Borgfeld. Als bekannt wurde, dass die Grundschule in Borgfeld-West ab nächstem Schuljahr eine offene Ganztagsschule wird, habe man sich in Borgfeld sehr gefreut, sagte Beiratssprecher Gerd Ilgner (SPD) in der jüngsten Sitzung des Bildungsausschusses. Dann aber hätten sich Probleme ergeben, über die nunmehr seit vier Monaten ohne Ergebnis verhandelt wird. Zur Ganztagsschule gehört nämlich auch ein Mittagessen. Schon jetzt essen täglich etwa 45 Grundschüler in der Fleetstube des Borgfelder Stiftungsdorfes, das von der Bremer Heimstiftung betrieben wird. Ein Essen kostet dort fünf Euro. Die Bildungsbehörde hat aber festgelegt, dass ein Mittagessen an einer offenen Ganztagsschule nur 3,10 Euro kosten darf. Verhandlungen zwischen Schulleitung und Heimstiftung um einen günstigeren Preis waren bisher erfolglos.
"Ich habe bisher noch nicht den Glauben verloren, dass eine Lösung gemeinsam mit der Bremer Heimstiftung gefunden wird", sagte Kerstin Lenz, die Ganztagsbeauftragte der Bildungssenatorin. Vorerst wurde aber eine Lösung entwickelt, die ohne die Fleetstube auskommt. Schulleiterin Kerstin Kinner stellte sie im Bildungsausschuss vor: Für die 106 Kinder, die mit Beginn des nächsten Schuljahrs am 1. September am Mittagessen teilnehmen werden, wird als Übergangslösung ein beheizbares Zelt mit Holzboden auf dem Schulhof aufgestellt."Das wird ein solides Zelt, nicht sowas wie beim Schützenfest", erläuterte Kinner. Das Essen soll von einem Cateringbetrieb angeliefert werden. Ausgegeben wird es in der Aula. Mittelfristig wird das Zelt durch Mobilbauten ersetzt. Langfristig soll die Schule einen Mensa-Anbau bekommen.
Beim Preis von 3,10 Euro sieht die Bildungsbehörde keinen Spielraum nach oben, sagte Kerstin Lenz, die das Zelt allerdings als Notlösung bezeichnete. Die Heimstiftung wiederum ist nach eigener Auskunft auf einen höheren Preis angewiesen. Grund dafür sind zusätzliche Kosten. Für das Essen alleine würden 3,10 Euro ausreichen, erläuterte Alexander Künzel, Vorsitzender der Stiftung. Aber auch das Gebäude verursache Kosten. Die Fleetstube sei zum Teil durch eine Spende finanziert. Zusätzlich wurde aber auch ein Kredit aufgenommen, von dem die Heimstiftung jeden Monat 2000 Euro zurückzahlen müsse. "Wer zahlt die Suppe für das Gebäude?", fragte Künzel rhetorisch. Die Gebäudekosten der Fleetstube betrügen 54000 Euro im Jahr, unabhängig davon, wieviele Grundschüler am Mittagstisch teilnähmen. Diese Gebäudekosten seien im Essenspreis von fünf Euro enthalten. Würde an die Grundschule eine Mensa angebaut, müssten diese Kosten irgendwo auf der Rechnung erscheinen. "Dann sind Sie auch nicht mehr bei 3,10 Euro", sagte Künzel. Maximal könne man den Preis auf 4,70 Euro senken, dazu müssten aber jeden Tag mehr als 100 Kinder in der Fleetstube Mittag essen.
Für die Grünen-Abgeordnete Petra Kettler ist das ein indiskutabler Preis. "Die Eltern sollen nicht mehr als 3,10 Euro zahlen müssen", sagte sie. Andererseits wäre es wünschenswert, wenn die Kinder weiterhin in der Fleetstube äßen. Vielleicht könnte die Bildungsbehörde das Geld, das ein Zelt kosten würde, an die Heimstiftung zahlen.
Diese Idee entwickelte Alexander Künzel daraufhin weiter: Die Bildungsbehörde könne der Heimstiftung den Betrag zahlen, den ein Mensa-Anbau kosten würde. Dafür würde die Schule ein unbegrenztes Nutzungsrecht an der Fleetstube erwerben – für zwei Stunden täglich. Auf die Frage einer Elternvertreterin räumte Künzel allerdings am Schluss der Ausschusssitzung ein, dass auch dann noch die Betriebskosten der Fleetstube zusätzlich berechnet würden.
Folge man der Kalkulation der Heimstiftung, müsste die Bildungsbehörde etwa 2000 Euro im Monat zahlen, hatte Kerstin Lenz ausgerechnet. "Ich kann schon jetzt sagen, dass wir das nicht können." Ein Mensa-Anbau wäre dagegen für etwa 50000 Euro zu haben – und, so ergänzte Schulleiterin Kerstin Kinner, er stünde den ganzen Tag zur Verfügung, auch für andere Zwecke.
Jürgen Schilling von der CDU wunderte sich über den Verlauf der Diskussion: Es müsse doch möglich sein, sich zu einigen. Die Behörde solle in kleinem Kreis mit der Heimstiftung verhandeln. "Ich kann mir nicht vorstellen, ein Zelt zu heizen, wenn nebenan die warme Fleetstube leersteht", sagte er. Kerstin Lenz kündigte am Ende der Sitzung an, dass möglichst bald ein Gespräch zwischen ihrer Behörde, der Schulleiterin und dem Vorstand der Bremer Heimstiftung stattfinden werde
Ein Zelt als Notlösung
Schulbehörde und Heimstiftung uneinig über angemessene Preise für Mittagstisch
Zitat:
"Die Eltern sollen nicht mehr als 3,10 Euro
zahlen müssen."
Petra Kettler, Die Grünen
Ein Zelt als Notlösung
Schulbehörde und Heimstiftung uneinig über angemessene Preise für Mittagstisch
Zitat:
"Wer zahlt die
Suppe für
das Gebäude?"
Alexander Künzel, Heimstiftung











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