
Grolland. Pastor Jürgen Hamelmann, Hausherr in der St. Lukas-Kirche, freute sich über den Besucherandrang am Montag. Zum zweiten Mal gab es damit eine Präsentation des Kinder- und Kulturfestivals "Aktionata" in dem modernen Gebäude. "Die Holz-Stahlseil-Konstruktion bietet wenig Hall, das ist gut für Aufführungen", weiß Pastor Hamelmann.
Leise Percussion-Musik von Schülerinnen und Schülern tröpfelt ruhig dahin. Vor schwarzem Tuch sitzen Schüler auf ihren Cajóns. Die Zuschauer werden still.
Spanisch anmutende Gitarrenklänge stimmen die Gäste auf die erste Vorführung der Projekte ein, die Kinder und Jugendliche in diesem Jahr beim Kinder- und Kulturfestival erarbeitet haben. Mit dem Klavier nimmt Komponist Peter Friemer die Melodie auf. Da schreitet Mihai Zamfir mit gewaltiger Stimme auf die Bühne. "Ahhh, Ahhh, Ahhh". Kinder folgen dem bärtigen Kammersänger in schwarzer Robe und fügen sich seinen Gesten. Sie gehen in die Knie und liegen am Boden.
Zamfir intoniert gewaltig ein "Granada" und nimmt das Auditorium mit in eine Fantasiewelt. Kinder verwandeln sich in einen Fischschwarm, huschen über die Bühne. "Wer sich eine Flosse bricht, geht zum Heilbutt oder nicht", singen helle junge Stimmen.
Plötzliches Aufbegehren
Im Rapp begehren die Schülerinnen und Schüler gegen das Opernhafte auf. Begleitet durch zarte Harmonien auf Xylofon und Gitarre betrachten die jungen Darsteller die Welt aus der Perspektive eines Vogelschwarms. "Fremde Sitten, immer neues sehen, Reisen ist so wunderschön. Schau nach vorn und nicht zurück, denn dort liegt das Glück", singen sie dazu.
Puppenspielerin Julia Warneke sitzt in zweiter Reihe und verfolgt neugierig, was sie von den "Aktionata"-Projekten bisher nicht sehen konnte. Denn die Wallerin hatte in der Nimweger Straße eine nur für die "Aktionata" umgestaltete Wohnung bezogen und dort einem breiten Publikum und vielen Schülern täglich professionelles Puppenspielen geübt (wir berichteten).
Da begrüßen Pantomimen die vollen Reihen der Besucher. Hut auf, Hut ab und verschenken dabei ein Lächeln. Das Publikum freut es. Sport muss nicht Mord sein, aber einiges an Übung, wenn nicht Talent, braucht es für die Verrenkungen der biegsamen Körper, die der Profi-Pantomine Arnold Sarajinski seinen Schützlingen vorgibt. Nur durch fließende Fingerbewegungen erhobener Händen und die Fantasie der Betrachter fliegen Schmetterlingsschwärme durch das elegante Kirchenschiff, das heute Bühne ist. Eingesperrt suchen 40 Hände Wände ab. Der Ausgang ist ihr stürmisch beklatschter Abgang.
Bewegt sich eine Schlange oder ist es, wie von Ortsamtsleiter Uwe Martin, der in die Moderatorenrolle geschlüpft ist, angekündigt, eine Schülerin der Roland zu Bremen-Oberschule? 17 Klassenkameraden folgen der jungen Schönheit. Streetdance-Europameister und Choreograf Driton Veliu hat viel verlangt. Hip-Hop und Streetdance, klar, das ist mit jungen Bremern gut machbar. Doch hier drehen sich auch Paare im Standard-Tanz oder bewegen sich in Kreisformationen wie zu Folkmusic. Weniger athletische Boys vermeiden die Bodenakrobatik des Hip Hop und legen stattdessen beim sanften Schmusesong "Lady lie down, I meet you" einen Arm an weiblichen Hüften.
Das Kinder- und Kulturfestival verbindet kreative Projekte. "Aktionata" vereint Tanzstile, Menschen unterschiedlicher Generationen und Herkunft. Sehr unterschiedliche soziale Kunstwerke fanden ihren Höhepunkt in der Benefiz-Gala am gestrigen Abend, bei der mit reicher Küche und Showdarbietungen Spenden für das kommende Projektjahr gesammelt wurden.
Zu Sphärenklängen schweben Ballons, fremden Welten gleich, herein – getragen von Pantomimen. Eine Raummannschaft erkundet fast schwerelos einen unbekannten Globus. Wohin zuerst?
Machtvolles erklingt, als schreitend kämpferische Kreaturen auf die Neugierigen treffen. Kampflose Unterwerfung verhindert Verlust und Schmerz. Wesen scannen mit ihren grünen Wackel-Augen die Friedfertigen, während die Zackigen auf ihrem Erfolgsweg des Beherrschens weiterziehen. Grüne Wackel-Augen erkennen die Gefahrlosigkeit der Fremden und geben den forschend Neugierigen ihre Freiheit zurück. Lautstarker Jubel beendete die Vor-Premiere zur gestrigen Gala. Und nicht wenige Eltern schließen mit beglücktem Blick junge Darsteller in die Arme.











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