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Bremen-Nord Im Haven Höövt löst sich die Schockstarre

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Zuversicht prägte am Mittwoch das Meinungsbild unter den Mietern, die sich am Dienstagabend mit Odebrecht getroffen hatten. Der vom Amtsgericht Tostedt eingesetzte vorläufige Insolvenzverwalter hatte den Mietern seine nächsten Schritte erläutert. Es gelte zunächst, eine Auszugswelle zu verhindern und die Lage im Shoppingcenter zu stabilisieren. Der Betrieb im Haven Höövt könne ohne Einschränkungen fortgeführt werden.

Im Gespräch mit dieser Zeitung gab sich Odebrecht erneut zuversichtlich. "Wir haben jetzt eine andere Situation als vor der Insolvenz. Die Bank kämpft um ihr eingesetztes Geld", sagte der vorläufige Insolvenzverwalter mit Blick auf die rund 60 Millionen Euro an Verbindlichkeiten der Besitzgesellschaft Prime Commercial Properties (Bremen) GmbH & Co. KG, kurz PCP. Als faktische Eigentümer des Haven Höövt hätten die Gläubiger ein Interesse daran, den Kahn wieder flottzumachen und jenes Geld für eine Attraktivierung des Shopping-Centers locker zu machen, über das PCP nicht mehr verfügte.

Mit der Anfertigung von Gutachten zu den Perspektiven des Haven Höövt will sich Odebrecht nicht aufhalten. Bei Center-Manager Stefan Sahr und den Immobilienfachleuten der Londoner Gläubigerbank sei genügend kreatives Potenzial für die Restrukturierung vorhanden. "Und man kann ja auch mal links und rechts über die Hecke gucken", meinte Odebrecht. Soll heißen: Bei vergleichbaren Centern lässt sich durchaus etwas abschauen.

"Die Dinge brauchen jetzt ihre Zeit"

Juwelier Hans-Joachim Steil, der in der ersten Etage ansässig ist, fühlte sich nach dem Mieterabend "relativ entspannt". Die Stimmung unter den Geschäftsleuten sei "eher positiv" gewesen. "Es herrschte Erleichterung darüber, dass jetzt endlich was passiert." Endlich, weil der Modernisierungsstau zuletzt immer augenfälliger geworden sei – wie auch die Knauserigkeit der PCP. Susanne Hass vom Sportgeschäft Intersport geht davon aus, "dass die Dinge jetzt ihre Zeit brauchen". Viele Kunden hätten sie gestern auf die aktuelle Entwicklung angesprochen. "Die fragten mich: Was ist, wenn es euch morgen nicht mehr gibt?", sagte Hass. "Wir versuchen, solche Befürchtungen zu zerstreuen und für gute Stimmung zu sorgen." Um das wirtschaftliche Fundament des Haven Höövt zu festigen, brauche es allerdings mehr als zur Schau getragenen Optimismus. So gehöre in jedes Maßnahmenbündel, das jetzt geschnürt wird, auf jeden Fall eine Abschaffung der Gebühren für das Parkdeck. "Dass man hier bezahlen muss, um zu den Geschäften zu dürfen, stört die Kunden gewaltig", so Hass. Wichtig sei auch ein neues Beleuchtungskonzept für die Einkaufsmall. Im Vergleich zu Häusern ähnlichen Zuschnitts sei das Haven Höövt schlicht zu dunkel.

Kritik an der Wirtschaftspolitik des Senats kommt unterdessen aus der Wissenschaft. Für den Ökonomen Jochen Tholen vom Institut Arbeit und Wirtschaft der Universität Bremen fügt sich die Insolvenz des Haven Höövt "nahtlos ein in eine Reihe grandioser Fehlentscheidungen des Senats". Zuerst habe die politische Weichenstellung für den Bau des Shopping-Centers zu einer Verödung der etablierten Einkaufslagen im Vegesacker Ortskern geführt. Und nun, da sich diese Bereiche nach und nach wieder berappelt hätten, "geht es wieder umgekehrt". Eines der Probleme des Haven Höövt besteht nach Tholens Einschätzung in einer unklaren Ausrichtung. Das Sortiment sei weder eindeutig gehoben noch klar auf der Billigschiene. Letzteres, findet Tholen, "wäre ja auch ein Konzept".

Der FDP-Kreisverband Bremen-Nord forderte Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) unterdessen auf, "die Zukunft des Mittelzentrums Vegesack zur Chefsache zu erklären", so Vorsitzender Rainer W. Buchholz. Das Einkaufszentrum habe nach der Vulkan-Pleite "der ganz große Befreiungsschlag zur Umkehr der dramatisch gesunkenen Zentralität Vegesacks" werden sollen. Das Ergebnis sei jedoch "mehr als ernüchternd" ausgefallen. Dann zumal, wenn man es gemeinsam mit anderen Projekten des Haven-Höövt-Erbauers Frank Albrecht betrachte, also etwa der Markthalle am Sedanplatz. Buchholz: "Es ist jetzt an der Zeit aufzuklären, warum Wirtschaftsressort und Wirtschaftsförderung ganz offensichtlich viel zu lange auf Tauchstation waren."



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