
Spaziergänger bleiben stehen und schmunzeln. Einmal volltanken, bitte! Diesen scherzhaft gemeinten Ruf hört Rainer Schulte häufig, wenn er in seinem Garten arbeitet. Die Passanten blicken über den Zaun und wundern sich: Auf dem Grundstück des 51-Jährigen steht ein Shell-Tankstelle samt Zapfsäule, Ölkabinett, Luftdruckmesser und Ölfass. Auf einem Schild steht: "Shell" Motor Spirit sold here - Hier gibt es Shell Kraftstoff.
Tanken kann in Schultes Garten natürlich niemand. Der Automobil-Fan und Sammler von Teilen, Zubehör und Oldtimern ersteigerte den Nachbau einer Tankstelle aus den 1950-er Jahren im Internet und ergänzte ihn mit Originalzubehör. Um der Tankstelle einen möglichst realistischen Anstrich zu geben, baute er ein Fundament und ein Dach - fertig war die nostalgische Zapfstation. "Die Benzinstationen, die von den ersten Automobilen angesteuert wurden, waren nicht mit den heutigen zu vergleichen", weiß der Sammler.
Sprit aus der Apotheke
Ende des 19. Jahrhunderts wurde das damals verwendete Leichtbenzin noch in Apotheken verkauft. Um die Jahrhundertwende wurden weitere Verkaufsstellen für Kraftstoffe eingerichtet. Kolonialwarenhändler, Hotels, Gaststätten, Schmieden und Drogerien nahmen Treibstoffe in ihr Sortiment auf. "Es war ein Geschäft mit Risiko, es gab häufig Unfälle", sagt Schulte. "Oft standen die Zapfsäulen einfach vor den Häusern an der Straße, Sicherheitsauflagen gab es damals noch nicht."
Auf die Frage, wie er auf die Idee gekommen sei, sich eine Tankstelle in den Garten zu bauen, antwortet Rainer Schultes Frau Ulrike: "Als ich hier eingezogen bin, standen keine Blumen auf der Fensterbank, sondern Modellautos. Mein Mann sammelte einfach alles", erzählt sie lachend. Für dieses Hobby hat Rainer Schulte sich eigens eine Garage gebaut. "150 Quadratmeter für seine Sammelleidenschaft - die Garage hat eine größere Grundfläche als das Haus", sagt Ulrike Schulte.
Bereits als Kind sammelte Rainer Schulte Modellautos. "Mein Vater war viel im Ausland unterwegs und hat mir aus England regelmäßig Modellautos mitgebracht", erzählt er. Dann kamen die großen Wagen dazu. Sein Interesse an Automobilen, speziell für die englische Marke MG, wuchs. Mittlerweile ist er Mitglied im MG Car Club Bremen, besucht regelmäßig den MG-Stammtisch und besitzt derzeit vier Oldtimer. Dazu sammelt er alles rund um das Thema Auto: Teile, Bilder, Schilder, Werkzeug, Literatur, Fahrschul-Lehrmodelle, Kalender und - Tankstellenzubehör.
Zunächst war ihm die Marke egal. "Ich habe auch Aral- und Esso-Schilder gekauft." Seine Frau brachte ihn dann dazu, sich auf eine Marke zu beschränken. Eher durch Zufall wurde es "Shell". "Das hing einfach damit zusammen, dass ich die Zapfsäule von Shell im Internet ersteigert habe." Die Tankstelle soll möglichst originalgetreu aussehen, deshalb sucht Rainer Schulte auch weiterhin nach Shell-Zubehör wie Kanistern, Dosen und Schildern. Dafür schaltet er Kleinanzeigen und durchforstet regelmäßig das Internet nach besonderen Schnäppchen.
Seine jüngste Errungenschaft sind zwei original Shell-Glasflaschen zum Anmischen eines Benzin-Öl-Gemisches für Zweitakter-Motoren. "Die habe ich in Stuhr bei einem Mann gekauft, der selbst bei Shell gearbeitet hat. Er hat sich auf eine meiner Anzeigen gemeldet." Am günstigsten sei es, so die Erfahrung von Schulte, solche Sammelobjekte bei Privatleuten zu kaufen. "Bei Händlern ist das viel zu teuer." Als nächstes steht eine Shell-Preissäule auf seiner Wunschliste. "Dann kann ich auch Benzin anbieten - für einen Euro pro halben Liter", sagt Schulte augenzwinkernd.











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