Grohn. Wer über den Campus auf den Neubau zuschreitet, kann sich der Wirkung der imposanten Klinker-Kolonnade nicht entziehen. Die streng gegliederte Struktur der Fassade erinnert an die Formensprache des Klassizismus. An Gebäude, die der Repräsentation dienen. In langer Flucht wechseln sich Backsteinpfeiler mit rahmenlosen Glasflächen ab. Betritt man das Gebäude, dann offenbart sich sein funktionaler Kern noch nicht auf den ersten Blick. Die große Mehrzweckhalle ist nämlich von einem Kranz kleinerer Funktionsräume umschlossen – Küchen- und Sanitärbereiche, Lagerräume, verschiedene Aufenthaltszonen, Umkleidekabinen und so weiter. Umso beeindruckter ist der Besucher, wenn er dann ebenerdig oder von der Empore aus ins Herz des Gebäudes blickt: Ganz in Weiß erstrahlt der riesige Mehrzweckraum, in dem bis zu 1500 Besucher Platz finden oder Sportveranstaltungen auf vier Spielfeldern gleichzeitig stattfinden können. Die allermeisten Hallensportarten sind im SCC auf Bundesliganiveau möglich. "Es ist genau diese Flexibilität im Veranstaltungsbereich, die diese Halle ausmacht", bringt es Uni-Sprecher Peter Wiegand auf den Punkt.
Der Bau des Schweizer Star-Architekten Max Dudler wird deshalb auch keineswegs nur akademischen Veranstaltungen vorbehalten sein. Beileibe nicht. Laut Wiegand liegen der Uni bereits diverse Anfrage von Unternehmen, der Großgastronomie und von Sportverbänden vor. Die Möglichkeiten der Halle, die natürlich auch mit moderner Kommunikationstechnik ausgerüstet ist, beginnen sich herumzusprechen. Für feierliche Anlässe ist eine eigene Szenerie entwickelt worden. Durch Teppichböden, lange Vorhänge und demontierbare Pendelleuchten lässt sich eine festliche Anmutung erreichen.
Wenn sich Ende nächster Woche das Gebäude bei der Abschlussfeier des akademischen Jahres mit Bachelors, Masters, Doktoren und ihren Angehörigen füllt, dann dürften auch die Ärgernisse vergessen sein, die den Weg zur Einweihung pflasterten. Das Sports and Convention Center ist nämlich auch ein Beispiel dafür, dass immense Kostensteigerungen bei Großbauten kein Privileg öffentlicher Auftraggeber sind. Mit 3,8 Millionen Euro war das Multifunktionsgebäude ursprünglich mal kalkuliert. Im Herbst 2011 hatten die Kosten bereits die 6-Millionen-Marke passiert. In der Schlussabrechnung wird man bei knapp 8 Millionen Euro liegen.
Teuer erkaufte Ruder-Pokale
Ein Hauch von Elbphilharmonie umweht also den schmucken Backsteinquader. Wie kam’s? Ein hochmodernes Trainingszentrum für die Uni-Ruderer war rasch als einer der Kostentreiber identifiziert. Ursprünglich war vorgesehen, die Anlage mit einem gefluteten Becken im Erdgeschoss unterzubringen. Das erwies sich als unrealistisch. Eine Teilunterkellerung des Gebäudes als "weiße Wanne" aus wasserundurchlässigem Beton wurde erforderlich. Die künftigen Siege der Jacobs-Ruderer sind also teuer erkauft.
Auch der Zeitplan für die Fertigstellung ließ sich vor diesem Hintergrund nicht mehr einhalten. Eigentlich hatte die Uni ihren Graduation Day nämlich schon 2011 im SCC abhalten wollen. Andere zeitraubende Pannen, die nicht von der Uni zu verantworten sind, kamen hinzu. So hatte der Ziegelhersteller einen Backstein geliefert, dessen Farbe um eine Nuance von den Dudlerschen Plänen abwich. 200000 Ziegel mussten wieder weggekarrt und 200000 neue gebrannt werden. Sowas wirft den Zeitplan schon mal vier bis sechs Wochen zurück.
Die Kostenexplosion beim SCC konnte letztlich nur dadurch abgefedert werden, dass die Universität auf zusätzliche Bauprojekte auf dem Campus verzichtete. Zehn Millionen Euro hatte Bremen für die Jahre 2010/11 an öffentlicher Förderung bereitgestellt. Aus diesem Topf sollte nicht nur das Sports and Convention Center bezuschusst werden, sondern auch der Ausbau diverser Dachgeschosse und die Herrichtung eines alten Kasernengebäudes für die Wirtschafts- und Sozialwissenschaften ("South Hall"). Die Dachausbauten wurden gestrichen.
Über all diese Scherereien wird man am nächsten Freitag den Mantel des Schweiges legen – oder, um im Bild zu bleiben, ein paar korrekt gebrannte Ziegel. In ein paar Jahren fragt ja auch niemand mehr danach. Von Dauer dürfte dagegen die Freude über ein Gebäude sein, dass nicht nur ein beeindruckendes Stück zeitgenössischer Architektur nach Bremen-Nord bringt, sondern dem Stadtbezirk auch neue Dimensionen im Veranstaltungsbereich eröffnet. Der ein oder andere klingende Name aus dem Kulturbereich wird künftig nicht mehr mit "Glocke", "Pier 2" oder "ÖVB-Arena" plakatiert, sondern vielleicht mit "SCC Vegesack".











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