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Über 200 Haushalte mit künstlicher DNA ausgestattet / Innensenator wirbt um Vertrauen Grollander rüsten sich gegen Einbrecher

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Axel Ristau (v.l.), Rainer Bahr, Peter Liebetrau, Harald Burhop, Heinz Müller und Susanne Duddenhausen passen in den Str
Axel Ristau (v.l.), Rainer Bahr, Peter Liebetrau, Harald Burhop, Heinz Müller und Susanne Duddenhausen passen in den Straßen auf.

Grolland. Mit großen Schildern an der Brakkämpe und der Hadeler Straße warnen Anwohner in Grolland potenzielle Diebe: Unsere Wertgegenstände sind markiert. Wer hier einbricht, läuft schneller Gefahr, gefasst zu werden. Ein weiteres Schild, das auf die Verwendung von künstlicher DNA hinweist, soll demnächst am Krümmhörner Weg aufgestellt werden. "Wir vom Siedlerverein Grolland Süd wollten nicht länger tatenlos zusehen, als Einbrecher massiv in unserer Gegend tätig geworden sind", sagt Rainer Bahr. Auf einen Beschluss des Vorstandes hin, hat der Verein mittlerweile seit Jahresende 2011 über 100 der Künstliche-DNA-Sets erworben und zum vergünstigten Preis an Mitglieder und Interessenten verkauft. Im gesamten Ortsteil sind es nach Polizeiangaben sogar schon über 200 Haushalte, die die unsichtbare Flüssigkeit auf Elektrogeräte und andere wertvolle Gegenstände aufgetragen haben. Der Grund waren etwa 14 Einbrüche, die die Polizei innerhalb weniger Wochen im November und Dezember 2011 in der Huchtinger Einfamilienhaussiedlung registriert hatte. "Das war ein dramatischer Anstieg der Vorfälle, der bremenweit zu verzeichnen war", sagt der stellvertretende Revierleiter des Stadtteils, Hartmut Günther. Mit zehn im aktuellen Jahr sind die Einbrüche in Grolland deutlich weniger geworden. "Ob das an der Markierung liegt, können wir nicht sagen, aber wir haben das Gefühl, dass die abschreckende Wirkung recht groß ist", meint Günther.

Die Anwohner wissen, dass es allein mit ihrer Initiative nicht getan ist: "Wir fühlen uns mit der kDNA etwas besser geschützt, doch das ist nur eines von mehreren Mosaiksteinchen", sagt Peter Liebetrau vom Siedlerverein Grolland Süd. Zusätzlich verweist der ehemalige Polizist auf stabile Fenster und Türen an den Häusern, auf die gute Nachbarschaft und schließlich den engen Kontakt zur örtlichen Polizei. "Ich habe den Anwohnern angeboten, dass sie jederzeit bei mir anrufen können, wenn ihnen etwas Ungewöhnliches auffällt", erklärt Harald Burhop. Der Kontaktpolizist für Grolland und Mittelshuchting aus dem Huchtinger Revier hat bereits daraufhin Autokennzeichen überprüft und Entwarnung geben können. "In einem Fall war es ein Sperrmüllsammler, der auffällig langsam und häufig in der Siedlung durch die Straßen gefahren ist."

Das Engagement der Anwohner hält er für außergewöhnlich, in anderen Gebieten sei dies jedoch aufgrund der Eigentumsverhältnisse nur schwer möglich. "In Mehrfamilienhäusern mancher Finanzinvestoren haben wir keinen Ansprechpartner, dem das Wohl seiner Mieter am Herzen liegt", bedauert Burhop.

Hauptproblem: Personalmangel

Während einer Informationsveranstaltung der Grollander Sozialdemokraten warb Innensenator Ulrich Mäurer vergangene Woche für Vertrauen in die Arbeit der Bremer Polizei und Justiz. "Unser Hauptproblem ist der Personalmangel", musste er zugeben.

Die derzeitig rückläufigen Einbruchszahlen würden ihn darin bestärken, die gemeinsame Fehlersuche bei Polizei, Staatsanwaltschaft und Vollzug fortzuführen und auf schnellere Verurteilungen der Täter zu setzen.

Immerhin sei es gelungen, bei der Verabschiedung des neuen Bremer Haushaltes eine weitere Stellenkürzung bei Polizei und Staatsanwaltschaft zu verhindern, erklärte Sükrü Senkal. "Wir müssen mit dem wenigen Personal auskommen und in Zukunft neue Wege gehen", sagt der innenpolitische Sprecher der SPD. Es sei wichtig, die Aufgaben der Polizei auf das Wesentliche zu konzentrieren und beispielsweise die Begleitung von Schwertransportern zu hinterfragen. Das private Engagement der Bremer, da sind die Politiker sich einig, sei dennoch wichtig im Kampf gegen einen der deutschlandweiten Spitzenplätze bei den Einbruchszahlen.

Absolute Sicherheit garantiert aber auch die künstliche DNA keinem Anwohner. Bei einem Einbruch in Grolland haben sich kürzlich die Täter nicht davon abhalten lassen, dass ihr Diebesgut markiert ist. "Die Wahrscheinlichkeit ist aber höher, dass wir die Täter deswegen überführen können", sagt Hartmut Günther vom Huchtinger Polizierevier.

Wer Interesse an einem kDNA-Set hat, kann dies jeden Mittwoch zwischen 17.30 und 19 Uhr für 60 Euro beim Siedlerverein Grolland Süd, Brakkämpe 64C, erwerben.

Künstliche DNA

n Mit dem unsichtbaren flüssigen Stoff können Wertgegenstände individuell gekennzeichnet und im Fall eines Diebstahls später dem Besitzer zugeordnet werden. Dieben haftet die künstliche DNA bis zu sechs Wochen an den Fingern oder Kleidungsstücken, sie ist nicht abwaschbar. Dadurch könnten Täter überführt werden, so die Hoffnung der Polizei. Künstliche DNA ist eine Substanz, die erst unter ultraviolettem Licht sichtbar wird. Beamte können sie mit einer speziellen Taschenlampe erkennen. Mit dem Erbgut von Lebewesen hat die Flüssigkeit nicht viel gemeinsam. Die Entwickler nannten sie DNA, weil keine produzierte Charge einer anderen gleicht, ebenso wie jedes Genmaterial individuell ist. Eine Gesundheitsgefährdung geht laut Herstellerangaben nicht davon aus.



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