
Dem Spicarium – der Schiffbau-Dokumentation im alten Hafenspeicher – stehen unruhige Zeiten bevor. Das Kulturbüro droht dem Wirtschaftsressort in einem Brief damit, schon in absehbarer Zeit den Geschäftsbesorgungsvertrag aufzulösen. Im Streit zwischen Betreiber und Stadt geht es um fehlende Besucher, fehlendes Geld und fehlendes Personal.
Die Botschaft ist klar: "Die Erfahrungen aus den ersten 15 Monaten im laufenden Betrieb haben gezeigt, dass ein professionelles und sachgerechtes Betreiben der Ausstellung ... nicht möglich ist." Bekanntlich kommen statt der erhofften 30.000 Besucher lediglich rund 10.000 pro Jahr ins Spicarium. Damit lassen sich die prognostizierten Einnahmen nicht erzielen.

Heinrich Theilmann, Aufsichtsratsvorsitzender des Kulturbüros, und Geschäftsführer Ulrich Mayer schreiben weiter: Weil gleichzeitig der Personalausstattung des Hauses so knapp bemessen sei, könne die Ausstellung nicht weiterentwickelt werden, Schulkassen könnten nicht betreut und Unterrichtsmaterialien nicht vermittelt werden. Derzeit kümmern sich den Unterlagen zufolge drei Personen um die Ausstellung. Gefordert werden vier.
Das Kulturbüro setzt der Besitzgesellschaft Science Center (BSC), die in den Zuständigkeitsbereich der Wirtschaftsförderung gehört, ein Ultimatum: Bis zum 12. Juli müsste der Vertrag des tatsächlichen Rahmenbedingungen angepasst sein, "ansonsten müssen wir den Vertrag zurückgeben." In dem Brief ist unter anderem die Rede davon, dass eigentlich 330 Stunden zusätzlich ins Personalbudget aufgenommen werden müssten.
In einem schriftlichen Vermerk von Spicariums-Chefin Christina Voigt, der ebenfalls kursiert, heißt es außerdem: "Die im gültigen Geschäftsbesorgungsvertrag vorgesehene Unterstützung durch das Kulturbüro (technische Grundbetreuung und Reinigung) findet nicht statt." Und sie warnt davor, dass "eine negative Entwicklung ähnlich wie bei der BBV" eintreten könnte. Das Tourismus-Projekt ist bekanntlich in die Pleite gerutscht.
Kulturbüro-Chef Ulrich Mayer wollte sich gestern zu den Folgen, die das Ultimatum nach sich ziehen könnte, nicht äußern. Gleiches gilt für Christina Voigt. Anders Holger Bruns, Sprecher von Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD). Der Aufsichtsrat der BSC habe gestern "deutlich verschnupft" und "sehr irritiert" reagiert. Zumal seiner Darstellung nach das Ultimatum nicht vorher angekündigt worden sei. Bruns macht deutlich: "Wenn sich ein Problem ergibt, muss ein Betreiber das Seinige dazu tun, die Probleme zu beheben, Das ist nicht erkennbar." Es gehe jetzt darum, die Rollen zu klären und eine tragfähige Lösung für die Zukunft des Spicariums zu suchen. Und der Sprecher sagt: "Wir lassen ausdrücklich offen, ob das mit diesem Betreiber noch möglich ist."
Der CDU-Wirtschaftspolitiker Jörg Kastendiek war erst in dieser Woche gemeinsam mit den Nordbremer Abgeordneten Rainer Bensch und Silvia Neumeyer zu Gast im Spicarium, um sich über die Situation zu informieren. Er lobt die Ausstellung und attestiert der Mannschaft des Spicariums, "einen guten Job" zu machen und mit Herzblut dabei zu sein.
An der Ausstellung liege es nicht, wenn das Projekt jetzt in Schwierigkeiten gerate. Die Probleme sieht Kastendiek vielmehr im Wirtschaftsressort. Das Spicarium habe von Anfang an gegen Geburtsfehler zu kämpfen gehabt, die bis heute nicht behoben worden seien. "Das Ressort ist gefordert, nachhaltige Antworten zu finden."
Kastendiek meint grundsätzlich: "Man muss endlich aufhören, nur halbe Sachen hier am Standort zu machen." Erst vor wenigen Wochen hatte der CDU-Politiker in einem Gespräch die Frage aufgeworfen, ob es nicht sinnvoll sein könnte, die Exponate der BBV beim Spicarium zu konzentrieren. Denkbar sei auch, das nie bebaute Grundstück am Haven Höövt in die Überlegungen einzubeziehen.
Das Spicarium hatte im März 2011 seine Arbeit aufgenommen. Die Startphase indes wurde von einer Pannenserie begleitet. Im Stadtteil sorgten fehlende Ausschilderungen, fehlendes Marketing und die Öffnungszeiten für Diskussionsstoff.











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