Gelegenheit, die Räume zu besichtigen, ein buntes Unterhaltungsprogramm mit Tombola, Essen und Getränken.











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