
Die kommunale Sportförderung mit derzeit rund zwei Millionen Euro jährlich verändert sich. Statt mit der Gießkanne ein bisschen Geld hier und einige Euro dort auszuschütten, müssen sich die Vereinsvorstände immer öfter die Frage stellen, ob einzelne Projekte oder vielleicht sogar ganze Abteilungen noch sinnvoll sind.
Die Ehrenamtlichen müssen sich mit Kennzahlen und anderen Instrumenten einer betriebswirtschaftlichen Betrachtungsweise von Sportförderung anfreunden. Auf der anderen Seite sollten die Vereine und Verbände, die von der Kommune bezuschusst werden, ihr Geld auf verlässlicher Basis bekommen. So plant die Sportverwaltung, ein Kontraktsystem wie in der Kultur einzuführen. Die Botschaft: Es gibt Geld über einen festgelegten Zeitraum.
Hinzu kommt, dass die Vereine immer größere Eigenleistungen erbringen müssen, denn die Kassen sind dermaßen leer, dass es sich die Stadtgemeinde nicht mehr leisten könne, alle Sportstätten zu unterhalten - ein Umstand, der sich bereits im Bereich der Platzpflege bemerkbar macht. Dafür bekommen die Vereine eine Pauschalsumme, mit der sie nach eigenem Ermessen wirtschaften können. Hauptsache, die jeweilige Sportstätte ist in Ordnung.
Über diese und im Detail weiterreichende Neuerungen informieren Ulrich Mix, Leiter des Sportamtes, und seine Stellvertreterin Anke Precht die Sportler und Vereine; so kürzlich beim Kreissportbund Bremen-Nord (KSBN) und beim Fachverband Segeln Bremen (FSB). Dabei belässt es das Führungsduo nicht bei einer Analyse der aktuellen Situation, im Gegenteil: Sie fordern die Vereine gleich auf, sich nach neuen Finanzierungsquellen umzuschauen. Die Botschaft: Suchen Sie sich Sponsoren! Hilfestellung unter anderem dabei soll das Sportamt geben, das sich nach den Worten von Mix zu einer sogenannten Steuereinheit entwickelt.
"Es gibt keine Information"
Bei den meisten Sportvereinen indes scheint die Botschaft noch nicht angekommen zu sein. Nach Recherchen der NORDDEUTSCHEN geht es vor allem bei den kleineren Vereinen zu wie eh und je: Sie finanzieren sich aus ihren Mitgliedsbeiträgen sowie Zuschüssen aus diversen Töpfen. Auch Sponsoren spielen eine Rolle, wenn auch keine große. Überdies können die Vereine "auf die eine oder andere Vermietung" bauen, wie es Dagmar Kropp, Vorsitzende des TSV Farge-Rekum, umschreibt. Ihr geht es wie fast allen ehrenamtlich tätigen Vorstandsmitgliedern in Bremen-Nord. "Es gibt keine Information, es bleibt nur Geld weg", sagt Kropp. Damit stellt nicht nur sie dem Sportamt eine schlechte Note in dem aus, was Mix in seinem Vortrag als "verstärkte Öffentlichkeitsarbeit" bezeichnet.
Der jahrelange Eindruck in den Vereinen, dass weder Politik noch Verwaltung die Menschen ernst nehmen, die einen Großteil ihrer Freizeit opfern, verstärkt sich angesichts anstehender Veränderungen zusehends. "Die Anstrengungen, die es im Vereinssport gibt, werden nicht honoriert", spricht die Farge-Rekumerin Kropp ihren Kollegen in den anderen kleinen und großen Vereinen aus dem Herzen.
Kein Wunder also, dass immer weniger Menschen bereit sind, sich ehrenamtlich in einem der bundesdeutschen Vereinsvorstände zu engagieren. Dieser Umstand geht aus einer Untersuchung im Auftrag der Führungsakademie des Deutschen Olympischen Sportbundes hervor. Danach geht das ehrenamtliche Engagement, das heute meistens bürgerschaftliches Engagement genannt wird, in anderen Bereichen nach oben. Nur der Sport leidet unter Nachwuchsmangel.
Wo es klemmt, macht Heiko Strohmann, Vorsitzender des Sportvereins Grambke-Oslebshausen (SVGO), deutlich. Ihn persönlich freue es grundsätzlich, wenn es zwischen den Vereinen im Bereich der öffentlichen Zuschüsse mehr Wettbewerb gebe. "Nur muss man ihnen dann die Möglichkeit geben, dass sich die Vereine Geld auf dem Kapitalmarkt besorgen können", ergänzt Strohmann.
Er untermauert seine Aussage mit einem Beispiel aus der Praxis: Der SVGO habe schon lange erkannt, dass der Vereinssport massive finanzielle Probleme bekommen werde. Um sich von Vater Staat und den Beiträgen unabhängiger machen zu können, habe es die Idee gegeben, auf dem Vereinsgelände eine Solaranlage zu installieren. Dafür seien aber erst einmal Investitionen notwendig.
Doch Geld könne sich der SVGO nicht leihen, weil ihm zwar die Hallen an der Sperberstraße und an der Grambker Geest gehören - Grund und Boden jedoch sind städtisch und an den SVGO in Erbpacht vergeben. Also fehlen dem Verein Sicherheiten, um mit einer Bank ins Geschäft zu kommen. "Wir hatten einige Interessenten. Die sind inzwischen abgesprungen", sagt Strohmann. Er fügt mit sarkastischem Unterton hinzu: "Die Stadt hat für jede Lösung ein Problem."











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